Vernachlässigtes Indexschwergewicht - Wird Novartis zum SMI-Zugpferd?

Zwei mächtige amerikanische Investmentbanken entdecken die Aktien von Novartis wieder. Winkt dem SMI nun ein 400-Punkte-Schub? - Und: Ein altbekannter Grossaktionär meldet sich bei Dufry zurück.
11.09.2018 12:30
cash Insider
Wird Novartis zum SMI-Zugpferd?
Bild: fotolia.com

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Die Aktien von Novartis weisen einen komfortablen Sicherheitsabstand zu den Jahrestiefstkursen von Ende Juni auf. Bei etwas mehr als 80 Franken trennen sie mittlerweile gut 12 Prozent von diesen.

Für langjährige Aktionäre des Gesundheitskonzerns aus Basel ist das allerdings ein eher schwacher Trost. Im Sommer vor drei Jahren wurden für dieselben Aktien nämlich noch Kurse von 100 Franken oder mehr bezahlt.

Für Balsam auf die geschundene Aktionärsseele sorgten gestern Graham Parry und Sachin Jain von Merrill Lynch. Die beiden bekannten Pharmaanalysten vollzogen eine 180-Grad-Wende und stuften die Papiere von "Underperform" auf "Buy" herauf. In Erwartung mehrerer Jahre mit einem prozentual zweistelligen Gewinnwachstum beziffern sie das Kursziel neu auf 100 (zuvor 85) Franken.

Kursentwicklung der Aktien von Novartis über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Parry und Jain zufolge stehen Novartis nicht weniger als 10 neue Medikamente - darunter auch Nachahmerpräparate der Generikatochter Sandoz - zur Verfügung, um den drohenden Patentablauf beim Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya auffangen zu können.

Einen möglichen Kurstreiber sehen die beiden Pharmaanalysten auch in der geplanten Abspaltung des amerikanischen Tochterunternehmens Alcon, obwohl sie einräumen, dass sich damit auf dem Papier keine Aktionärswerte schaffen lassen. Wie seit Juni bekannt ist, soll der Abspaltungsplan in der ersten Hälfte nächsten Jahres in die Tat umgesetzt werden.

Für gewöhnlich bewegt die mächtige amerikanische Investmentbank Merrill Lynch mit solchen Umstufungen die Kurse der betroffenen Aktien um mehrere Prozent. Jene von Novartis ging gestern gerademal um 1,7 Prozent höher aus dem Handel. Noch bescheidener war die Reaktion der Genussscheine von Roche auf die Herunterstufung von "Buy" auf "Neutral" bei einem Kursziel von 265 (zuvor 275) Franken. Die Abgaben wurden insbesondere am späteren Nachmittag überraschend gut absorbiert.

Man darf gespannt sein, ob die heutige Heraufstufung der Aktien von Novartis von "Neutral" auf "Buy" durch Andrew Baum von der Citigroup den ganzen Tag über für Anschlusskäufe sorgen wird. Der Pharmaanalyst sieht die Papiere immerhin auf 95 (zuvor 81) Franken steigen.

Für den Swiss Market Index (SMI) ist der September der schwächste Monat des ganzen Jahres (siehe Dem SMI steht ein heisser Herbst bevor vom 5. September). Ein Vorstoss des Schwergewichts auf 100 Franken entspräche einem höchst willkommenen Schub von 400 Indexpunkten, ist das Börsenbarometer doch geradezu auf frische Impulse angewiesen.

Schade nur verhalten sich die Aktienkurse nicht immer so, wie das die Analysten vorhersagen...

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In einer Nacht-und-Nebel-Aktion verkaufte der langjährige Grossaktionär GIC im April 2017 sein an Dufry gehaltenes Aktienpaket an die übernahmehungrige HNA. Die Hoffnung, dass der chinesische Mischkonzern seine Beteiligung kräftig ausbauen könnte, stieg der Kurs der Aktien des Reisedetailhandelskonzerns aus Basel in den darauffolgenden Wochen auf über 170 Franken.

Genauso überraschend wie die ehemalige Grossaktionärin damals ausgestiegen war, meldet sie sich nun wieder zurück. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hat sich GIC ein 3-Prozent-Paket geschnürt. Nach dem Kurszerfall der letzten Monate - alleine seit Mai betragen die Verluste fast 20 Prozent - war die Gelegenheit wohl zu verlockend.

Aufstieg und Fall der Dufry-Aktien über die letzten zwei Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Unnötig zu sagen, dass von dieser Beteiligungsnahme durchaus eine Signalwirkung für die Börse ausgeht. Schliesslich hielt GIC einst fast 8 Prozent der Stimmen. Und anders als damals entrichtet Dufry den Aktionären mittlerweile eine Dividende. Die Rendite beträgt immerhin 3,2 Prozent.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Grossaktionärin ihre Beteiligung weiter ausbaut. Möglich ist auch eine Rückkehr von Temasek. Der zweite Staatsfonds Singapurs war früher ebenfalls in einem bedeutenden Umfang am Reisedetailhandelskonzern beteiligt.

Lassen wir uns mal überraschen, ob bei der SIX in den nächsten Wochen nicht weitere Offenlegungsmeldungen eingehen.

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