Swissmem sieht durch den Entscheid der SNB, die Zinsen um einen halben Prozentpunkt zu erhöhen, die Mehrheit der Industriefirmen nicht in Gefahr und äussert "Verständnis". Falls sich der Schweizer Franken nicht noch weiter aufwerte, dürften die Folgen für die meisten Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie verkraftbar sein, teilte der Dachverband am Donnerstag mit.

"Die Leitzinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte durch die SNB ist überraschend deutlich ausgefallen", sagte Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik bei Swissmem. Das habe unmittelbar zu einer, wenn auch moderaten, Aufwertung des Schweizer Frankens geführt. Beim bisherigen Eurowechselkurs von +/- 1,05 CHF/Euro hätten für die hiesigen Firmen indes kaum mehr währungsbedingte Wettbewerbsnachteile bestanden, so der Verband.

Von dieser Einschätzung ausgenommen seien aber Firmen, die im langfristigen Projektgeschäft tätig seien oder als Zulieferfirmen die Aufwertung nicht mit höheren Preisen an die Kunden weitergeben könnten. Grundsätzlich sehen sich die Industriefirmen laut Swissmem derzeit aber diversen Herausforderungen ausgesetzt, welche auf die eh schon knappen Margen drücken.

SNB-Entscheid ist "richtig"

Wie Swissmem zeigt sich auch Economiesuisse überrascht von der SNB. Angesichts steigender Inflationsraten sei die Zinserhöhung aber richtig, heisst es beim Wirtschaftsdachverband. Preisstabilität sei für die Wirtschaft von grosser Bedeutung. Es sei deshalb erfreulich und zielführend, dass die SNB ihren geldpolitischen Spielraum nutze, um den Preisauftrieb in der Schweiz einzuschränken.

Dass der Franken dadurch etwas aufwertet, ist für die Wirtschaft tragbar, sind sich die beiden Verbände einig. Es müsse aber verhindert werden, dass es zu einer massiven Überbewertung des Frankens komme, kommentierte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. "Ebenfalls positiv zu Buche schlägt, dass damit ein Ende der ökonomisch problematischen Negativzinsen absehbar wird. Es wurde höchste Zeit dazu", so Minsch.

Positiv äussert sich auch die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg). Die geldpolitische Normalisierung sei nun auch in der Schweiz eingeleitet, sagte der Leiter Wirtschaftspolitik, Martin Hess: "Die SNB setzt mit der Zinserhöhung ein wichtiges und richtiges Zeichen für die Wirtschaft."

Arbeitgeber nicht überrascht

Weniger überrascht zeigt sich hingegen der Arbeitgeberverband. "Dieser Schritt konnte erwartet werden, nahm doch der Druck auf die SNB vor dem Hintergrund der nach wie vor steigenden Teuerung zu", so die Einschätzung des Chefökonomen Simon Wey. "Wir begrüssen den Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank, auch in der Höhe von einem halben Prozentpunkt."

Der Schritt der SNB komme zudem auch vom Zeitpunkt her richtig, denn damit könne zum einen die hohe Teuerung adressiert und zum anderen das Risiko für ungesunde Zweitrundeneffekte gesenkt werden.

Konjunkturelle Abkühlung droht

Zu bedenken ist laut Wey allerdings, dass die Intervention nicht kostenlos zu haben ist, "denn die Konsequenz dürfte eine Abkühlung der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz sein. Wie stark die Auswirkungen auf die bisher noch stabile wirtschaftliche Situation sein wird, bleibt abzuwarten."

Der Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) ist derwil gar nicht einverstanden mit der SNB. Er spricht von einem "überraschenden Zinsschock" und einer "unangebrachten geldpolitischen Härte" und warnt gleichzeitig vor den Folgen für die Arbeitsplätze und Löhne, etwa im Tourismus. "Die Zinserhöhung ist unverständlich und bringt Konjunkturrisiken sowie Verunsicherung an den Finanzmärkten", sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart gegenüber AWP. 

cf/uh

(AWP)