«Ich sehe keinen Grund, warum das in Europa anders sein sollte», sagt Philip Richards, Analyst bei Bloomberg Intelligence. «Wir sitzen im selben Boot. Die Zinsen steigen und die Unsicherheit nimmt stark zu. Wegen der Lage in Frankreich ist die Situation bei uns sogar noch schwieriger.»
Die Erträge der Société Générale im Handel mit Anleihen und Devisen dürften im dritten Quartal um 10 Prozent eingebrochen sein. Das ist das grösste Minus unter den europäischen Investmentbanken. Dies zeigen von Bloomberg erhobene Schätzungen. Auch die Deutsche Bank, BNP Paribas und die UBS dürften geringere Erträge im Anleihenhandel ausweisen. Einzig Barclays bildet eine Ausnahme.
Damit setzt sich der Trend der US-Konkurrenten fort. Deren Handelserträge mit festverzinslichen Papieren sanken im Schnitt um 5 Prozent. Goldman Sachs begründete dies mit «deutlich geringeren Nettoerträgen bei Hypotheken- und Kreditprodukten».
JPMorgan Chase verzeichnete den ersten Ertragsrückgang im Geschäft mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen im Jahresvergleich seit über zwei Jahren. Morgan Stanley verbuchte das zweitschlechteste Quartal seit drei Jahren.
Der Rückgang bei der Bank of America fiel mit 17 Prozent besonders drastisch aus. Er lag mehr als dreimal so hoch wie der Branchendurchschnitt. Einzig die Citigroup stemmte sich gegen diesen Trend.
Der Anleihenhandel leidet unter einem schwierigen Umfeld. Die hohen Zinsen belasten die Emission neuer Schuldtitel. In den USA zögern zudem viele Kunden wegen der Ungewissheit über die nächsten Schritte der Notenbank Fed. Sie scheuen grosse Positionen. Neue Inflationssorgen trüben den Zinsausblick zusätzlich.
Die Schwankungen am Anleihenmarkt dürften weiter zunehmen. Die Sorgen um die französischen Staatsfinanzen wachsen. Die dortige Schuldenkrise weckt Ängste vor einer Ansteckung ganz Europas. Das rückt französische Institute wie Société Générale, BNP Paribas und Crédit Agricole in den Mittelpunkt. Sie halten besonders viele französische Staatsanleihen.
US-Banken können eine Schwäche im Anleihenhandel oft mit dem Aktiengeschäft ausgleichen. Europäische Institute haben diese Möglichkeit kaum. Häuser wie Barclays und Société Générale konnten nicht an das sehr starke zweite Quartal der Wall Street im Aktienhandel anknüpfen. Daher droht den europäischen Investmentbanken im dritten Quartal eine breite Schwäche.
Die UBS sei «relativ gut aufgestellt», schreiben die KBW-Analysten Thomas Hallett und Andrew Stimpson. Die Bank habe begrenzte Kreditrisiken und setze stark auf den Devisenhandel. Dieser Bereich entwickelte sich im Handelsgeschäft zuletzt erfreulicher. Bloomberg-Analyst Richards sieht Barclays als möglichen Lichtblick. Der Spielraum für ein deutlich besseres Ergebnis sei allerdings klein.
Barclays und BNP Paribas gaben in der Ruhephase vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen keinen Kommentar ab. Société Générale, Deutsche Bank und UBS reagierten nicht auf Anfragen.
Barclays legt die Zahlen am 22. Oktober vor. UBS, Deutsche Bank und BNP Paribas folgen am 28. Oktober. Die Société Générale berichtet am 29. Oktober.
Der Ausblick für die grössten Banken der Region trübt sich weiter ein. Der weltweite Abverkauf von Anleihen weckt Erinnerungen an die Schuldenkrise von 2012. Zudem heizen hartnäckig hohe Ölpreise die Inflationssorgen an.
«Wohin man auch blickt, überall zeigen sich Risiken: Risiken durch Staatsanleihen und der Zerfall der Haushaltsdisziplin in ganz Europa», sagt Richards von Bloomberg Intelligence. «Ich sehe am Anleihenmarkt keineswegs die Talsohle erreicht. Die Probleme dürften anhalten.»
(Bloomberg/cash)

