Welche Anlageklasse die beste Rendite bringt

Mit verschiedenen Prognose-Modellen, die miteinander kombiniert werden, lassen sich die längerfristigen Renditen pro Anlageklasse besser abschätzen. Cash zeigt, wie ein solches Konzept funktioniert und analysiert die Resultate der 5-Jahres Prognose.
21.01.2014 02:00
Von Daniel Dubach
Bei welcher Anlageklasse zeigen die Renditen nach oben?
Bei welcher Anlageklasse zeigen die Renditen nach oben?
Bild: Bloomberg

„Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen“. Dieses geflügelte Statement bringt die Unschärfe, die mit Vorhersagen zum Verhalten der Finanzmärkte verbunden sind, trefflich auf den Punkt. Wenn es schon so schwierig ist, aussagekräftige Prognosen zu zukünftigen Renditen zu machen, so soll man sich nicht auf ein einzelnes Prognoseverfahren stützen, haben sich die Berater der St. Galler Firma c-alm gesagt. Sie stellen deshalb ein ganzes Spektrum von Prognosen zur Verfügung. „Auf Basis der Schätzbandbreiten, die wir so gewinnen, können wir mit unseren Kunden zielgerichtete Annahmen treffen“, sagt Ueli Mettler, einer der Partner von c-alm.

Dieses „AUGUR“ genannte Konzept kombiniert neben der gängigen Rückschau auf historische Daten ökonomische Fundamentalprognosen und berücksichtigt die Research-Resultate von 22 verschiedenen Finanzinstituten. Als Resultat ergeben sich Bandbreiten für die Renditeschätzungen pro Anlageklasse. Nachfolgende Graphik zeigt die geschätzten Jahresrenditen für die kommenden 5 Jahre:

5-Jahres Renditeprognosen pro Anlageklasse, durchschnittliche Rendite p.a.

Quelle: c-alm AG, AUGUR-Prognosen per 31.12.2013

Erklärung zur Grafik:

Pro Anlageklasse werden die jährlichen Durchschnittsrenditen gemäss drei verschiedenen Prognoseverfahren für den Zeitraum der kommenden 5 Jahre geschätzt:

  1. Fundamentalprognose der c-alm AG r ( Schätzung der Ertragskomponente  - Gewinne bei Aktien; Zinsertrag bei Nominalwerten; Cash-Flow-Rendite bei Immobilien) der verschiedenen Anlagekategorien
  2. Historische Prognose ¯ (Durchschnitt der monatlichen Renditedaten der vergangenen 20 Jahre)
  3. Konsensprognosen von 22 Finanzinstituten (Minimum und Maximum durch farbige Balken angezeigt)

Pro Anlageklasse ergibt sich mit diesen Schätzverfahren eine Erwartungs-Bandbreite, innerhalb derer die durchschnittlichen, jährlichen Renditen über die kommenden 5 Jahre mit grösster Wahrscheinlichkeit zu liegen kommen.

Beispiel Obligationen CHF: Gemäss Fundamentalprognose kann rund 1.25 Prozent erwartet werden, gemäss historischer Rückschau rund 3.90 Prozent und gemäss den verschiedenen Prognosen der Finanzinstitute ergibt sich eine Bandbreite zwischen  -0.20 Prozent und +2.10 Prozent . Der dunkel eingefärbte Teil des Balkens bezeichnet die Prognosespanne der Finanzinstitute zwischen dem 1. und 3. Quartil, der vertikale Strich schliesslich gibt den Median der Prognosen der 22 Institute wieder (0.96 Prozent ).

Als Benchmarks der einzelnen Anlagekategorien gelten:
- Obligationen CHF: Swiss Bond Index total AAA-BBB
- Obligationen FW: BarCap Global Aggregate Index
- Aktien Schweiz: Swiss Performance Index
- Aktien Welt - MSCI World Developed Countries Index
- Immobilien CH Fonds: SXI Real Estate Fund Index

Überhöhte Renditeerwartungen bei Vergangenheitsbetrachtung

Beim Vergleich der verschiedenen Prognoseverfahren lassen sich ein paar interessante Schlussfolgerungen ziehen. Kaum verwunderlich ist, dass sich mit Ausnahme der Aktien Welt bei der Prognose, die auf historische Werte abstützt, die höchsten Renditen ergeben. Denn in den vergangenen 20 Jahren haben alle festverzinslichen Anlageformen (Geldmarkt, Obligationen, Immobilien) stark von den stetig sinkenden Zinsen profitiert. Dies wird sich zukünftig nicht wiederholen können, weshalb die historische Schätzung bei diesen Anlageformen nach oben verzerrt ist.

