«Eine Grossbank ist nicht nur ein privates Unternehmen, sie hat verschiedene Stakeholder», sagte Grübel im Interview mit der «SonntagsZeitung». Der grösste sei der Staat, weil er im Krisenfall die Liquidität bereitstellen müsse, um die Wirtschaft zu schützen. Deshalb müsse dieser auch die Regeln bestimmen.

Die Kritik der UBS, wonach die geforderten rund 20 Milliarden Franken an zusätzlichem Eigenkapital ihre Wettbewerbsfähigkeit und den Finanzplatz schwächen würden, teilt Grübel nur teilweise. «Ja, die Kapitalrendite sinkt, aber der Finanzplatz wird dadurch nicht geschwächt», sagte er. Man könne den Staat nicht einerseits für mangelnde Aufsicht und andererseits für strengere Regeln kritisieren.

Abspaltung des internationalen Teils unrealistisch

Für unrealistisch hält Grübel die Vorstellung, bei einer Krise den internationalen Teil einer Grossbank untergehen zu lassen: «Wenn jeder Staat so handeln würde, hätten wir im Handumdrehen eine Weltwirtschaftskrise.»

Dass die Schweiz nur noch eine globale Grossbank hat, betrachtet Grübel dagegen nicht grundsätzlich als Risiko. UBS und CS hätten früher zusammen eine deutlich grössere Bilanzsumme gehabt als die heutige UBS. «Rein technisch ist das Risiko also kleiner geworden.»

Kritik übte Grübel am früheren CS-Management. Dass es in wirtschaftlich guten Zeiten fertiggebracht habe, «sich selbst zu liquidieren - da kann man nur den Kopf schütteln». Nach langen erfolgreichen Phasen werde das Risikomanagement oft vernachlässigt.

Finanzplatz hat an Bedeutung verloren

Kritisch äusserte sich Grübel auch zur Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes. Dieser habe in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Einen wesentlichen Fehler sieht er bei den Banken selbst: Statt darauf zu setzen, dass ausländische Kunden in die Schweiz kämen, seien die Institute zunehmend ins Ausland expandiert und damit unter die dortige Jurisdiktion gefallen.

jl

(AWP)