Zwei Tage nach den wegweisenden Wahlerfolgen der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten brachen insbesondere die Papiere aus dem Umfeld der Chipbranche ein, die bis in die jüngste Vergangenheit als grösste Profiteure des Hypes um KI gegolten hatten.
Zwei Tage nach den wegweisenden Wahlerfolgen der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten brachen insbesondere die Papiere aus dem Umfeld der Chipbranche ein, die bis in die jüngste Vergangenheit als grösste Profiteure des Hypes um KI gegolten hatten.
Der Nasdaq 100 sackte um 5,6 Prozent auf 26'878 Punkte ab und steuert damit auf einen seiner grössten Tagesverluste in den letzten Jahren hin. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 3,2 Prozent auf 7444 Zähler nach unten. Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 2,9 Prozent auf 51'806 Punkte.
Bei den Zwischenwahlen am Dienstag hatten die Demokraten die Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus übernommen. Damit hatten viele Wähler nicht nur ihren Unmut über die hohen Lebenshaltungskosten oder die Politik von Präsident Donald Trump, sondern auch ihre Ablehnung gegenüber Rechenzentren zum Ausdruck gebracht. Diese sind für die extrem datenintensiven Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz essenziell.
Kritiker der KI-Rechenzentren verweisen unter anderem auf deren hohen Strombedarf, der auch die Energiepreise für die Bevölkerung in die Höhe treiben könnte. Hinzukommen Sorgen wegen Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel sowie die Befürchtung, dass durch die Rechenzentren nur wenige dauerhafte Jobs entstehen.
Die Demokraten gelten den Chancen von Künstlicher Intelligenz gegenüber als skeptischer als die Republikaner, die sich eher für Deregulierung starkmachen. In Texas hat die designierte Gouverneurin Gina Hinojosa von den Demokraten bereits ein sofortiges Moratorium für den Bau von Rechenzentren gefordert.
Rechenzentren sind ein wesentlicher Bestandteil der KI-Infrastruktur und bestehen aus zahlreichen standardisierten Metallgestellen mit Halbleitern. Sollten die Investitionen in Rechenzentren zurückgehen, hätte dies in den kommenden Jahren massive Auswirkungen auf die Chiphersteller. Vor diesem Hintergrund sackten die Aktien von Nvidia als Schlusslicht im Dow um neun Prozent ab.
Als Belastung hinzu kamen in diesem sehr schwachen Umfeld negative Unternehmensnachrichten. So hatte Qualcomm einen eher schwachen Gewinnausblick veröffentlicht. Der Hersteller von Smartphone-Prozessoren begründete dies mit einem Kostenanstieg bei Komponenten und der Fertigung. Die Papiere knickten um fast 14 Prozent ein.
Für die Papiere von Arm Holdings ging es um mehr als 13 Prozent bergab. Der Chipdesigner konnte mit dem Umsatzziel für das laufende Quartal nicht wirklich überzeugen. Der Konzern scheine die hohen Erwartungen an seinen Einstieg in den Markt für KI-Rechenzentren bis jetzt nicht erfüllen zu können, sagte ein Händler.
Die Anteilscheine von Micron büssten fast 16 Prozent ein. Der Halbleiterkonzern habe seine Pläne für ein Speicherchip-Werk in Taiwan wegen eines drohenden langwierigen Tarifkonflikts vorerst auf Eis gelegt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Zukunft eines wichtigen Produktionsstandorts für entscheidende KI-Komponenten auf.
(AWP)

