Aktien New York: Euphorie über mögliche US-chinesische Gespräche verpufft

Die anfängliche Freude an der Wall Street über eine mögliche Entspannung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit war am Mittwoch nur von kurzer Dauer. Zuletzt gab der US-Leitindex Dow Jones Industrial seine Gewinne ab und trat mit einem Minus von 0,01 Prozent bei 25 967,63 Punkten auf der Stelle.
12.09.2018 20:17

Damit notierte er ungefähr wieder auf dem Niveau vor dem Bericht des "Wall Street Journal", wonach die USA eine neue Gesprächsrunde zum Handel mit China vorschlagen. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed (Beige Book), wonach die heimische Wirtschaft mit moderatem Tempo gewachsen ist, liess das Börsenbarometer kalt.

Ähnlich sah es bei den anderen US-Indizes aus: Der marktbreite S&P 500 sank um 0,07 Prozent auf 2885,81 Punkte, während der technologielastige Nasdaq 100 0,46 Prozent auf 7473,41 Zähler verlor.

Unternehmensseitig stand Apple mit der Vorstellung neuer iPhones im Fokus. Zudem ist es dem Tech-Giganten gelungen, seine Computer-Uhr zu einem EKG-Messgerät zu machen. Ein Nutzer könne ein Elektrokardiogramm erstellen, indem er den Finger für eine halbe Minute an die Krone an der Gehäuse-Seite halte, erklärte Apple-Manager Jeff Williams am Mittwoch. Die Funktion sei von der US-Gesundheitsaufsicht FDA freigegeben worden, die für die Zulassung medizinischer Geräte zuständig ist. Nachdem sich die Aktie zuletzt von den tagelangen Verlusten infolge der Diskussionen um mögliche Strafzölle auf in China hergestellte Produkte erholt hatte, ging es nun um über 1 Prozent bergab.

Härter traf es die Papiere von Chipherstellern, zu denen sich Goldman Sachs skeptisch geäussert hatte. Für Micron Technology und Lam Research strich die US-Investmentbank sogar ihre bisherigen Kaufempfehlungen, was zu Kursverlusten von über 4 beziehungsweise mehr als 3 Prozent führte. Goldman sieht erste Anzeichen eines Überangebotes von Speicherchips und schraubte daher die Erwartungen für die Branche zurück. Den Sektor der Ausrüster halten die Experten der Bank nicht mehr für attraktiv und stufen ihn nur noch neutral ein.

Dagegen profitierten die Ölkonzerne weiter vom Höhenflug der Preise für den wichtigen Rohstoff: Chevron und ExxonMobil gehörten mit Aufschlägen von 1,08 und 0,40 Prozent zu den besseren Werten im Dow. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern stützt die Entwicklung der Ölreserven in den USA den Ölmarkt. Die Rohölbestände in den USA sind in der vergangenen Woche deutlicher als erwartet zurückgegangen, wie aktuelle Daten belegen. Ausserdem haben die Anleger am Ölmarkt die weitere Entwicklung des Hurrikans "Florence" im Blick, der auf die Ostküste der USA zusteuert.

Dass sich die milliardenschwere Übernahme des Rivalen Sprint durch die US-Mobilfunksparte T-Mobile US der Deutschen Telekom verzögern könnte, schreckte die Anleger nicht: Die Aktien von Sprint und T-Mobile US verteuerten sich um über dreieinhalb beziehungsweise knapp 3 Prozent. Die US-Telekomaufsicht FCC braucht nach eigenen Angaben mehr Zeit für die Prüfung der angedachten Netzzusammenlegung, wie sie beiden Unternehmen mitteilte.

Die Anteilseigner des Tabakkonzerns Altria konnte ein Bericht nicht schocken, wonach die US-Gesundheitsbehörde FDA aus Jugendschutzgründen ein Verbot von geschmacksangereicherten E-Zigaretten erwägt: Die seit Jahresbeginn sehr schwachen Aktien reagierten vielmehr positiv und zogen bei einem deutlich erhöhten Handelsvolumen um über 6 Prozent an. Ein solches Verbot könnte Experten zufolge zur Rückkehr von Rauchern zu herkömmlichen Zigaretten führen und dem E-Zigaretten-Hersteller Juul einen schweren Schlag versetzen.

Sein Börsendebüt in New York gab an diesem Mittwoch der chinesische Elektroauto-Hersteller Nio. Nach einem schwachen Auftakt notierten die Aktien des Tesla -Konkurrenten zuletzt bei 6,63 US-Dollar. Der erste Kurs hatte mit 6,00 Dollar noch unter dem Ausgabepreis von 6,26 Dollar gelegen, der ohnehin schon fast das untere Ende der ursprünglichen Preisspanne markiert hatte./gl/men

(AWP)