FOKUS 2-Verunsicherte Schweizer Anleger halten sich zurück

Der SMI hat sich am Donnerstag in engen Spannen bewegt. Die Anleger sind wegen der Ungewissheit im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit und der Entwicklung in Italien oder einigen Schwellenländern verunsichert.
06.09.2018 17:38

Daher bröckelten die Kurse leicht ab. Der Leitindex SMI, der am Mittwoch um 0,9 Prozent nachgegeben hatte, notierte mit 8819 Zählern erneut um 0,6 Prozent tiefer.

Händlern zufolge bleibt abzuwarten, ob US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängen und die Volksrepublik zur Vergeltung mit ähnlichen Schritten reagieren werde.

"Noch ist der Handelsstreit der USA mit Kanada, China und Europa nicht gelöst", sagte ein Börsianer. Aber es gebe Hoffnung auf eine Lösung. Sollten die Zollstreitigkeiten beigelegt werden, wäre der Weg frei für steigende Kurse.

Auch anziehende Firmengewinne und die brummende Konjunktur spricht für höhere Kurse. Die Schweizer Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr trotz des Handelsstreits um 3,4 Prozent und damit deutlich stärker als von Analysten erwartet.

Die Kursausschläge hielten sich in Grenzen. Zu den Gewinnern zählten die Versicherer Swiss Life und Zurich mit Kursanstiegen von 0,3 Prozent. Swiss Re gab etwas nach. Die konjunkturzyklische Firmen ABB, Adecco, LafargeHolcim und SGS gaben anfängliche Gewinne wieder ab.

Die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch büssten einen Grossteil ihrer Gewinne ein und notierten zuletzt noch mit 0,2 Prozent im Plus. Credit Suisse und Kepler Cheuvreux haben zwar das Kursziel für den Uhrenkonzern gesenkt, ihre Kaufempfehlungen aber bekräftigt. Die Anteile von Rivale Richemont, der am Montag über die Umsatzentwicklung in den ersten fünf Geschäftsmonaten informieren will, sanken um 0,8 Prozent.

Schwächer waren die Aktien der Bauzulieferer Sika und Geberit mit Kursabschlägen von 1,9 und 0,8 Prozent.

Uneinheitlich die Schwergewichte: Nestle schlossen leicht im Plus, während Novartis 1 Prozent verloren. Der Pharmakonzern Novartis hat einen Teil seines Generika-Geschäfts für 900 Millionen Dollar an die indische Firma Aurobindo Pharma verkauft. Die Roche-Scheine verloren ebenfalls 1 Prozent. Der Pharmakonzern muss bei seiner Krebs-Immuntherapie Tecentriq einen Rückschlag verkraften. In den USA dauert das Zulassungsverfahren für die Arznei zur Behandlung einer bestimmten Form von Lungenkrebs drei Monate länger als geplant.

Die Grossbanken Credit Suisse und UBS gaben nach dem Kursanstieg am Mittwoch 1,1 und 0,9 Prozent nach.

Am breiten Markt schwächten sich die Aktien von Lindt & Sprüngli um 1,4 Prozent ab auf 77'500 Franken. Goldman Sachs hat das Kursziel für den Schokoladehersteller auf 62'000 von 64'000 Franken gesenkt und die Empfehlung "Sell" bekräftigt.

Die Polyphor-Titel stiegen um 3,6 Prozent auf 31.95 Franken. Die Pharmafirma ist im ersten Halbjahr mit einem Verlust von 20,8 Millionen Franken zwar tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Finanzierung der Medikamentenpipeline ist bis zu den Schlüssel-Meilensteinen aber gesichert. Zudem steigt die Firma Novo Holdings bei dem Antibiotika-Hersteller ein.

Die Aktien von Ceva Logistics sackten um 3,6 Prozent ab auf 20.35 Franken. Credit Suisse hat das Kursziel für den Logistikkonzern auf 22.43 von 27.06 Franken reduziert. Das Rating lautet "Neutral".

(Reuters)