Negativzinsen - Strafzins auf dem Konto: Die Liste der Banken wird länger

Wenn UBS und Credit Suisse ihren reichen Kunden Minuszinsen aufbrummen, kann das auch Normal-Sparern nicht egal sein. Die Zahl der Banken, die den Strafzins verhängen, nimmt zu - schon ab 250'000 Franken auf dem Konto.
13.08.2019 23:00
Von Marc Forster
Banken halten die Hand auf - sei es für Negativzinsen oder für Gebühren.
Banken halten die Hand auf - sei es für Negativzinsen oder für Gebühren.
Bild: Pixabay

Ein hoher Kontostand ist erstrebenswert, gibt Sicherheit ist Zeichen des finanzellen Erfolgs. Aber man kann in diesen Zeiten zu viel Bargeld auf dem Konto haben. Zumindest aus Sicht der Bank. Diese meldet sich dann bei den Kunden. Mit sanftem Druck wird klargemacht, dass ein Strafzins fällig wird, falls nicht mehr Mittel in die Finanzmärkte investiert werden. Betroffen sind in erster Linie Firmenkunden oder institutionelle Kunden wie Pensionskassen. Hinter verschlossenenen Türen bedeutet eine Bank einem Grosskunden schnell einmal, nicht zu viel Bargeld auf dem Konto zu parkieren.

Aber auch die Liste der Banken, die einen Negativizins auf Retail- und Privatkundengeldern erheben, wird länger. Dazu kommt: Die Limiten, ab denen die Bank von den Kunden einen Negativzins verlangt, senkt sich langsam ab.

Vermögensverwalter bestrafen Bargeld

Vor etwa zwei Wochen sagte der CEO der Credit Suisse (CS), Tidjane Thiam, dass die Grossbank bei gewissen Kunden nun einen Strafzins belaste. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg setzt es für Kunden bei der CS 0,4 Prozent Strafzins bei über einer Million Euro in bar. Konkurrentin UBS verlangt eine Abgabe von 0,5 Prozent, wenn Barvermögen von mehr als 500'000 Euro auf den Konten liegen. Bei 2 Millionen Franken Bareinlagen wird der volle Negativzins von 0,75 Prozent belastet.

Andere Vermögensverwalter haben schon wenige Monate nach der Einführung des Negativzinses durch die Schweizerische  Nationalbank (SNB) Anfang 2015 begonnen, die Belastung der SNB weiterzureichen. Dazu gehören die Genfer Privatbanken Pictet und Lombard Odier. Grundsätzlich sind Kunden von Privatbanken mit dem grössten Teil ihrer Vermögen in den Finanzmärkten investiert und entgehen damit einem Negativzins. Benachteiligt sind aber Kunden, die vorsichtig agieren und grössere Barvermögen halten, etwa, weil sie neue Investmentgelegenheiten abwarten wollen. 

Den eigentlichen Tabubruch stellen allerdings Strafzinsen bei durchschnittlichen Kundenvermögen dar, wie sie auf Privat- und Sparkonten im Retailgeschäft der Banken liegen. Für Aufsehen sorgen immer tiefer werdende Limiten.

Auch «Normal»-Vermögen betroffen

Die Postfinance kannte eine Limite von einer Million, senkte diese vergangenes Jahr aber auf 500'000 Franken ab. Bei der Graubündner Kantonalbank sind gar Konten ab 250'000 Franken betroffen, allerdings nur, wenn die Konten nach dem 1. April 2019 eröffnet worden sind. Diese Beispiele zeigen, dass Negativzinsen auf normalen Privat- und Sparkonten mehr und mehr zum Mittel der Banken werden, Kunden von hohen Bargeldbeständen abzuschrecken. 

Eine Ausnahmestellung nimmt die Alternative Bank der Schweiz ein, die 0,125 bis 0,75 Prozent Negativzins verlangt, und dies damit begründet, dass dafür wegen des Negativzinses keine anderen Abgaben oder Gebühren verlangt würden. Die Kunden der ökologischen und sozialen Themen verpflichteten Bank scheinen dies akzeptiert zu haben, denn die Bank verzeichnet weiter Geldzuflüsse.

Gebühren steigen

Negativzinsen auf dem Konto zu vermeiden ist letztlich einfach: Geld kann schlicht gesplittet und auf andere Konten verlagert werden. Ausserdem, so hört man, reagieren Banken auf protestierende Kontoinhaber und verzichten auf den Strafzins, um Kunden nicht zu verlieren.

Ein grösseres Problem ist, dass viele Banken nicht den Negativzins direkt weitergeben, sondern vom Kunden mehr Geld mittels Gebühren verlangen. Oder, bei gleichbleibenden Gebühren die Verzinsung weiter senken, wie dies die Credit Suisse bei ihren Bonviva-Bankpaketen Anfang Jahr tat. Das Basispaket gab voher 0,15 Prozent Zins, jetzt noch 0,1 Prozent. 

Dieses indirekte Weitergeben des Negativzinses wird Experten zufolge immer noch weitgehend akzeptiert. Jedenfalls wurde noch nicht beobachtet, dass Kunden deswegen scharenweise zu neu auf den Schweizer Markt gekommenen, günstigeren Onlineanbietern wechseln. Fragt sich, wie lange die Kunden noch stillhalten.

Diese Banken belasten Retail- und Privatkunden Negativzinsen (Auswahl)

Bank Betroffene Konten Negativzins Betroffene
Vermögensgrösse
Alternative Bank der Schweiz (ABS) Privatkonten -0,125 Prozent
-0,75 Prozent
bis 50'000 Franken
über 50'000 Franken
Postfinance Privat- und 
Sparkonten
-1 Prozent ab 500'000 Franken
Migros Bank Privatkonten -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Lombard Odier Vermögensverwaltung -0,75 Prozent ab 100'000 Franken
Pictet Vermögensverwaltung -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Julius Bär Vermögensverwaltung -0,75 Prozent ab 500'000 Franken 
ab 100'000 Euro 
UBS Vermögensverwaltung -0,75 Prozent
-0,6 Prozent
ab 2 Mio. Franken
ab 500'000 Euro
Credit Suisse Vermögensverwaltung -0,4 Prozent ab 1 Mio. Euro
Swissquote Sparkonten -0,75 Prozent ab 1 Mio. Franken
Zürcher Kantonalbank (ZKB) Vermögensverwaltung -0,75 Prozent Gewisse hohe Vermögen
Graubündner Kantonalbank (GKB) Privat- und
Sparkonten
-0,75 Prozent 250'000 Franken¹/
3 Mio. Franken
bzw. Gegenwerte in Euro
Aargauische Kantonalbank (AKB) Privat- und 
Sparkonten
-0,8 Prozent
-0,5 Prozent
2 Mio. Franken
500'000 Euro 
Zuger Kantonalbank Vermögensverwaltung k.A.  einzelne Kunden

¹Neue Konten seit 1. April 2019 / Alle Angaben: Eigene Recherchen/moneyland.ch/Bloomberg

 

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