Wie man an illiquiden Märkten handelt

Anleger, die auf Aktien mit geringem täglichem Umsatz setzen, müssen beim Handeln Vorsicht walten lassen. cash gibt die wichtigsten Tipps.
23.01.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Die Aktie der Apotheke Zur Rose (im Bild) kann nur ausserbörslich gehandelt werden.

Zahlreiche Nebenwerte sorgen derzeit am Schweizer Markt für Aufsehen. Mit Kursgewinnen bis zu 100 Prozent gehören Titel wie Norvinvest, Evolva oder Mikron zu den allerbesten Aktien des laufenden Jahres. Das ist die Fortsetzung des letztjährigen Trends, als der Index der Schweizer Small Caps (SPI Small Caps) bereits deutliche Gewinne einfahren konnte.

Doch neben satten Gewinnen können Nebenwerte auch ein grosses Risiko mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass sich interessierte Anleger gut über ein Unternehmen informieren und nicht auf kurzfristige Kursexplosionen schielen.

"Am besten macht sich ein interessierter Anleger selbst ein Bild eines Titels und beschränkt sich auf gewisse Kennzahlen", sagt André Spillmann, Experte für Schweizer Aktien und ausserbörslichen bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Orderbuch beachten

Eine wichtige erste Anlaufstelle bei kleinen, aber kotierten Aktien ist das Orderbuch. "Sind dort wenige Aufträge verzeichnet, deutet das auf fehlende Market-Maker hin", sagt Spillmann. Das könne wiederum ein Hinweis auf fehlende Liquidität sein und zu unerwarteten Kurssprüngen führen. Zudem könne das Orderbuch Hinweise auf ausbleibende Käufer geben, so Spillmann.

Ganz grundsätzlich rät der ZKB-Experte von Bestens-Aufträgen ab. Damit wird ein Börsenauftrag bezeichnet, der ohne Preislimit erteilt wird. Ein Vorteil ist, dass der Auftrag schneller über die Bühne geht.

Ein gewichtiger Nachteil kann aber sein, dass die Aktie zu einem zu tiefen Preis verkauft wird - eine Gefahr, die vor allem bei Aktien mit wenig Handelsvolumen besteht. "Je kleiner ein Titel desto gefährlicher ist dieses Vorgehen", warnt Spillmann. "Bei illiquiden Titeln sollten Anleger stets mit Limiten arbeiten."

Wer im ausserbörslichen Handel auf Aktiensuche geht, hat in der Regel weniger Informationen zu einer Firma zur Verfügung. Denn diese werden nicht von einem Aktienanalysten abgedeckt. In diesem Fall ist der Geschäftsbericht eines Unternehmens die unverzichtbare Informationsgrundlage für einen Anleger. Aber laut Spillmann kann eine fehlende Analystenabdeckung auch ein Vorteil sein. Denn so entferne man sich von der breiten Anlegermasse.

Für längerfristig denkende Anleger geeignet

Auch im ausserbörslichen Handel sieht Spillmann "sehr interessante Titel mit guter Substanz und interessanter Dividende". Als Beispiele nennt er die Aktien von NZZ, Zur Rose AG und der Auto AG Holding. Diese Titel können unter anderem auf den ausserbörslichen Handelsplattformen der ZKB oder Berner Kantonalbank gehandelt werden. Wenn ein Unternehmen auf mehrerer solcher Plattformen vertreten ist, ist das auch ein positives Zeichen für die Liquidität des Titels.

Die Wahl der Plattform kann beim Handel mit nicht kotierten Nebenwerten entscheidend sein, sagt Spillmann. Denn je nachdem, wo man kauft oder verkauft, wird die Aktie zu unterschiedlichen Preisen gehandelt.

Allgemein gilt, dass sich Small- und Mid-Cap-Titel vor allem für längerfristig orientierte Anleger eignen. Denn laut Spillmann zahle sich ein Nebenwerte-Engagement unter Umständen erst nach mehreren Jahren aus.