Sind aktive ETF die neue Wunderwaffe?

An der Schweizer Börse sind seit Kurzem aktive ETF handelbar. cash hat die neuen Produkte unter die Lupe genommen und nennt Vor- sowie Nachteile.
03.04.2014 01:00
Von Ivo Ruch
Verschiedene Anlage-Werkzeuge für verschiedene Bedürfnisse: Die ETF-Welt wird vielseitiger.
Verschiedene Anlage-Werkzeuge für verschiedene Bedürfnisse: Die ETF-Welt wird vielseitiger.
Bild: ZVG

Seit Anfang April ist die Schweizer Fondslandschaft um eine Produktegruppe reicher - und komplexer. Neben den über 900 passiv gemanagten börsenkotierten Indexfonds (ETF) können an der Schweizer Börse SIX neu auch elf aktiv verwaltete ETF gehandelt werden. Die von Swiss & Global Asset Management entwickelten "JB Smart Equity ETF" investieren in die vier Regionen Schwellenländer, Europa, Asien und Welt.

Die "neuen" ETF kombinieren aktives Portfoliomanagement mit den Vorzügen von passiven ETF. Im Unterschied zu herkömmlichen ETF bilden die neuen Produkte keinen Index ab, sondern verfolgen ihre eigene Anlagestrategie. Somit versuchen sie, den zugrunde liegenden Benchmark zu übertreffen. "Ein aktiver ETF kann dies erreichen, indem er mehr Risiken eingeht als der Benchmark oder wenn er Marktineffizienzen ausnutzen kann", sagt Philipp Ochsner von der Vermögensverwaltung Indexinvestor.

Noch ist der Markt der aktiv gemanagten ETF klein. Am weltweit investierten Vermögen in börsenkotierten Fonds machen sie weniger als ein Prozent aus, wobei das neue Phänomen in den USA bislang am schnellsten Fuss gefasst hat. Dieselben Fonds, die Swiss & Global AM nun an die Schweizer Börse brachte, sind bereits seit knapp zwei Jahren an der Deutschen Börse kotiert. Ihr Erfolg fällt bislang unterschiedlich aus. Während der Europa-ETF seinen Benchmark deutlich schlägt, sind die restlichen drei ETF leicht schwächer als ihre Leitindizes.

Das Beste aus zwei Welten?

Auf den ersten Blick scheinen die aktiven ETF das Beste aus zwei Fonds-Welten zu vereinen. Doch durch das aktive Management büssen die ETF auch einige Vorteile ein. So sind sie weniger transparent als ihre passiven Vorgänger. Folgt ein ETF einem Index, kann der Anleger die Performance stets mit dem Indexverlauf vergleichen. "Bei aktiven ETF ist das nicht mehr der Fall", so Ochsner. Swiss & Global AM veröffentlicht täglich nur die 20 grössten Positionen ihrer ETF.

Hinzu kommen die zusätzlichen Kosten. Der höhere Turnover im aktiven ETF führt zu zusätzlichen Trading- und Börsenkosten, die in der Total Expense Ratio (TER) nicht inbegriffen sind.

Vergleich mit Anlagefonds

Vergleicht man die aktiven ETF allerdings mit aktiv verwalteten Anlagefonds, sind sie eine valable Alternative. Einerseits sind sie durch ihre Börsenkotierung jederzeit handelbar. Andererseits liegt ihre TER zwischen 0,6 und 0,7 Prozent. Das liegt deutlich unter den Kosten eines Anlagefonds, die in der Regel mindestens bei 1,5 Prozent liegt. Die tieferen Kosten seien deshalb möglich, weil Swiss & Global AM auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen und Synergien systematisch nutzen könne, sagt Fondsmanager Stefan Fröhlich.

Auch bezüglich Transparenz bieten aktive ETF gegenüber den Anlagefonds Pluspunkte. Während ETF von der Börsenbetreiberin SIX angewiesen werden, regelmässig die 20 grössten Positionen bekanntzugeben, dürfen sich die herkömmlichen Fondsmanager auf die Top-Ten-Positionen beschränken. 

Swiss & Global AM investiert pro ETF in maximal 200 Aktien aus einem MSCI-Referenzindex und kauft diese aufgrund klar definierter Regeln. Zusätzlich wird das Fonds-Portfolio nach einem Trend- und einem Value-Teil strukturiert. Das Trend-Portfolio ist der taktische Teil des ETF, wo Aktien aufgrund von kurz- bis mittelfristigen Anlagechancen täglich gehandelt werden.

Die Positionen im Value-Portfolio werden hingegen nur zweimal jährlich angepasst. "So wurden beim letzten Rebalancing im März aufgrund der aktuellen Geschehnisse in der Ukraine einige russische Titel nicht berücksichtigt", sagt Fröhlich.

Die Branche droht zu verwässern

Kritiker der aktiven ETF monieren, diese Produkte seien keine richtigen ETF, weil sie keinen Index exakt nachbilden. Tatsächlich verzichten die aktiven ETF gerade auf die wichtigsten Vorteile, für welche die Branche ursprünglich bekannt wurde. Dazu gehören die günstigen Preise, die hohe Transparenz und die einfache Verständlichkeit. Diese Attribute drohen nun zu verwässern.

"Diese Produkte sind nur etwas für fortgeschrittene Anleger", sagt ETF-Experte Ochsner. "Nur wer sich mit dem Produkt auseinandergesetzt und es verstanden hat, sollte investieren."