Die Märkte preisen zu viele Zinserhöhungen ein

Die ersten Wochen des neuen Jahres waren geprägt von erhöhter Volatilität. Daran werde sich auf kurze Sicht nichts ändern, meint Esty Dwek von FlowBank. Doch mittelfristig sollten die Verwerfungen abklingen und langfristig dürfte China wieder attraktiver werden.
09.02.2022 22:34

Die Fed dürfte laut Esty Dwek von FlowBank weniger Zinserhöhungen vornehmen als von den Märkten erwartet. (Bild: Shutterstock.com/Jim Vallee)

Die Fed dürfte laut Esty Dwek von FlowBank weniger Zinserhöhungen vornehmen als von den Märkten erwartet. (Bild: Shutterstock.com/Jim Vallee)

Das Anlagejahr 2022 lief bisher holprig an. Die US-Notenbank geht inzwischen nicht mehr von einer vorübergehenden Inflation aus und das "Build Back Better"-Programm von US-Präsident Biden wurde zumindest vorübergehend durch den Senat blockiert.

"Der Risikobereitschaft der Anlegerinnen und Anleger am meisten zugesetzt haben aber womöglich die enttäuschenden Bankgewinne. Diese haben zu einem Ausverkauf von Value-Aktien sowie von Wachstumswerten, die zu hohen Multiples gehandelt wurden, geführt", erklärt Esty Dwek, CIO bei FlowBank. Da sich die Fed auf die Inflation konzentriere, fragten sich die Märkte, wie aggressiv die Straffungsmassnahmen sein werden und wie sich diese auf das Wachstum auswirken werden.

"Dovishe" Überraschung für die Märkte

Sie geht davon aus, dass die Märkte einen zu aggressiven Zinserhöhungszyklus der Fed einpreisen. Und obwohl die erste Zinserhöhung erst im März kommen sollte, hätten sich die finanziellen Bedingungen bereits verschärft. "Sowohl die Inflation als auch das Wachstum dürften nachlassen. Deshalb und angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen glauben wir nicht, dass die Fed die fünf Erhöhungen, die die Märkte derzeit einpreisen, durchführen wird", meint Dwek.

Dies deute auf eine "dovishe" Überraschung für die Märkte hin – und zwar trotz anhaltender Unterbrechungen in den weltweiten Lieferketten und damit verbundenen höheren Kosten. Auch der teilweise bestehende Lohndruck sollte gemäss Dwek nicht zu einer Lohnsteigerungsspirale führen. "Daher glauben wir immer noch, dass die Verwerfungen und die Inflation im Laufe des Jahres abklingen werden", so Dwek.

Bis es soweit ist, sei aber noch weitere Volatilität zu erwarten. Diese biete eine Gelegenheit, um mittelfristig Risiko-Positionen aufzubauen. Auch Zykliker sollten sich gemäss der Anlagestrategin von den jüngsten Problemen erholen können. "Wir glauben auch, dass der Ruf nach dem Untergang der Technologiebranche falsch ist und halten an einer Allokation in Unternehmen mit nachhaltigen Gewinnwachstumsaussichten fest", erklärt sie. Aus den gesunkenen Bewertungen von Tech-Titeln ergebe sich ein attraktiver Einstiegspunkt.

China: Das Schlimmste scheint überstanden

Europäische Anlagen haben von ihrer stärkeren Value-Ausrichtung profitiert und sich in diesem Jahr bisher besser gehalten. Das dürfte laut der Expertin vorerst anhalten. Später in diesem Jahr geht sie aber davon aus, dass US-Aktien von robusteren Gewinnen und einem stärkeren Wachstum in den USA profitieren sollten.

Noch besser als europäische Aktien haben solche aus Schwellenländern abgeschnitten. Insbesondere bei Aktien aus China sieht Dwek Zeichen der Erholung: "Ich gehe davon aus, dass wir das Gröbste überstanden haben, was die zunehmende Regulierung von Chinas Tech-Sektor anbelangt. Weitere Volatilitätsschübe sind zwar nicht auszuschliessen, aber für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger sind die Wachstumsaussichten vieler Unternehmen nach wie vor günstig – vor allem, wenn man die Grösse des chinesischen Markts beachtet."

Geopolitische Spannungen machen sich bemerkbar

Die aktuellen geopolitischen Spannungen hatten einen stabilisierenden Effekt auf die Renditen von Staatsanleihen, die zuvor stark angestiegen waren. Sobald sich die Volatilität in den kommenden Monaten wieder etwas legt, geht Dwek davon aus, dass die Renditen der Staatsanleihen nochmals wachsen dürften.

"Angesichts der anhaltenden Aufwärtsrisiken ziehen wir das Ausfall- dem Durationsrisiko vor. Zudem sehen wir im High-Yield-Bereich und bei Schwellenländeranleihen in Hartwährung Potenzial", sagt sie.

Krypto wird sich zurückkämpfen

Krypto-Anlegerinnen und -Anleger brauchten in den letzten Monaten Nerven aus Stahl. Nachdem Bitcoin im vergangenen November ein Allzeithöchst erreichte, fiel er seither stark. Auch die nächsten Monate könnten von erhöhter Volatilität geprägt sein.

"Doch die höhere Korrelation von Kryptowährungen mit Tech- und Aktienwerten sollte sich letztlich als unterstützend erweisen. Auch die zunehmende Akzeptanz von Kryptowährungen sowie NFTs und anderen Blockchain-basierten Innovationen werden die Preisentwicklung von Kryptowährungen wahrscheinlich zusätzlich ankurbeln", meint Dwek.

Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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