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Die Rechnung zahlen die Versicherten

Die Debatte um die Bargeldhortung der Pensionskassen zeigt zwei Dinge: Wie schnell nach Schocks die Panik regiert - und wie stark der Druck auf Vorsorgeeinrichtungen lastet. Für die Versicherten sind das keine Good News.
14.08.2015 00:03
Von Marc Forster, Redaktor cash
Marc Forster, Redaktor cash.
Marc Forster, Redaktor cash.
Bild: cash

Schwerbewachte Geldtransporter-Konvois brausen durchs Land und bringen ihre Fracht in stillgelegten Militärbunkern unter. Der Inhalt: Grosse Mengen an Banknoten, die den Versicherten von Pensionskassen zustehen. Solche filmreifen Szenen traten vor das innere Auge, als Anfang Jahr die Story von den bargeldhortenden Vorsorgeeinrichtungen die Runde machten.

Nicht nur die völlig überraschende Aufhebung der Euro-Untergrenze bei 1,20 Franken versetzte die Schweiz Mitte Januar in einen Schockzustand. Auch die Festsetzung von Negativzinsen bei 0,75 Prozent löste deutliche Ängste aus. Dies mag erklären, weswegen so wilde Geschichten wie jene von der Bargeldhortung die Runde machten. In der Hitze des Gefechts, könnte man sagen, wurde breit über mehr und vor allem auch weniger gangbare Auswege aus der Franken-Minuszins-Krise nachgedacht.

Schock-Meldungen und Panikreaktionen gehören wohl irgendwie zusammen. Wenn der Pulverdampf sich legt, sieht die Welt meistens weniger dramatisch aus. Zur grossen Bargeldhortung der Pensionskassen ist es nicht gekommen, genauso wenig zu einem Konflikt mit der Nationalbank oder den Geschäftsbanken, weil sie dies angeblich zu verhindern trachteten.

Selbst wenn die Nationalbank den Negativzins auf 1 Prozent ausweitet – die aktuelle Franken-Abschwächung spricht zwar im Moment eher dagegen –, würde sich dies wohl nicht gross ändern. Schon praktische Gründe sprechen dagegen.

Wahr ist aber, dass zu den den besonders stark Betroffenen der Negativzinsen die Pensionskassen gehören. Sie bilanzieren auf der Aktivseite mit Marktwert-Zinsen, auf der Passivseite mit einem technischen Zins von drei Prozent. Daher hat sie schon die Tiefzinsphase, die mit der Finanzkrise 2007/08 angefangen hat, schwer unter Druck gesetzt.

Mit einer höheren Aktienquote, mehr Immobilien und renditeträchtigen, aber risikoreicheren Investments versuchen sie sich zu helfen. Aber bei allen Diskussion um Minusrenditen, Bargeld, den zulässigen Anteil von Risikoanlagen und exotischen Anlageformen ist eines gewiss: Am Ende trifft es die Versicherten, sei es in der Form von Sanierungsbeiträgen oder tieferen Renten. Auch dann, wenn die Nationalbank den Negativzins eines Tages wieder zurücknimmt.