Grün ist auch in Schwellenländern die neue Farbe

Um das Ziel einer globalen Energiewende zu erreichen, werden die Emerging Markets eine entscheidende Rolle spielen, sagt Jan de Bruijn, Client Portfolio Manager Emerging Markets von Robeco. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Länder wie China und Indien von Energieimporteuren zu Exporteuren umweltfreundlicher Energiekomponenten werden.
09.12.2021 22:33

Positiv stimmt, dass auch grosse Stromverbraucher wie China und Indien in Richtung grüne Energie umschwenken. (Bild: zvg)

Positiv stimmt, dass auch grosse Stromverbraucher wie China und Indien in Richtung grüne Energie umschwenken. (Bild: zvg)

Länder wie China und Indien befinden sich in der Phase der ökonomischen Expansion und sind somit noch stark von fossilen Brennstoffen als Energielieferant für ihre Volkswirtschaften abhängig. Sie wollen sich jedoch aus der Abhängigkeit von Energieimporten lösen und selbst Exporteure von Komponenten für umweltfreundliche Energieerzeugung werden, erklärt Jan de Bruijn.

Allerdings erfordert die Energiewende eine erhebliche ökonomische Umstrukturierung, besonders in Ländern, die stark von Öl und Gas abhängig sind. Die positive Nachricht ist, dass Unternehmen, die Bestandteil der globalen Lieferkette sind, mittlerweile stärker zur Dekarbonisierung durch den Einsatz erneuerbarer Energien motiviert sind denn je. "Das hat reale Auswirkungen auf den Energiesektor in vielen Ländern", sagt der Robeco-Experte.

China und Indien denken um

China und Indien sind die grössten Energieverbraucher der Welt. Deshalb sind sie die wichtigsten Länder, was den Erfolg der Bemühungen um eine globale Dekarbonisierung angeht. Im Vergleich zu vielen entwickelten Volkswirtschaften, in denen die Stromnachfrage bereits um das Jahr 2007 ihren Höhepunkt erreicht hat, werden die Emerging Markets länger brauchen, um CO2-Neutralität zu erreichen.

Im Jahr 2020 verpflichtete sich China, die CO2-Emissionen vor 2030 zu deckeln und bis 2060 CO2-Neutralität zu erreichen. Und jüngst gab Indien am Umweltgipfel in Glasgow bekannt, bis 2070 Netto null anzustreben. Zuvor hatte sich das Land dazu verpflichtet, seine Emissionsintensität bis 2030 um mehr als 30% zu verringern.

In Anbetracht der Tatsache, dass in beiden Ländern auf Kohle nach wie vor zwischen 60 und 70% des gegenwärtigen Primärenergieverbrauchs entfallen, wird das parallele Ziel von Wirtschaftswachstum und niedrigeren Emissionen erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien wie Solar- und Windstrom sowie andere CO2-arme Technologien erfordern.

In diesem Bereich des Segments Erneuerbare Energien ist China bereits weltweit führend. Die Volksrepublik hat den Anteil nicht-fossiler Brennstoffe am Primärenergieverbrauch von nur 6,8% im Jahr 2015 auf 15% 2020 erhöht. "China strebt nunmehr an, diesen Anteil bis 2030 auf 25% weiter zu steigern", erläutert Jan de Bruijn.

Der Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft ist auch finanziell sichtbar. Die Stromerzeugungskosten sind in den letzten zehn Jahren sowohl bei Wind- als auch Solarenergie stark gesunken. Diese Energiequellen sind bereits billiger als neue Kohle- oder Gaskraftwerke in den meisten Ländern. Darüber hinaus produzieren einige der neuen Wind- und Solarkraftwerke in Indien und China bereits günstiger Strom als bestehende Kohlekraftwerke.

Umweltfreundliche Gestaltung der Lieferketten

Die Emerging Markets haben in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich an Bedeutung für die globalen Lieferketten gewonnen. Aufgrund schärferer Regulierung mit Blick auf die Offenlegung von CO2-Emissionen, einschließlich Scope 3-Emissionen, nehmen immer mehr Unternehmen ihre Lieferketten genauer ins Visier.

Nachdem multinationale Konzerne mit der Umsetzung ihrer Dekarbonisierungspläne beginnen, müssen sich die Zulieferer diesem Trend anschliessen. Apple kündigte im letzten Jahr an, bis 2030 in seiner gesamten Zuliefererkette und im Hinblick auf den Produktlebenszyklus CO2-neutral zu werden. Dementsprechend sind in China Programme entwickelt worden, darunter die Schaffung eines Investmentfonds für umweltfreundliche Energien im Land, wie de Bruijn erklärt.

Allerdings sind nicht alle imstande, sich diesem Trend anzuschliessen, wendet de Bruijn ein. Viele Anbieter, besonders kleine und mittelgrosse Unternehmen, würden nicht über das ausreichende Wissen verfügen und erhielten nur begrenzte Unterstützung durch die lokalen Behörden. "Die politischen Rahmenbedingungen müssen sich an neue Herausforderungen anpassen, und es müssen entsprechend Investitionen getätigt werden", so der Robeco-Spezialist.

Hoher finanzieller Einsatz

Die Emerging Markets und Entwicklungsländer stünden vor einer zweifachen Herausforderung, fährt er fort. Zum einen sind sie besonders anfällig, was klimatische Veränderungen angeht, und ihnen fehlt die Finanzkraft, um den Folgen des Klimawandels auszuweichen oder angemessen darauf zu reagieren. Zum anderen ist eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung entscheidend für die Fortsetzung der sozioökonomischen Entwicklung.

Dennoch machen verschiedene Länder rasche Fortschritte bei ihren Plänen zur Dekarbonisierung, während sie ein immer wichtigerer Teil des globalen Energiesektors werden. Zu einem schnelleren Wachstum bei erneuerbaren Energien beitragen werden technologische Innovationen und sinkende Kosten sowie innovative Geschäfts- und Finanzierungsmodelle, die umweltfreundlichen, skalierbaren Energielösungen Schub verleihen sollten, fasst Jan de Bruijns zusammen.

Energieressourcen-Verbrauch


Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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