Die Jahresinflation erhöhte sich auf 1,0 Prozent von 0,8 Prozent im August, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Sie lag damit im Mittelfeld der Erwartungen. Die Prognosen hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AWP von 0,7 bis 1,2 Prozent gereicht.
Das sagen Ökonomen in einer ersten Stellungnahme:
Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:
«Die SNB ist – um einmal einen Finanzmarkt-Jargon zu benutzen – ‹behind the curve›. Die aktuelle Inflationsrate passt nicht mehr zur gegenwärtigen Zinspolitik der SNB. Wie die Details zeigen, stiegen etwa die Dienstleistungspreise um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, was sich auch in einer leicht höheren Kerninflationsrate von 0,5 Prozent niederschlägt (Vormonat: 0,4 Prozent).
Die Preisentwicklung von inländischen Gütern liegt jetzt bei 0,7 Prozent und diejenige von importierten Gütern bei 2,1 Prozent (jeweils gemessen gegenüber dem Vorjahresmonat). Vor allem Letzteres ist von besonderem Interesse: Von den importierten Gütern geht kein disinflationärer Trend mehr aus, sondern ein inflationärer. Der Schweizer Franken kann dem gestiegenen Preisdruck aus dem Ausland aufgrund fehlender Aufwertungen nichts mehr entgegensetzen.
Wir hatten bereits zu Jahresbeginn auf einen steigenden Leitzins im Dezember gesetzt. Dies wird nun tatsächlich zu einem greifbaren Szenario. Die SNB steht jedenfalls unter Zugzwang.»
Karsten Junius, Chefökonom Bank J. Safra Sarasin
«Der Anstieg der Inflationsrate auf 1,0 Prozent im Jahresvergleich bedeutet, dass die SNB einer ersten Zinserhöhung im Jahr 2027 näher rückt.
Insgesamt ist der Anstieg der Inflationsrate nach wie vor auf höhere Ölpreise zurückzuführen, die im Monatsvergleich um 4,8 Prozent und im Jahresvergleich um 31,2 Prozent zulegten. Bereinigt um die Ölpreise liegt der Inflationsdruck bei lediglich 0,3 Prozent im Jahresvergleich; dies erklärt, warum die SNB ihre Inflationsprognose in der vergangenen Woche nicht deutlicher angehoben hat. Dennoch lässt sich nicht ausschliessen, dass höhere Energiepreise auf andere Bereiche übergreifen und dort zu einem breiter angelegten Preisanstieg führen.
Die heutigen Daten machen eine Zinserhöhung im Dezember zwar nicht wahrscheinlicher, stärken jedoch das Argument für höhere Zinsen im Jahr 2027. Unserer Ansicht nach ist eine Wende hin zu einem stärkeren Arbeitsmarkt entscheidend, da auch die Lohnentwicklung für 2027 eher moderat prognostiziert wird, wie aus dem gestrigen Quartalsbericht der SNB hervorgeht.»
GianLuigi Mandruzzato, Senior Ökonom EFG International:
«Der Anstieg auf 1 Prozent im Jahresvergleich lässt den Durchschnitt für das 3. Quartal im Einklang mit der jüngsten Prognose der SNB stehen und übt somit keinen grossen zusätzlichen Druck auf die Zentralbank aus, ihren geldpolitischen Kurs anzupassen.
Die Details zeigen jedoch, dass die Inlandspreise, die im Jahresvergleich um 0,7 Prozent stiegen, möglicherweise beginnen, die Auswirkungen des Schocks auf die Energie- und Importpreise widerzuspiegeln. Letztere beschleunigten sich auf 11,7 Prozent im Jahresvergleich und liessen die Importpreise im Jahresvergleich um 2,1 Prozent ansteigen.
Diese Faktoren bleiben die Haupttreiber der Schweizer Inflation und bergen zusammen mit der jüngsten Abwertung des Schweizer Frankens das Risiko, dass die Schweizer Inflation höher und länger anhält als in den jüngsten Prognosen der SNB vorgesehen, es sei denn, die Zentralbank ergreift Massnahmen, um den Grad der Lockerung ihrer aktuellen geldpolitischen Ausrichtung zu verringern.»
(cash)
