Sind Obligationenfonds ein Auslaufmodell?

Tiefe Zinsen in Kombination mit hohen Verwaltungsgebühren machen Obligationenfonds zum Verlustgeschäft. cash analysiert, ob Obligationenfonds noch eine Zukunft haben und sucht nach Alternativen.
28.10.2013 01:00
Von Daniel Dubach
Einzelobligationen sind derzeit attraktiver wie Obligationenfonds.
Einzelobligationen sind derzeit attraktiver wie Obligationenfonds.
Bild: iNg

Steigen die Zinsen, fallen die Preise der Obligationen und umgekehrt. Diese inverse Beziehung zwischen Marktzinsentwicklung und Wert der Obligationen macht den Obligationenfonds seit einiger Zeit schwer zu schaffen. Obligationenfonds sind erst in den vergangenen 20 Jahren so richtig populär geworden, als die Zinsen vom Hoch sukzessive gefallen sind. Anleger haben sich während all dieser Zeit an Obligationenfonds gewöhnt, die Jahr für Jahr schöne Renditen abwarfen.

Dies ist vorbei. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen weiterhin sukzessive fallen, ist beim mittlerweile erreichten Tiefzinsniveau praktisch null. Insbesondere konservative Fonds, die vorwiegend auf sehr gute Schuldner (Investment Grade) setzen, rechnen sich bei den sehr tiefen Zinsen für die Anleger nicht mehr. Analysieren wir drei typische Beispiele von Schweizer Obligationenfonds, wie sie im Markt angeboten werden:

Fonds

Index

TER

Verfallrendite

Oblifonds A

SBI Domestic AAA - BBB

0.90%

0.15%

Oblifonds B

SBI Foreign AAA-A

0.86%

0.82%

Oblifonds C

SBI Foreign AAA - BBB

0.80%

1.54%

TER = Total Expense Ratio

Bei Oblifonds A und B fällt auf, dass die Kosten gemessen an der TER (Total Expense Ratio) nicht mehr durch die Verfallrendite gedeckt sind. Konkret: Investiert ein Anleger heute in einen solchen Obligationenfonds, macht er bereits bei gleichbleibenden Marktzinsen einen sicheren Verlust. Bei Fonds A wäre dies -0.75% pro Jahr (0.15% - 0.90%, bei Fonds B -0.04%! Nur Fonds C hat wegen seiner höheren Verfallrendite für den Anleger noch einen positiven Ertrag. Bei ganz genauem Hinschauen ist dieses Bild aber noch immer geschönt, weil in der TER nur gut die Hälfte der tatsächlich anfallenden Kosten enthalten ist. Ausgabekommissionen, Handelsgebühren, Steuern und Abgaben kommen noch obendrauf, sodass selbst Fonds C vermutlich nur eine Rendite von nahezu null produziert.

Anleger wetten mit solchen Obligationenfonds auf weiter sinkende Zinsen, weil nur dann kurz- und mittelfristig wieder positive Renditen anfallen können. Die Annahme ist aber realistisch, dass uns über kurz oder lang eine anhaltende Phase steigender Zinsen bevorsteht. Natürlich schauen die Obligationenmanager nicht tatenlos zu. Kurzfristig können sie gegen den Negativtrend aber insbesondere bei den sich auf hohe Schuldnerqualität  beschränkenden Fonds (Investment Grade) wenig ausrichten. Der Anleger muss den Wertverlust hinnehmen. Höhere Verfallrenditen ergeben sich in den gemanagten Obligationenportfolios über die Zeit erst wieder bei deutlich gestiegenem Marktzinsniveau.

Die Fondsmanager versuchen deshalb, das Portfolio durch Inkaufnahme höherer Risiken in positivem Territorium zu halten. Dies geht entweder durch Kauf deutlich schlechter bewerteter Schuldner (niedrigere Bonität), die Investition in fremde Währungen oder Anlagen in längere Laufzeiten, die höhere Coupons abwerfen. Viele Anleger wollen solche Risiken bei Obligationenanlagen aber nicht tragen, weil für sie sichere Obligationenfonds ein Ersatz für den Zins auf dem Sparbuch, jedoch keine Risikoanlage sind. Selbst mit den aktuell mickrigen Sparbuchzinsen verdient man aber auf mittlere Frist mehr als mit Obligationenfonds in der Zins- und Kostenfalle.

