Energie - Deutschland: Schweiz soll beim EU-Gassparen mitmachen

Nach Ansicht von Deutschland soll die Schweiz bei der Reduktion des Gasverbrauchs auf freiwilliger Basis um 15 Prozent zwischen August und März mitziehen.
31.07.2022 07:38
LNG-Importterminal für flüssiges Erdgas im Seehafen von Rotterdam.
LNG-Importterminal für flüssiges Erdgas im Seehafen von Rotterdam.
Bild: imago images / ANP

Diese Senkung haben die EU-Länder diese Woche beschlossen. Das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hält es gemäss der "NZZ am Sonntag" für "angezeigt, dass sich auch die Grenzregionen ganz klar an Sparmassnahmen beteiligen". Sollte es in Deutschland zu einer Gasnotlage

kommen, schreibt das Ministerium, wären auch die aus Deutschland belieferten Gebiete betroffen. Dazu gehören das St. Galler Rheintal und der Kanton Graubünden, die ihr Gas ausschliesslich und direkt aus Deutschland beziehen. Dass sich die Schweiz an den europäischen Gassparplänen beteiligt, ist nicht ausgeschlossen. Gegenüber der "NZZ am Sonntag" schreibt das Umweltdepartement, dass das Umwelt- und das Wirtschaftsdepartement ebenfalls freiwillige Massnahmen prüfen würden, welche denjenigen des EU-Entscheids entsprechen.

Keine Informationen über Reserven in Nachbarländern

Die drohende Gasknappheit beschäftigt den Bundesrat seit Wochen. Die Strategie ist zweigleisig: Die Gasversorger sollen im Ausland Gasreserven aufbauen und sich Optionen für zusätzliche Käufe sichern. Doch das Departement von Energieministerin Simonetta Sommaruga weiss nicht, wie hoch diese Reserven in den Nachbarstaaten sind, wie der "SonntagsBlick" schreibt.

"Wir verfügen nicht über die gewünschten Angaben", so die Auskunft des Uvek. Thomas Hegglin vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie sagt gegenüber der Zeitung, dass die regionalen Energieversorger die Zielsetzung beim Aufbau der Gasreserven in Gasspeichern aktuell zwischen 75 und 100 Prozent erreicht haben. Die Regionalgesellschaften seien "gut auf Kurs, um bis November die Optionen für zusätzliche nichtrussische Gaslieferungen zu beschaffen".

Elektrische Heizkörper erhöhen Stromverbrauch

 

Aus Angst, im Winter zu frieren, deckt sich die Schweizer Bevölkerung schon jetzt mit Heizkörpern ein. Der Onlinehändler Digitec Galaxus verkündet, der Verkauf von elektrischen Heizkörpern sei in den letzten Monaten "explodiert", wie die "SonntagsZeitung" schreibt. Im Juni habe man 370 Prozent mehr davon verkauft als vor einem Jahr, im Juli war es gar eine Zunahme von 470 Prozent.

Der Trend zeige weiter aufwärts. Kommen sie alle zum Einsatz, hat das Folgen für die Stromversorgung. Wenn Gasheizungen durch elektrische Notheizungen ersetzt würden, werde "der Stromkonsum in einer ohnehin angespannten Situation massiv zunehmen", sagt Michael Frank, Direktor des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. "Der Einsatz Tausender elektrischer Notheizungen kann zu grosser Instabilität für den Energiehaushalt der Schweiz führen", warnt Frank in der Zeitung. "Dann hätten wir nicht nur beim Gas, sondern bald auch beim Strom ein grosses Problem."

Elon Musk könnte Internet-Bandbreite liefern

Starlink, das Satelliten-Internet von Elon Musk, könnte mit Blick auf eine Strommangellage in der Schweiz helfen, genügend Bandbreite für Internetverbindungen zur Verfügung zu stellen. Gemäss der "SonntagsZeitung" fallen Mobilfunkantennen bei einer Strommangellage nach kurzer Zeit aus. Anrufe und Surfen im Internet via Mobilfunk sind dann nicht mehr möglich. In der Schweiz sind die Mobilfunknetze gemäss der Zeitung schlecht gegen solche Ereignisse gewappnet.

Auch für Schweizer Haushalte mit langsamer Internetverbindung oder abgelegene Bauernhöfe, entlegene Häuser in Bergdörfern oder Alphütten wäre Musks Internet in der Schweiz eine Option. Allerdings braucht es für das Satelliten-Internet unverbaute sind zum Himmel - und es ist teuer. Erhältlich in der Schweiz ist es seit über einem halben Jahr. Wie viele Kundinnen und Kunden das Unternehmen in der Schweiz hat, ist nicht bekannt. Weltweit sind es 400'000.

 

Angesichts der Energiekrise lanciert die Zürcher Sektion der FDP eine Petition, damit die von Bern ausgewählten Projekte für neue Wasserkraftwerke unverzüglich umgesetzt werden. Der Bund hat 15 Staudammprojekte identifiziert, die die Wasserkraftproduktion in der Schweiz um mehr als 5 Prozent steigern könnten, wie die Westschweizer Zeitung "Le Matin Dimanche" schreibt.

Diese Anlagen sollen 2 Terawattstunden (TWh) zusätzlichen Strom produzieren. "Wir fordern, dass diese 15 Projekte sofort auf politischem Weg umgesetzt werden", sagt der Walliser FDP-Vizepräsident Philippe Nantermod in der Zeitung. Seiner Meinung nach muss die Umsetzung über ein Bundesgesetz erfolgen, das innerhalb von zehn Monaten verabschiedet werden kann und den Weg für ein mögliches Referendum ebnen würde. "Aber wir werden nicht zehn Jahre warten und riskieren, zur Kerze zurückzukehren oder die Aufzüge anzuhalten", fügt der Nationalrat hinzu.

(AWP/cash)