Dem Crash ein Schnippchen schlagen

Kurschwankungen eines Aktienindex können einen Hinweis auf bevorstehende Turbulenzen liefern. Deshalb setzen Profi-Anleger diesen Indikator zur Portfolioabsicherung ein. Eine zentrale Rolle spielen dabei ETF.
27.08.2014 01:00
Von Daniel Dubach
Auf dass sie an den Börsen jubeln können: Der Volatilitäts-Index "warnt" vor einem Crash.
Auf dass sie an den Börsen jubeln können: Der Volatilitäts-Index "warnt" vor einem Crash.
Bild: Bloomberg

Das Börsengeschehen ist stark von Stimmungsschwankungen bestimmt. Oft führen Euphorie oder Angstwellen zu übertriebenen Kursbewegungen. Werden die Marktteilnehmer nervös, zeigt sich dies an zunehmenden Kursschwankungen. In die Börsensprache übersetzt spricht man von Volatilität.

Eine hohe Volatilität weist auf einen nervösen Markt hin. Niedrige Werte hingegen lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten. Volatilitätsindizes, welche diese Schwankungen messen, gelten deshalb auch als "Angstbarometer" der Börsen. Sie haben die interessante Eigenschaft, dass sich ihre Wertentwicklung in vielen Marktphasen umgekehrt zur Aktienkursentwicklung verhält, wie nachfolgende Grafik für den Schweizer Markt zeigt:

Vergleich Kursentwicklung SMI und Volatilitätsindex auf den SMI seit 1.1.2005

Insbesondere während starker Kursrückgänge an den Börsen schlägt der Wert des Volatilitätsindex (blaue Linie) stark nach oben aus. Diese teilweise entgegengesetzte Kursentwicklung – in der Börsensprache eine negative Korrelation – macht einen Volatilitätsindex zu einem möglichen Absicherungsinstrument für das Portfolio.

Etliche professionelle Investoren haben diesen Indikator deshalb in ihren Anlageprozess als Signal zur rechtzeitigen Reduktion der Aktienquote eingebaut. Die verschiedenen Verfahren sind allerdings meist komplex und funktionieren nicht in allen Marktphasen gleich gut.

Eine Absicherungsvariante, die auch für etwas versiertere private Investoren in Frage kommt, sind ETF (Exchange Traded Funds, also börsengehandelte Indexfonds), welchen ein solcher Volatilitätsindex zu Grunde liegt. Da die Konstruktion eines derartigen Volatilitätsindex aber viel Mathematik und den Einbezug von derivativen Instrumenten wie Futures bedingt, muss man sich vor dem Kauf eines Volatilitäts-ETF eingehend mit den zu erwartenden Eigenschaften befassen. Denn nur wer die Konstruktion solcher Volatilitätsstrategien versteht, kann sie erfolgreich zur Portfolioabsicherung oder für Kursgewinne während Marktturbulenzen einsetzen.

Drei bekannte "Angstbarometer" sind der "Chicago Board Options Exchange SPX Volatility Index", besser bekannt als VIX, der VDAX auf den deutschen Aktienindex und der Volatilitätsindex des Swiss Market Index (VSMI).  Alle drei sind seit Jahresbeginn stark rückläufig und notieren aktuell nahe ihrer Rekordtiefs. Die Portfolioabsicherung mit ETF auf solche Volatilitätsindizes gestaltet sich in der Praxis jedoch schwieriger, als man zunächst denken könnte. Das liegt unter anderem daran, dass die Volatilität nicht die Richtung einer Kursveränderung anzeigt, sondern lediglich ihre Schwankungsbreite.

Es kann also grundsätzlich immer auf beide Seiten gehen. Um die Schwankungsbreite in einem Volatilitätsindex auszudrücken, muss man mit einem mathematisch anspruchsvollen Verfahren auf Optionskurse (implizite Volatilität) und auf Futures zurückgreifen. So können die implizite Volatilität und die tatsächlich eingetretene Volatilität unterschiedlich sein, was die Aussagekraft eines Volatilitätsindex hinsichtlich zukünftiger Kursentwicklungen abschwächt.

Ebenfalls wichtig ist zu wissen, dass sich ein reines Kaufen und Halten von ETF auf Volatilitätsindizes nicht auszahlt. Man muss wirklich Phasen erwischen, wo sich die Marktnervosität deutlich zu beleben beginnt. Nur dann legt der Wert solcher ETF stärker zu. Der Effekt ist am größten, wenn die Aktienkurse fallen. Bei steigenden Märkten ist der Effekt nicht so hoch. Bleibt die Marktvolatilität hingegen länger konstant, verlieren Volatilitäts-ETF kontinuierlich an Kurswert, weil zur Berechnung notwendige Futures Rollzeitpunkte zu Einbussen führen.

Ziel kurzfristige Portfolioabsicherung

Für private Anleger ist es anspruchsvoll, mit Volatilitäts-ETF Geld zu verdienen oder das Portfolio abzusichern. Solche speziellen ETF eignen sich für versiertere Anleger, die ihr Portfolio kurzfristig absichern wollen. Für eine langfristige Absicherung mittels kaufen und halten sind diese Instrumente ungeeignet, denn der Markt nimmt nicht kontinuierlich an Risiko zu, das heisst der Preis für die Volatilität kann auch schnell wieder sinken.

Beim Kauf von Volatilitäts-ETF sind insbesondere die Spreadkosten (Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis) zu beachten. Die in nachfolgender Tabelle aufgeführten ETF gehören bezüglich Kosten zu den besten und haben Spreads in der Grössenordnung zwischen 0.40% bis 0.70% sowie relativ niedrige Total Expense Ratios (TER).

ETF auf Volatilitätsindizes

Name

ISIN-Nr.

Zu Grunde liegender Aktienindex zur Volatilitätsmessung

Börse

Währung

TER

Lyxor ETF Dynamic Short VIX Futures Euro

LU0871961511

S&P 500

Deutsche Börse

Euro

0.40%

Source J.P. Morgan Macro Hedge US TR ETF

IE00B3P1F038

S&P 500

Swiss Exchange (SIX)

USD

0.25%

Source J.P. Morgan Macro Hedge Dual TR UCITS ETF

IE00B675BN95

S&P 500 und Euro STOXX

Swiss Exchange (SIX)

Euro

0.25%