MARKTSTIMMEN

Interview - «Wir integrieren ESG-Kriterien in die Bewertung»

Simon Fössmeier, Executive Director im Wealth Management bei Vontobel, über die hauseigene ESG-Methode im Schweizer Aktienresearch und deren Vorteile für Investorinnen und Investoren.
21.06.2021 11:00
Präsentiert von Vontobel
Simon Fössmeier, Executive Director Wealth Management, Vontobel
Simon Fössmeier, Executive Director Wealth Management, Vontobel

Es gibt weltweit viele anerkannte, aber unterschiedliche Standards für ESG-Kriterien. Das macht Anlageentscheide nicht einfacher. Warum nun noch eines von Vontobel?

Simon Fössmeier: Als wir uns überlegt haben, wie wir das Thema ESG bei der Bewertung von Schweizer Aktien berücksichtigen können, haben wir festgestellt, dass es im Markt damals keinen integrativen Ansatz gab. Marktteilnehmer haben die Unternehmensbewertung und die Beurteilung der Nachhaltigkeit separat vorgenommen. Das war für uns nicht zufriedenstellend. Deshalb haben wir eine Methode entwickelt, bei der die ESG-Kriterien in die Bewertung eines Unternehmens integriert sind. Dabei kommt uns die Erfahrung unserer zwölf Analysten zugute.

Wie kann ich als Vontobel-Kundin und -Kunde von dieser Dienstleistung konkret profitieren?

Simon Fössmeier: Unsere Kundinnen und Kunden können bei den Firmenstudien zu Schweizer Aktien genau sehen, wie wir die jeweilige Firma in Bezug auf unsere 15 ESG-Kriterien beurteilen. Wir zeigen auch explizit, wie hoch der Einfluss von ESG auf unser Kursziel ist. Und falls gewünscht, können die Vontobel-Kundenberaterinnen und -berater dabei helfen, Firmen herauszusuchen, die beispielsweise besonders gut im Bereich «Soziales» (oder in anderen Bereichen) abschneiden.

Welche Unternehmen werden von den Vontobel-Analysten mit Blick auf ESG besonders gut beurteilt?

Simon Fössmeier: Vorab: die Grösse eines Unternehmens und die Bewertung am Aktienmarkt – zum Beispiel ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis – scheinen statistisch keinen Einfluss auf die ESG-Beurteilung zu haben. Wir haben festgestellt, dass viele kleine und mittelgrosse Unternehmen recht viel im Bereich ESG unternehmen, dies aber kommunikativ noch suboptimal vermarkten. Besonders engagiert sind Firmen, die einen starken Markennamen haben. Die zunehmende Verbreitung digitaler Medien macht diese Marken nämlich auch anfälliger für Kritik. Konkret: Wenn man unsere Beurteilung in eine Punktzahl umrechnet, dann sind 12 Firmen auf den ersten 5 Plätzen: Auf Platz 1 ist Givaudan, Platz 2 teilen sich Geberit und Logitech, auf Platz 3 sind Belimo, Nestlé, Swiss Re und Zurich Insurance Group, auf Platz 4 sind Barry Callebaut, SGS und Temenos, und Platz 5 teilen sich Swisscom und ABB.

Wenn Ihre Analysten mit den Unternehmen sprechen: Achten Sie darauf, dass kein Greenwashing betrieben wird?

Simon Fössmeier: Beim sogenannten Greenwashing stellt ein Unternehmen einzelne Leistungen, Aktivitäten oder Ergebnisse mit erhöhtem kommunikativem Aufwand öffentlich heraus. Oftmals betreffen die Aussagen aber nur einen geringen Teil der Unternehmensaktivitäten und beziehen sich fast immer auf Umweltfreundlichkeit. Unsere Analysten diskutieren aber alle drei Aspekte von Nachhaltigkeit, nämlich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Aus diesen Gründen erachten wir es als enorm wichtig, das Thema ESG mit den Unternehmen persönlich zu besprechen. Nur durch einen kritischen Dialog kann ein fundiertes Urteil entstehen – ein Fragebogen reicht dazu nicht aus.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem neuen Produkt schon machen können?

Simon Fössmeier: Das Feedback unserer Kundinnen und Kunden, aber auch das Feedback der von uns beurteilten Unternehmen war durchwegs sehr positiv. Unser Vontobel Swiss ESG Research Basket wurde im Dezember 2020 aufgelegt. Erfreulicherweise schneidet das Produkt (25 Aktien mit der höchsten ESG-Punktzahl, gefiltert nach weiteren Kriterien) nach Kosten bisher besser als der SPI ab, aber man sollte die Wertentwicklung langfristig beurteilen.

Und was können Sie konkret noch verbessern?

Simon Fössmeier: Die gesamte Finanzdienstleistungsbranche steht erst am Anfang der sogenannten grünen Transformation der Wirtschaft, obwohl Vontobel bereits mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung beim Thema Nachhaltigkeit aufweist. Insofern können alle Marktteilnehmer noch viel Erfahrung sammeln. Wichtig dabei erscheint zweierlei. Erstens, der Finanzdienstleistungsbranche kommt bei der grünen Transformation im Sinne der Ressourcenallokation eine Schlüsselrolle zu. Zweitens: Investoren können diese Transformation nicht nur unterstützen, sondern auch davon profitieren. Und darüber hinaus die Dimensionen Soziales und Unternehmensführung in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen.

 

Mehr zu nachhaltigen Anlagethemen finden Sie in der cash Rubrik "ESG-Investing".

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