Er betonte, er habe sich nicht persönlich bereichert. Allfällige Interessenskonflikte seien ihm «nicht bewusst gewesen». 

Die Raiffeisen kaufte Firmen auf, an denen sich Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Vorfeld beteiligt hatte. Für den damaligen Bankchef offenbar kein Interessenskonflikt. Er habe wohl zu wenig Fokus auf dieses Thema gelegt, sagte der 70-Jährige.

«Ich kriege Schnappatmung»

Vincenz brauchte gar das Wort «Unerfahrenheit». Beim Gerichtsvorsitzender kam dies jedoch schlecht an. «Ich kriege Schnappatmung», sagte er. «Jemand in Ihrer Position und mit Ihrem Lebenslauf kann sich doch nicht auf Unerfahrenheit berufen.» Schliesslich sei Vincenz da schon mehrere Jahre Chef der Raiffeisen gewesen.

Vincenz bestritt zudem, seine Position ausgenutzt zu haben, um die Übernahmeentscheidungen der Raiffeisen zu steuern. «Diskussionen gab es natürlich, aber Gremien beeinflusst habe ich nicht.» 

Vincenz hatte am Dienstag gleich zu Beginn der Befragung klargestellt, dass er keine Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen machen wolle. Er begründete dies mit der enormen Publizität seines Falls. «Ich möchte mich selbst und mein Umfeld schützen», sagte Vincenz vor dem Zürcher Obergericht. Einzig zu seinem Wohnort machte der 70-Jährige kurz Angaben. Nachdem seine Villa in Niederteufen AR verkauft wurde, zog er ins Tessin, genauer nach Figino bei Lugano.

Seinen aktuellen Zustand bezeichnete er als «etwas angespannt, aber soweit in Ordnung». Er blieb bei der Darstellung, dass die zahlreichen Stripclub-Besuche geschäftlicher Natur gewesen seien. Das habe er alles vor Bezirksgericht Zürich schon erklärt.

Zu Beginn des zweiten Prozesstages lehnte das Obergericht mehrere Anträge von Seiten der Anwälte ab. Diese hatten ein weiteres Mal versucht, den Prozess platzen zu lassen.

(AWP)