Vorsorgesparen: Die Säule 3a reicht kaum aus

Vorsorgesparen mit der Säule 3a ist beliebt. Allerdings sind die Beiträge dafür limitiert. Auf welchen Wegen Vorsorgesparer zusätzliche Mittel beiseite legen können - und auf welchen eher nicht.
09.01.2017 22:46
Von Marc Forster
Vorsorgesparen: Die Säule 3a reicht kaum aus
Bild: ©sakkmesterke/fotolia.com

Die 37-jährige Karin W. (fiktives Beispiel) verdient als Wirtschaftsprüferin im Jahr einen Bruttolohn von 92‘000 Franken. Eine Heirat mit ihrem Partner steht nicht auf dem Programm, auch will sie derzeit keine Kinder bekommen. Als Angestellte zahlt sie automatisch in die AHV (1. Säule) und ihre Berufsvorsorge (2. Säule) ein. So weit, so geregelt. Beim Blick auf ihre Vorsorge trübt sich Karins Stimmung aber etwas ein: Aus der 1. und 2. Säule würde sie nach akuteller Berechnung gut 51‘000 Franken Rente im Jahr erhalten – die Lücke zum jetzigen Einkommen ist also gross.

Privat überweist sie seit einigen Jahren auch Geld auf ein Säule-3a-Konto.  Als Gutverdienende konnte sich Karin es bisher erlauben, für die 3. Säule den Höchstbetrag von 6768 Franken einzuzahlen. 

Säule-3a-Sparen ist beliebt, sicher und wird vom Staat auch mit Steuerbegünstigung gefördert. Aktuell besteht für AHV-pflichten Personen die Möglichkeit, maximal 6768 Franken im Jahr einzuzahlen. Möglich – und auch empfohlen – ist, in mehrere Säule-3a-Konten einzuzahlen, so dass die Steuerbelastung beim Bezug tiefer ausfällt. Frauen können mit frühestens 59 Jahren, Männer mit 60 Jahren erstmals Beträge beziehen. Aber auch bei mehreren Konten gilt insgesamt eine Obergrenze von 6768 Franken, die auf die verschiedenen Konten aufgeteilt werden müssen.

Wenn Karin den Säule-3a-Höchstbetrag bis zur Pensionierung weiter einzahlt, bessert sich ihr Altersguthaben um rund 194‘000 Franken auf – dabei kann sie rund 1800 Franken Steuern im Jahr sparen (zum cash-Vorsorgerechner). Aber reicht das zur Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards, wozu die dritte Säule ja dienen soll?

Ambitionierte Ziele

Eine Faustregel besagt, dass Erwerbstätige so früh wie möglich anfangen, von sich aus 10 bis 15 Prozent des Bruttoeinkommens für das Alter beiseite zu legen – also neben AHV und Berufsvorsorge.  Der Schweizer Durchschnittlohn beträgt rund 59‘000 Franken. 15 Prozent davon wären 8850 Franken, also bleiben über dem einzahlbaren Einkommen der Säule 3a noch rund 2000 Franken. Wer den Säule-3a-Maximalbetrag einzahlt und den Rest auf dem Bankkonto spart, muss zwei Dinge wissen:

  1. Das Säule-3-a-Geld ist effektiv bis zum Alter von 59 bzw. 60 Jahren gesperrt. Bezogen werden kann es nur unter bestimmten Umständen: Dazu gehören Selbständigkeit, Wegzug ins Ausland oder Immobilienkauf, sowie auch, wenn jemand eine IV-Rente bezieht, aber das Invaliditätsrisiko nicht durch eine Zusatzversicherung gedeckt ist.
  2. Geld auf dem Bankkonto gibt derzeit keine oder kaum Zinsen. Gespart ist das Geld trotzdem, wobei die Versuchung besteht, das Geld abzuheben.

Gerade bei tieferen Einkommen besteht oft kaum eine Möglichkeit, überhaupt den Säule-3a-Maximalbetrag oder mehr beiseitezulegen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Mit den drei Säulen AHV, Berufsvorsorge nach BVG und einem Säule-3a-Konto kann man im Alter leben. Wer bescheiden lebt, kann damit durchkommen. Weil vor allem die Verzinsung der 2. Säule sinken wird, wird ein zusätzliches finanzielles Polster immer wichtiger.

Zusätzliches Sparen

Karin aus dem obigen Beispiel verdient deutlich mehr als der Durchschnitt. Will sie privat 15 Prozent ihres Bruttoeinkommens zur Seite legen, muss sie rund 13‘500 Franken im Jahr sparen. Auch bei einem höheren Einkommen bedeutet dies Verzicht - dazu kommt aber auch, dass Karin rund doppelt so viel sparen sollte, als sie in die Säule 3a einzahlen kann.

Um die rund 7000 Franken zusätzlich zur Säule 3a fürs Alter anzulegen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die gängigsten sind Lebensversicherungen oder Fondssparpläne sowie ein Nachzahlen in die 2. Säule. Letzteres sollte man nicht aufs "Gratewohl" tun, weil man sonst beim Bezug steuerlich schlechter dastehen kann. Wieviel jemand in die berufliche Vorsorge zusätzlich einschiessen soll, hängt von den Budgetvorstellungen im Alter ab.

Lebensversicherungen werden derzeit weniger empfohlen, weil die Verzinsung stark gesunken ist. Zweiter Nachteil von Lebensversicherungen ist, dass die Einzahlung Jahr für Jahr immer erfolgen muss und es nur mit finanziellem Verlust möglich ist, aus diesem Vorsorgeprodukt auszusteigen. Lebensversicherungen eignen sich am ehestens für Leute, die sich selber aufgrund ihres Konsumverhaltens einen Sparzwang auferlegen müssen.

Mehr Sparen bedeutet auch mehr Risken

Eine Garantie-Lebensversicherung eines Versicherers bietet noch eine fixe Verzinsung, aber die Anbieter nehmen diese Produkte angesichts von Tief- und Negativzinsen heute verstärkt vom Markt. Garantien werden in der Regel ohnehin nur dadurch sichergestellt, indem die Lebensversicherungs- und Vorsorgeprodukte mit einer Wertschriftenanlage verbunden ist. Damit trägt der Kunde aber ein Anlagerisiko mit.

Klar mit einem Risiko verbunden sind auch Fondsparpläne. Banken und Versicherer raten häufig dazu, Geld vor allem in Aktienfonds anzulegen. Auf lange Frist rentieren solche Anlagen in aller Regel. Auch wenn Aktien und Fonds zwischendurch einmal Kursverluste erleiden, ergibt sich in den allermeisten Fällen über die Jahre hinweg eine Rendite. Die Vorsorgesparerin Karin kann mit ihrem höheren Einkommen etwaige Verluste allerdings besser tragen als jemand, der beispielsweise in etwa den Durchschnittslohn verdient - für sie bietet sich diese Lösung an.

Zwei Voraussetzungen sollten beim Fondsparen aber auf jeden Fall erfüllt sein: Man sollte erstens das investierte Geld wirklich nicht anfassen (im Gegensatz zur Säule 3a ist ein Bezug immer möglich), und zweitens die Finanzmärkte etwas im Auge behalten. Auch wenn die Anlagetätigkeit durch eine Bank oder eine Versicherung getätigt wird - als Kunde etwas über die Investments Bescheid zu wissen, ist nie falsch.