Bei den Aktien Welt haben in der Vergangenheit Währungsverluste das Resultat gedrückt, was auch gut bei den Fremdwährungs-Obligationen zu beobachten ist. Historisch betrachtet hat man mit währungsgesicherten Obligationen besser verdient als ohne Absicherung. Trotzdem erwarten die Prognostiker mit den anderen Prognosemodellen zukünftig bessere Obligationenrenditen, wenn die Währung nicht abgesichert wird. Ob hier wohl das Währungsrisiko etwas unterschätzt wird?

Die einzige Anlageklasse, bei der in den kommenden 5 Jahren über die gesamte Periode auch eine negative Durchschnittsrendite für möglich gehalten wird, sind schweizerische Obligationen. Jedenfalls prognostizieren etliche  Finanzinstitute, dass Schweizer Oblis zukünftig gar weniger abwerfen als Geldmarktanlagen. Dies ist dann plausibel, wenn die Marktzinsen deutlich steigen und im Gegenzug die Obligationenpreise in den Keller schicken.

Unabhängig von den Schätzmodellen hegen die Prognostiker bei Aktien die klar höchsten Renditeerwartungen, was  die Zuversicht der Marktteilnehmer bezüglich der konjunkturellen Entwicklung wiederspiegelt. Zur Kompensation für das eingegangene Risiko sollte dies gemäss Finanztheorie  längerfristig auch so sein. Der grosse Unsicherheitsfaktor steigender Marktzinsen lastet jedoch auch auf den Aktien. Auch deren Wert würde dadurch in Mitleidenschaft gezogen.

Immobilienfonds werden zwar weiterhin als positiv eingestuft. Dies aufgrund ihrer Ausschüttungsstärke. Wegen ihrer Zinssensitivität kehrt aber eine gewisse Vorsicht ein. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Renditeerwartung im Median deutlich geringer.

Renditeprognose für das Gesamtportfolio

Mit den vorliegenden Prognosen pro Anlageklasse lässt sich auch abschätzen, in welcher Bandbreite  sich die Gesamtrendite des eigenen Portfolios über die kommenden 5 Jahre wohl in etwa bewegen wird. Dazu müssen die Renditeschätzungen pro Anlageklasse gemäss dem prozentualen Anteil, den die einzelne Anlageklasse im Gesamtportfolio ausmacht, gewichtet werden. Für ein ausgewogenes Mischportfolio, das sich aus 5 Prozent Geldmarkt, 25 Prozent Obligationen CHF, je 12.5 Prozent Obligationen Fremdwährungen währungsgesichert und nicht währungsgesichert, je 17.5 Prozent Aktien Schweiz und Welt sowie 10 Prozent schweizerische Immobilienfonds zusammensetzt, ergeben sich aus dem AUGUR-Prognoseverfahren folgende Renditeschätzungen:

5-Jahres Renditeschätzung für ein ausgewogenes Wertschriftenportfolio

Prognoseverfahren

Renditeschätzung in Prozent p.a.

Fundamental

3.05 Prozent

Historisch (Rückblick 20 Jahre)

4.45 Prozent

Median gemäss Konsensus

3.30 Prozent

Minimum gemäss Konsensus

1.60 Prozent

Maximum gemäss Konsensus

5.25 Prozent

Portfoliozusammensetzung: 5 Prozent Geldmarkt, 25 Prozent Obligationen CHF, 12.5 Prozent Obligationen Fremdwährungen nicht währungsgesichert, 12.5 Prozent Obligationen Fremdwährungen in CHF währungsgesichert, 17.5 Prozent Aktien Schweiz, 17.5 Prozent Aktien Welt nicht währungsgesichert, 10 Prozent Immobilienfonds Schweiz; Prognosedaten per 31.12.13 gemäss AUGUR von c-alm AG

Die fundamentale Schätzung, die stark auf die erwarteten Erträge in Form von Zinscoupons, Dividenden und Ausschüttungen bei Immobilien abstellt, kommt auf einen Erwartungswert der Rendite von immerhin 3.05 Prozent pro Jahr. Damit liesse sich bei anhaltendem Tiefzinsumfeld sicher gut leben. Die 4.45 Prozent , welche das auf historischen Zeitreihen abstützende Prognoseverfahren ergibt, dürften aufgrund der bereits erwähnten Faktoren bei der Zinsentwicklung eher hoch gegriffen sein. Der Medianwert der 22 Prognosen der Finanzinstitute ergibt 3.30 Prozent , was einen Hinweis auf die aktuell optimistische Grundstimmung gibt. Denn eine solche Durchschnittsrendite dürfte sich über die kommenden 5 Jahre nur einstellen, wenn die Renditen der Aktienmärkte nahe oder gar über ihre langfristigen, historischen Werte herankommen.