Wahlen in Frankreich - Emmanuel Macron: Ein Feingeist auf dem Weg zum Elyseé

Der unabhängige Kandidat greift mit knapp 40 Jahren nach dem höchsten politischen Amt in Frankreich: Emmanuel Macron will nach Stationen als Berater des Staatschefs und Wirtschaftsministers im Mai Präsident werden.
17.04.2017 19:05
Emmanuel Macron, unabhängiger und pro-europäischer Präsidentschaftskandidat, im Mai.
Emmanuel Macron, unabhängiger und pro-europäischer Präsidentschaftskandidat, im Mai.
Bild: Bloomberg

Der frühere Investmentbanker hat sich aus dem Schatten seines Mentors im Elysee-Palast, François Hollande, gelöst und will nach einer politischen Blitzkarriere den Sozialisten nun beerben.Der fast jugendlich wirkende Kandidat mit Seitenscheitel und markanten Koteletten mischt den Wahlkampf gehörig auf. Er sprengt dabei das traditionelle Links-Rechts-Schema im Land. Wie so viele andere Spitzenpolitiker ist der 39-Jährige zwar Absolvent der Elite-Hochschule ENA. Doch der smarte Jungstar sieht sich nicht als Teil des politischen Establishments, sondern als Revoluzzer, der Frankreich aufrütteln und modernisieren will.

Macron hat mit "En Marche" (zu deutsch: Vorwärts) binnen Jahresfrist eine eigene Bewegung mit mehr als 230'000 Anhängern auf die Beine gestellt. Sie soll ihn ins Präsidentenamt tragen und einen Durchmarsch der Rechtsextremen Marine Le Pen verhindern.

Der im nordfranzösischen Amiens geborenen Sohn eines bürgerlichen Ärzte-Ehepaars war schon als Kind ein Bücherwurm, wie er in seinem eigenen Werk mit dem Titel "Révolution" bekennt. Macron, der auch ein begabter Klavierspieler ist, hat seit den Zeiten als Berater Hollandes zudem den Spitznamen "Mozart aus dem Elysee-Palast" weg. Doch der Feingeist und studierte Philosoph zeigt auch eine andere Seite: Macron liebt das Kickboxen, auch wenn er inzwischen öfter zum Tennisschläger greift.

Investmenbanker bei Rothschild

Mit dieser Mischung aus Talent und Schlagkraft hat er sich den Weg nach ganz oben gebahnt. Als Investmentbanker bei Rothschild bewies er auch in der Geschäftswelt Durchsetzungsvermögen: 2012 boxte Macron den milliardenschweren Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer für den Nahrungsmittelkonzern Nestle durch, der dabei Mitbewerber ausstach.

Zugleich erwarb sich Macron damals als Präsidentenberater den Ruf, stets ein offenes Ohr für die Belange der Unternehmer zu haben. "Er ist unsere Anlaufstelle beim Präsidenten", bescheinigte ihm der Chef von France Telecom, Stephane Richard, im September 2012.

Diese Nähe zur Wirtschaft bietet seinen politischen Gegnern Angriffsfläche. Laut "En Marche"-Generalsekretär Richard Ferrand hat Russland sogar eine "Fake news"-Kampagne gegen den bekennenden Pro-Europäer losgetreten, der sich am 7. Mai mit der Moskau-freundlichen Le Pen einen Zweikampf um den Elysee-Palast liefern dürfte. Russland weist die Vorwürfe zurück, auch wenn in staatlichen Medien Macron als "Agent der amerikanischen Hochfinanz" tituliert wird. Laut Ferrand hat es auf die Computer der "En Marche"-Kampagne zudem Hunderttausende Angriffe gegeben, die von Orten in Russland ausgegangen seien.

Gerüchte um Affäre

Für Aufregung im Wahlkampf sorgten zudem Gerüchte im Netz, in denen Macron eine außereheliche Liebesaffäre mit dem fast gleichaltrigen Rundfunkintendanten Mathieu Gallet nachgesagt wurde. Macron, der seit 2007 mit seiner früheren Französischlehrerin Brigitte Trogneux verheiratet ist, versuchte die Gerüchte mit Ironie aus der Welt zu schaffen: Falls er tatsächlich ein Doppelleben mit Gallet führen sollte, könne es nur daran liegen, dass sein eigenes "Hologramm ausgebüchst" sei.

Er spielte auf einen skurril anmutenden Wahlkampfauftritt seines linken Konkurrenten Jean-Luc Melenchon an: Dieser nutzte moderne 3-D-Technik und zauberte sein virtuelles Ich via Hologramm auf eine Bühne in Paris, während er in Lyon live redete.

Dass ihm nach dem Bruch mit der Regierung von Teilen der Linken Verrat vorgeworfen wird, findet Macron weniger lustig. Er hatte seinen Ministerposten nach nur zwei Jahren im Amt im August 2016 aufgegeben, um fortan seine Kandidatur um das höchste Staatsamt vorzubereiten. Er sei von den Vertretern des politischen Systems nicht als einer der Ihren akzeptiert worden, klagt der selbst ernannte Revolutionär in seinem Buch: "Wenn ich mich über die politischen Regeln hinweggesetzt habe, dann nur deshalb, weil ich sie niemals akzeptiert habe."

(Reuters)