MARKTSTIMMEN

Schwellenländeraktien sind attraktiver denn je

Schwellenländer bleiben der wichtigste Motor des globalen Wirtschaftswachstums. Dennoch sind viele Anleger bei Aktien aus den Emerging Markets nach wie vor zurückhaltend. Dabei dürften diese Werte gerade jetzt weiteren Rückenwind erhalten.
23.04.2021 09:00
Dara White, Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) Global Emerging Market Equities bei Columbia Threadneedle Investments

Die Marktstruktur entwickelt sich weiter

Viele Anleger unterschätzen, wie deutlich sich die Schwellenländermärkte in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt haben. Das Aktienuniversum wird nicht mehr von Energie-, Rohstoff- und verarbeitenden Exportunternehmen dominiert. Vielmehr findet sich in Schwellenländern eine wachsende Zahl erstklassiger, innovativer Unternehmen (siehe Grafik). Diese profitieren von strukturellen Trends wie steigenden Konsumausgaben im Inland, dem Aufkommen der Plattformökonomie und der veränderten Nachfrage im Gesundheitssektor. 

Grafik: Veränderungen in den Branchengewichtungen der Schwellenländer zwischen 2008 und 2020.

Auch reagieren Schwellenländer nicht mehr so stark auf globale Konjunktur- und Marktsignale wie seinerzeit 2013 beim "Taper Tantrum". Inzwischen haben die meisten Emerging Markets einen Leistungsbilanzüberschuss. Berücksichtigt man darüber hinaus die Vertiefung der lokalen Schuldenmärkte und die ausländischen Direktinvestitionsströme, so hat sich die Anfälligkeit der Schwellenländer im Vergleich zu früher drastisch verringert.

Der langfristige Trend ist intakt

Schwellenländer profitieren per saldo von den Corona-bedingten Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen überall auf der Welt. Ausserdem haben sie noch mehr Spielraum für weitere geldpolitische Impulse als die Industrieländer. Vor dem Hintergrund des günstigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds und in der Erwartung einer breiten Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen im laufenden Jahr dürfte sich der langfristige Haupttrend, der die Schwellenländer antreibt, noch stärker manifestieren als bisher: der Übergang vom exportgetragenen Wachstum zu einem, das von einer lebhaften Binnennachfrage getragenen wird. Wesentlicher Treiber dieses Trends ist die wachsende Mittelschicht. Die wachsende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen dürfte zu einem beträchtlichen Teil von schnell wachsenden heimischen Unternehmen gestillt werden. 

In Anbetracht dieser Entwicklung sind aus Anlegersicht vor allem Unternehmen mit Fokus auf der inländischen Nachfrage interessant. Wir sehen beträchtliche Chancen in den Sektoren Nicht-Basiskonsumgüter, IT und Kommunikationsdienste. Diese Bereiche bieten mit Produkten und Dienstleistungen, die veränderten Kundenbedürfnissen gerecht werden oder diese gar neu definieren, weltweit spannende Wachstumsperspektiven.

Strukturelles Wachstum in den Schwellenländern sollte die Hauptchance für Anleger bleiben. Aber in dem Masse und Tempo, wie sich einzelne Schwellenländer und Branchen von der Corona-Pandemie erholen, entstehen auch zyklische Chancen. Vor diesem Hintergrund haben wir einen Ansatz gewählt, bei dem wir langfristige strukturelle Wachstumschancen mit Opportunitäten ergänzen, die sich aus der Öffnung der Welt nach der Covid-19-Pandemie ergeben sollten.  

Nachhaltigkeit bietet eine zusätzliche Alpha-Quelle 

Umwelt-, und soziale Kriterien sowie Aspekte der Unternehmensführung (auf Englisch: Environmental, Social and Governance – kurz ESG) gewinnen bei Kapitalanlagen an Bedeutung. In den Schwellenländern stecken ESG-Aspekte vielerorts noch in den Kinderschuhen, sodass in den nächsten Jahren insbesondere Unternehmen mit starken ESG-Profilen Kapital anziehen dürften. In dieser Hinsicht sollten qualitativ hochwertige Wachstumsunternehmen in Sektoren wie zum Beispiel zyklische Konsumgüter, Kommunikationsdienste und IT gut abschneiden. Angesichts dessen legen wir als Bottom-up-Stockpicker einen besonderen Fokus auf Qualitätsunternehmen. Dies ermöglicht uns, strukturell auch ESG-Alpha zu erwirtschaften. 

Viele Anleger setzen nach wie vor auf eine Untergewichtung von Schwellenländeraktien, dabei spricht immer mehr für eine Investition in diese Anlageklasse. Insbesondere in den vergangenen Monaten haben Schwellenländeraktien noch einmal deutlich an Attraktivität gewonnen. Denn es gibt in den Emerging Markets immer mehr Unternehmen mit starken, aktionärsfreundlichen Managementteams und der Fähigkeit, Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren und zugleich ihre Kapitalrenditen zu steigern. Insbesondere strukturelle Themen wie digitale Innovation, E-Commerce und die Verbreitung digitaler Zahlungssysteme sowie Umwelttechnologien bieten langfristig vielversprechende Anlagechancen. Die Weiterentwicklung des Marktes sowohl in der Tiefe als auch in der Qualität des Anlageuniversums bietet ein ideales Feld für eine aktive, Research-basierte Auswahl von Einzelwerten, um langfristige Mehrrenditen zu erwirtschaften.