Der Reflationstrade kann weitergehen

Das zyklische makroökonomische Umfeld bleibt reflationär, angetrieben durch grosse Staatsausgaben-Programme und einen Anstieg der Ersparnisse der privaten Haushalte. Es sei daher weiter generell günstig für wachstumssensitive Anlagen, meint Mikio Kumada von LGT Capital Partners.
07.04.2021 22:33

LGT Capital Partners vermutet, dass der Punkt, an dem der Anstieg der langfristigen Zinsen zum allgemeinen Problem wird, noch viel höher liegt, und dass der Reflationstrade somit weitergehen kann. (Bild: Shutterstock.com)

LGT Capital Partners vermutet, dass der Punkt, an dem der Anstieg der langfristigen Zinsen zum allgemeinen Problem wird, noch viel höher liegt, und dass der Reflationstrade somit weitergehen kann. (Bild: Shutterstock.com)

Während der Kampf gegen die Covid-19-Pandemie mit gelegentlichen Rückschlägen konfrontiert ist, haben die Finanzmärkte ihre Aufmerksamkeit eindeutig verlagert. "Die vorübergehenden Verzögerungen der Normalisierung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens beunruhigen nicht mehr. Stattdessen haben die Anleger begonnen, über Inflation, Zinssätze und Schuldenstände nachzudenken", sagt Mikio Kumada, Global Strategist bei LGT Capital Partners.

Wichtig sei, dass die Inflationserwartungen in den USA inzwischen genau dorthin zurückgekehrt seien, wo sie in Zeiten einer beherzten Konjunkturerholung auch notieren sollten – sie stünden zudem voll im Einklang mit den deklarierten Zielen der Federal Reserve. Die Experten von LGT CP stimmen mit der Fed überein, dass der kommende Anstieg der Verbraucherpreisindizes von temporären Faktoren, d.h. von Basiseffekten (Rohöl hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, Mehrwertsteueraussetzungen laufen aus usw.), sowie von kurzfristigen Angebotsengpässen getrieben sein wird.

Langfristige Inflationsaussichten wichtiger

"Die Frage über die langfristigen Inflationsaussichten ist nach unserer Ansicht für die Märkte wichtiger: Bisher ist der Anstieg der Anleiherenditen und der Breakevensätze – d.h. die von den Anleihemärkten eingepreisten künftigen Inflationsraten – mit der Erwartung einer dauerhaften Reflation vereinbar. Mit anderen Worten, mittelfristig ist ein günstiges Wachstumsumfeld mit einem entsprechend normalen zugrundeliegenden Preisauftrieb das wahrscheinlichste Ergebnis", erwartet Kumada.

Gleichzeitig mache die Tatsache, dass die Zentralbanken ein Überschiessen der Inflationsrate über eine längere Zeit tolerieren wollen, viele Anleger von Zeit zu Zeit nervös. Denn diese Politik schaffe das Potenzial für eine schärfere geldpolitische Kehrtwende in der Zukunft. Dieses Damoklesschwert könnte nach Ansicht des Experten zugegebenermassen auch in Zukunft für gelegentliche Volatilität an den Finanzmärkten sorgen.

Der springende Punkt sei jedoch, dass der globale Wachstumsausblick derzeit letztlich zu gutartig ist, um ignoriert zu werden. So dürfte das reale US-Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr ein Wachstum erreichen, das zuletzt Anfang der 1980er Jahre gesehen wurde. Auch das globale Wachstum wird ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts liegen (vgl. Grafik).

Gobales Wirtschaftswachstum

Der genaue Zeitrahmen für die Rückkehr zur normalen Lebensweise und zum traditionellen Arbeitsstil bleibt schwer vorherzusagen, da er vom Erfolg der Impfkampagnen und von der Lockerung lokaler Beschränkungen abhängen wird. Im Grossen und Ganzen scheinen laut Kumada die meisten grossen Volkswirtschaften jedoch auf dem Weg zu sein, um ohne grössere Verzögerungen mit der Zeit wieder weitgehend normal zu operieren.

Die jüngsten Composite-Einkaufsmanagerindizes, welche die Ergebnisse aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor zusammenfassen, zeigen, dass die Geschäftsaussichten in den USA und China gut über der Wachstumsschwelle bei 50 Punkten verankert sind, während Europa und Japan auf einem moderateren, aber dennoch stetigen Erholungspfad bleiben (vgl. Grafik).

USA und China als Zugpferde der Erholung

Schliesslich zeigen auch die sogenannten Lockdown-Indizes, welche die Offenheit der einzelnen Volkswirtschaften und den hemmenden Effekt der Massnahmen abbilden, dass sich die meisten Märkte trotz gelegentlicher Rückschläge inzwischen doch relativ nah an der Normalität befinden. Europa bildet in dieser Hinsicht seit einiger Zeit eine Ausnahme, was grösstenteils auf die weiter bestehenden Einschränkungen im Dienstleistungssektor zurückgeht. Doch auch hier geht der Trend in die richtige Richtung (vgl. Grafik).

Graduelle Rückkehr zur Normalität


Reflationstrade kann weitergehen

Laut den Experten von LGT CP begünstigen die guten Konjunkturaussichten und die anhaltende Unterstützung durch die Zentralbanken weiterhin Risikoanlagen. Der Anstieg der Renditen hat bisher nur zu einer Verschiebung der bevorzugten Sektoren und Stile geführt. Ein allgemeines Zurückdrängen der Risikobereitschaft sei nicht auszumachen.

"Wir vermuten, dass der Punkt, an dem der Anstieg der langfristigen Zinsen zum allgemeinen Problem wird – Ausstieg aus Risikoanlagen, erzwungener Schuldenabbau, Ängste vor einer galoppierenden Inflation – noch viel höher liegt, und dass der Reflationstrade somit weitergehen kann", meint Kumada.

Überschwängliche Investoren

Ein unmittelbarer Vorbehalt komme in Form der überschwänglichen Investoren. Sentiment- und Positionierungsindikatoren deuteten alle auf eine optimistische Anlegerschaft hin, was oft einen kurzfristigen Kontraindikator biete. Dies bedeute, dass der vor uns liegende Weg recht holprig ausfallen könnte, zumindest bis ein Teil des überschüssigen Optimismus abgebaut sei. Allerdings könnten etwaige Marktrückgänge angesichts der Liquiditätsflucht auch nur von kurzer Dauer sein und/oder eher flach ausfallen.

Die taktische Positionierung von LGT CP bleibe daher weitgehend unverändert und sei darauf ausgerichtet, die Vorteile der globalen Reflation zu nutzen, sagt Kumada. "So behalten wir eine Untergewichtung in der Duration von Anleihen und eine kleine Übergewichtung von Aktien bei und erhöhen nun das Engagement in Schwellenländeranleihen. Zugleich eröffnen wir eine Position in der norwegischen Krone gegenüber dem Euro. Gold dient sowohl der Diversifikation für geopolitische und ähnliche Ereignisrisiken als auch als bevorzugtes Wertaufbewahrungsmittel im Falle einer ausserordentlichen Inflationsentwicklung."

Anleihen: Schwellenländer jetzt am attraktivsten


Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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