EZB hält an sehr lockerer Geldpolitik fest

Trotz nachlassender Pandemie bleibt die EZB weitgehend auf ihrem geldpolitischen Kurs mit Nullzinsen und verstärktem Anleihenankauf. Auch in den Inflationswerten sieht sie keinen Grund für eine Anpassung der Strategie.
10.06.2021 22:33

Die EZB will die Erholung der Wirtschaft von den Pandemiefolgen nicht gefährden. (Bild: Shutterstock.com/Nitpicker)

Die EZB will die Erholung der Wirtschaft von den Pandemiefolgen nicht gefährden. (Bild: Shutterstock.com/Nitpicker)

rotz einer sich abschwächenden Pandemie und steigender Inflationszahlen wird sie an ihren umfangreichen Konjunkturhilfen für die Wirtschaft festhalten. Der Leitzins bleibt wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0%, auch der Einlagesatz bleibt konstant bei minus 0,5%. Und die Ankäufe im Rahmen des billionenschweren Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP) soll weiter deutlich umfangreicher ausfallen als zu Jahresbeginn.

Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden, bis er feststellt, dass sich die Inflationsaussichten in seinem Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2% liegt, und dass sich diese Annäherung in der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durchgängig widerspiegelt.

Weiter werden die Euro-Hüter die Nettoankäufe im Rahmen des Pepp, das einen Gesamtumfang von 1'850 Mrd. Euro hat, mindestens bis Ende März 2022 und in jedem Fall so lange weiterhin durchführen, bis die Phase der Corona-Krise seiner Einschätzung nach überstanden ist. Schon im zweiten Quartal hatte die EZB das Tempo der Käufe deutlich angezogen. Die Währungshüter wollen damit verhindern, dass sich die Finanzierungsbedingungen für Firmen, Staaten und Privathaushalte verschärfen. Die Erholung der Wirtschaft von den Pandemiefolgen soll nicht gefährdet werden.

"Es war eine knifflige Übung für die EZB, die im März ihr Tempo der Ankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms erhöht hatte", kommentiert Nicolas Forest, Global Head of Fixed Income und Mitglied des Executive Committee bei Candriam die EZB-Sitzung. Da die Inflation dramatisch auf 2% anstieg, plädierten einige nordeuropäische Mitglieder für eine Verlangsamung des Programms und damit für etwas weniger geldpolitische Unterstützung. "Aber die Tauben, angeführt von Christine Lagarde, gewannen diese Runde und die EZB änderte ihre Leitzinsen nicht, während sie weiterhin den gesamten Pepp-Rahmen mit gleichbleibendem Tempo nutzt. So dürfte das Tempo der Käufe bei rund 80 Mrd. Euro pro Monat bleiben, auch wenn sie dieses Volumen in der Sommerpause anpassen kann", so Forest.

Wachstumserwartungen nach oben korrigiert

Gleichzeitig hat die EZB ihre Wachstumserwartungen für 2021 auf 4,6 % von 4% und für 2022 auf 4,7% von 4,1% nach oben korrigiert. Die Inflationserwartungen wurden ebenfalls auf 1,9% von 1,5% für 2021 nach oben korrigiert, aber Christine Lagarde betonte den vorübergehenden Charakter dieses Anstiegs, indem sie einen Rückgang auf 1,5% im Jahr 2022 erwartet.

Die nächste wichtige Sitzung der europäischen Währungsinstitution wird im September stattfinden. "Die EZB muss dann den Markt auf das Ende des Pepp vorbereiten, über ihr anderes Ankaufprogramm für Vermögenswerte (APP) kommunizieren und ihre zukünftige Liquiditätspolitik, insbesondere durch TLTROs, klären. Der schwierigste Teil steht also noch bevor", meint Forest.

Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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