Auswege aus der Kostenfalle

Ein Versuch, der Kostenfalle zu entrinnen ist, diese so tief wie möglich zu halten, also auf Fonds mit den tiefsten Managementgebühren auszuweichen. Schnell landet man dann beim Thema Obligationen-ETF, welche durchschnittlich mit TER’s zwischen 0,10% und 0,20% operieren. Doch ist die Nachbildung von Obligationenindizes schwieriger und technisch anspruchsvoller, als dies bei Aktien der Fall ist. So setzen viele Bond-ETF auf fiktive Anleihen (synthetische Replikation) und bilden deren Entwicklung nach. Das ist für den Anleger mit weniger Transparenz und höheren Risiken verbunden (z.B. Gegenparteirisiken für Derivate). Auch Bond ETF sind deshalb kein wirklicher Ausweg. Sie lindern nur etwas die Kostenproblematik, ohne aber grundsätzlich bessere Perspektiven bieten zu können.  

Zu prüfen wäre noch die althergebrachte Methode, nur Einzelobligationen im Portfolio zu halten. Im Unterschied zu Obligationenfonds haben Einzelobligationen, die man kauft und bis zum Verfall ins Depot legt, ein fixes Verfalldatum. Wer also eine Einzelanleihe eines Unternehmens oder eines Staates ins Portefeuille nimmt, kann die Kursentwicklung seiner Anleihen vergessen. Man wartet bis zum Verfall, dann wird die Obligation zum Nennwert zurückbezahlt. Eine regelmässige Marktbewertung der Obligationen, wie sie der Obligationenfondsmanager durchführen muss, ist nicht nötig.  Ein zwischenzeitlich tieferer Wert ist irrelevant und nicht sichtbar. Nur wenn man vor Endfälligkeit verkaufen muss, wird er relevant. Mit Einzelobligationen ist man zwar weniger gut diversifiziert und muss noch genauer auf die Bonität der Schuldner achten. Wenn man jedoch die Kosten und die Steuerfolgen auf den Zinserträgen beim Kauf sorgfältig prüft, können Einzelobligationen im Tiefzinsumfeld eine bessere Alternative sein, als es viele Obligationenfonds heute sind.

 

Fachausdrücke im Zusammenhang mit Obligationenanlagen

Obligationenfonds: Obligationenfonds sind Anlagefonds, die in Obligationen und anderen fest- oder variabel verzinslichen Wertpapapieren investieren. Sie sind in der Regel auf eine bestimmte Referenz- und Anlagewährung ausgerichtet.

ETF: Exchange Traded Funds (ETF) für Obligationen bilden die Entwicklung von Staats-, Unternehmens- und Hochzins-Anleihen ab und investieren in Bond-Indizes auf verschiedene Regionen und Laufzeiten. Sie kosten im Vergleich mit aktiv gemanagten Obligationenfonds deutlich weniger, was im Umfeld niedrigerer Zinsen sehr wichtig ist.

Verfallrendite: Die Verfallsrendite gibt an, welche Rendite ein Anleger erzielt, wenn er eine Anleihe - oder im Falle von Obligationenfonds einen ganzen Korb voller Anleihen - zum aktuellen Marktkurs kauft, alle Zinszahlungen kassiert und per Verfall zu 100% zurückbezahlt erhält.

Schuldnerbonität: Bezeichnet die Qualität eines Herausgebers einer Obligation (Schuldner), d.h. die Fähigkeit, die Obligation am Ende der Laufzeit zurückzubezahlen. Je sicherer die Rückzahlung, je höher die Schuldnerbonität.

Investment Grade: Schuldner mit hoher Bonität, sodass auch Anleger, die ihr Geld sicher anlegen müssen (z.B. Pensionskassen), investieren dürfen.