So viel Geld verwalten die Schweizer Asset Manager

Das Schweizer Asset Management kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Eine Studie zeigt die Höhe verwalteter Gelder in einem neuen Licht. Markus Fuchs vom Branchenverband SFAMA sieht aber auch Risiken.
07.09.2016 16:24
Von Marc Forster
Markus Fuchs, Direktor der SFAMA, Verband der Asset Manager und Fondsgesellschaften.
Bild: cash

Bisher war auch der Branche nicht bekannt, wie die Höhe der verwalteten Vermögen im Asset Management ist. Besonders bei der so genannten diskretionären Vermögensverwaltung tappte man bisher im Dunkeln, das heisst bei Anlageformen, wo eine Finanzgesellschaft im Dienste des Kunden dessen Mittel nach eigener Beurteilung anlegt. Der Kunde überlässt die Anlagestrategie den Anlageverantwortlichen der Asset-Management-Gesellschaft.

Markus Fuchs, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Funds and Asset Management Association SFAMA, erklärt im cash-Video-Interview die Ergebnisse der Studie, die vom Verband in Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma Boston Consulting Group am Mittwoch publiziert worden ist. Demnach verwaltet die Branche 1,24 Billionen Franken in diskretionären Vermögensverwaltungsmandaten. Insgesamt beziffert der Verband SFAMA die Höhe der verwalteten Vermögen mit über zwei Billionen Franken.

Mehr als alle Pensionskassenvermögen

Asset Manager haben vorwiegend Kunden aus der Finanzindustrie selbst, also Versicherer, Banken oder Fonds und Pensionskassen. Die diskretionäre Vermögensverwaltung, die Gegenstand der Studie ist, macht somit einen grossen Teil der Bestände aus, wie Markus Fuchs sagt: "Das ist auch im internationalen Kontext eine hohe Zahl."

Die Zahl zeige nicht nur, dass das Asset Management der Schweiz im internationalen Vergleich wichtig sei. In inländischen Grössen ausgedrückt bedeute dies, dass in den diskretionären Mandaten der Asset Manager doppelt so viel Vermögen steckten wie das Bruttoinlandprodukt der Schweiz ausmache oder anderthalb mal so viel, wie die Schweizer Pensionskassen in ihrer Obhut hätten.

Rund zwei Drittel der diskretionär verwalteten Vermögen kommen laut der Studie von institutionellen Kunden, ein Drittel kommt von privaten Investoren. Auch institutionelle Kunden setzen auf diskretionäre Vermögensverwaltung, wie Markus Fuchs sagt. "Auch ein instititutioneller Kunden kann nicht immer das Wissen über verschiedene Anlagekategorien haben, sei es in Nischen wie Private Equity oder bei komplizierten Aktienstrategien."

Forderung nach EU-Zugang

Der Verband knüpft die Veröffentlichung der Studie aber auch an Appelle, insbesondere an die Politik. Gut ein Drittel der in der Schweiz verwalteten Asset-Management-Vermögen stammt aus dem Ausland, wie Fuchs sagt. Die Branche pocht deswegen mit Nachdruck auf einen möglichst ungehinderten Marktzugang in der EU: "Wir müssen noch stärker an diesem Kuchen partizipieren können." Der Verband setzt die Forderung nach dem Marktzugang mit der Exportfähigkeit der Branche gleich.

Auch gehe es darum, im Rahmen der Talentsuche die geeigneten Asset Manager zu finden, wie Fuchs sagt: Ob mit oder ohne Inländervorrang, wie er nun im Zusammenhang mit Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative diskutiert wird, habe die Schweiz selbst nicht genügend Spezialisten. Die Branche geht allerdings auch davon aus, dass etwa ein Inländervorrang angesichts der sehr spezifischen Anforderungsprofile für Asset Manager keine grosse Rolle spielen dürfte.

Im cash-Video-Interview sagt Markus Fuchs auch, wie sich das Asset Management vom Privatkundengeschäft abgrenzt und wo Gemeinsamkeiten bestehen, und weswegen die Asset Manager gewisse für das Investmentbanking typische Risiken nicht aufweise.