Die Mieten seien in der Schweiz in 20 Jahren um rund 32 Prozent gestiegen. Der Verband kritisiert Pläne des Bundesrates und fordert Massnahmen. In keinem anderen europäischen Land leben anteilig so viele Menschen zur Miete wie in der Schweiz. Zwei Drittel der Haushalte seien Miethaushalte, wie der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz (MVS) mitteilte. Anlässlich des internationalen Tages der Mieterinnen und Mieter vom Montag zeigte sich der Verband besorgt über die Lage.
Mieten steigen trotz tiefer Zinsen
Der Mietpreisindex stieg laut dem Verband von 2005 bis 2025 um 32,1 Prozent. Im selben Zeitraum fielen die Hypothekarzinsen auf ein historisches Tief. Der Referenzzinssatz liege heute bei 1,25 Prozent. Da die Mieten gesetzlich an diesen Zinssatz gebunden seien, hätten viele von ihnen sinken müssen. In der Realität seien sie aber weiter gestiegen.
Besonders Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen spürten die hohe Belastung, so der MVS weiter. Wer ein Bruttoeinkommen von bis zu 4000 Franken habe, gebe davon 37,8 Prozent für das Wohnen aus. Gemäss Daten der OECD zahle in der Schweiz jeder zweite einkommensschwache Mieterhaushalt mehr als 40 Prozent seines verfügbaren Einkommens für die Miete. Gleichzeitig verschwinde günstiger Wohnraum.
Immer mehr Wohnungen gehören Firmen
Die Eigentumsverhältnisse bei Mietwohnungen hätten sich überdies verschoben. Während im Jahr 2000 noch 57,3 Prozent der Mietwohnungen Privatpersonen gehörten, seien es 2024 noch 43,2 Prozent gewesen. Im selben Zeitraum sei der Anteil von Anlagefirmen von 28,7 auf 44,4 Prozent gestiegen. Diese erzielten hohe Renditen mit Immobilien.
Der MVS fordert deshalb von der Politik ein Umdenken. Unter anderem müsse die sogenannte Kostenmiete durchgesetzt, und missbräuchlich hohe Mieten müssten gesenkt werden. Zudem brauche es eine schärfere Lex Koller, um das Finanzkapital auf dem Wohnungsmarkt zu bremsen, und es brauche mehr gemeinnützige Wohnungen. Der Verband kritisierte den geplanten Gegenvorschlag des Bundesrates zur Mietpreis-Initiative, da dieser die Mieten noch stärker steigen liesse.
(AWP)

