Der Konsument als Pensionskassen-Vorbild

Die Finanzmärkte machen es Pensionskassen nicht leicht. Vorsorgespezialist Heinz Rothacher analysiert die Anlageklassen und den Anlagemix. Er nennt dazu ein Investment, das auch für Privatanleger interessant ist.
18.05.2016 14:58
Von Marc Forster
Heinz Rothacher, CEO der Beratungsfirma Complementa.
Bild: cash

Laut der halbjährlich vorgestellten Complementa-Risikostudie erzielten die Pensionskassen in den ersten vier Monaten des Jahres kaum Renditen. Die Gefahr einer Unterdeckung wächst wieder, auch wegen des Tiefzinsumfeldes. Für die Vorsorgeeinrichtungen bedeutet dies, dass die Anlagen gezielt ausgewählt werden müssen.

Dabei sollen die Entscheidungen nicht anders gefällt werden als im Supermarkt oder beim Online-Shopping, wo die Gesellschaft heute von einem mündigen Verbraucher ausgeht. "Pensionskassenverwalter müssen sich wie Konsumenten verhalten", sagt Heinz Rothacher im cash-Video-Interview. Der Geschäftsführer der Beratungsfirma Complementa kritisiert, dass Pensionskassen teure Lösungen in der Anlagenverwaltung wählen, wenn es günstigere gäbe: "Es muss verglichen werden und bestimmt werden, was am besten geeignet ist."

Um das Know-How der PK-Verwalter zu verbessern, sei Schulung wichtig: "Es wird viel Ausbildung betrieben." Rothacher ist der Ansicht, die Vorsorgeverantwortlichen seien fit für ihre Aufgabe, aber es brauche immer eine Lernkurve.

Aktienquote stabil

Nach Anlageklassen sortiert investierten die Vorsorgeeinrichtungen Ende 2015 39 Prozent der verwalteten Vermögen in festverzinsliche Papiere. 2007 hatte der Obligationen-Anteil noch bei 43 Prozent gelegen. Der Rückgang ist ein klares Zeichen des Tief- und Negativzinsumfelds. Immobilien hingegen stiegen von 15 auf gut 18 Prozent. Pensionskassen erzielten mit Immobilien die stabilsten Renditen. Rothacher empfiehlt dem Anleger, gerade zu Vorsorgezwecken auch privat dort zu investieren. "Es braucht einen Mix, aber dazu gehören sicherlich Immobilien."

5 Prozent der Vermögen (2007: 7 Prozent) halten die Einrichtungen in Liquidität, knapp 18 statt wie früher 27 Prozent fallen auf Fremdwährungen. Der Rückgang ist zum Teil bedingt durch Wechselkursschwankungen.

Laut der Complement-Studie lag schliesslich die Aktienquote der Pensionskassen Ende 2015 bei 29,5 Prozent. In etwa auf dieser Höhe befindet sich auch der langjährige Durchschnitt der Aktienanteile der investierten Vermögenswerte. Rothacher hält dieses Niveau für angemessen. Die Möglichkeiten von Dividenden- und Kapitalgewinnen rechtfertige die Aktienquote. "Es braucht dies für einen sinnvollen Anlagen-Mix.

«Nicht aktive Gebühren für passiv zahlen»

Bezüglich ETF empfiehlt Rothacher ein gemischtes Portefeuille. Hier sieht er genau ein Punkt, wo das Fachwissen und die Expertise der Pensionskassenverwalter selbst gefragt ist. Vor überteuerten Produkten sei die Finger zu lassen: "Was man sicher nicht tun sollte, ist für passive Anlagen aktive Gebühren zahlen."

In den vergangenen 15 Jahren stieg der Anteil der alternativen Anlagen in den Portefeuilles der Vorsorgeeinrichtungen von 1,3 auf 7,7 Prozent. "Bei so tiefen Zinsen wie heute muss man Alternativen suchen." Neben Hedgefonds und Private Equity investierten die Pensionskassen auch in Darlehen, Hypotheken oder Infrastrukturanlagen. "Vielfach sehen wir, dass sie sich auf etwa drei Feldern tummeln, also dort, wo sie Bescheid wissen."

Im cash-Video-Interview äussert sich Heinz Rothacher auch zur generellen Verfassung der Pensionskassen. Er wird dabei einen Blick auf die Deckungsgrade und sagt, wie sich diese gemäss Studie im ersten Quartal entwickelt haben.