Ukraine-Krieg kostet Schweiz fast ein Prozent BIP-Wachstum

BAK Economics hält im April an der aktuellen Prognose für die Entwicklung des Schweizer BIPs fest. Für das Jahr 2022 wird ein Zuwachs von 2,3% und für das Jahr 2023 eine Wachstumsabschwächung auf 1,7% erwartet. Allerdings bestehen für die weitere Entwicklung momentan hohe negative Risken.
20.04.2022 22:33

Aufholeffekte dürften der Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr trotz Ukraine-Krieg einen Wachstumsschub geben. (Bild: Shutterstock.com/Sahachatz)

Aufholeffekte dürften der Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr trotz Ukraine-Krieg einen Wachstumsschub geben. (Bild: Shutterstock.com/Sahachatz)

Geprägt wird diese Prognose laut BAK von zwei gegenläufigen Effekten: Die Aufhebung praktisch aller Pandemiemassnahmen in der Schweiz und Europa führe im laufenden Jahr zu einem starken Wachstumsschub durch Aufholeffekte. Diese Dynamik zeichneten Indikatoren wie die nach wie vor auf überdurchschnittlichen Werten verlaufenden PMI Indizes, die rekordhohen Exporte vom Februar oder die unter das Vorkrisenniveau gefallene Arbeitslosenquote nach.

Die auf den ersten Blick kräftigen Expansionsraten dürften jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Krieg in der Ukraine auch die Schweizer Wirtschaft erheblich belastet. BAK nennt an vorderster Stelle den Kaufkraftentzug bei den Konsumenten durch die Preissteigerungen sowie der markant schwächeren Erholungspfad bei den wichtigsten Handelspartnern, insbesondere in Deutschland. "Insgesamt verliert die Schweiz durch den russischen Überfall auf die Ukraine bereits jetzt kumuliert 0,9 Prozentpunkte BIP-Wachstum", so die Ökonomen des BAK.

Schweizer Makro-Prognosen


Hohe negative Risiken

Für die weitere Entwicklung bestehen laut BAK momentan hohe negative Risken. Die Belastungen durch den Ukraine-Krieg können demnach erheblich grösser ausfallen als derzeit in der Prognose enthalten. Die Wahrscheinlichkeit für längere und schärfere Sanktionen ist in den letzten Wochen gestiegen. Sollte es beispielsweise zu einer Unterbrechung der russischen Erdgaslieferungen kommen, wäre vor allem in Deutschland und Italien mit einer tiefen Rezession zu rechnen, was auch den Schweizer Exportsektor empfindlich treffen würde, so die Expertinnen und Experten des BAK.

Auch abseits des Kriegsgeschehens blieben die wirtschaftlichen Risiken hoch. Während das Wirtschaftsgeschehen in vielen westlichen Ländern aktuell kaum noch durch Covid-Auflagen gebremst werde, habe sich die Lage in China wieder massiv verschärft. Den globalen Lieferketten drohe somit eine neue Zerreissprobe, welche die Industriekonjunktur empfindlich stören könnte.

Hartnäckige Inflation

Nicht aus den Augen lassen darf man laut BAK die Inflation. Sie erweise sich schon jetzt als hartnäckiger als erwartet, und die verschiedenen Krisenherde könnten sie weiter antreiben. "Aber selbst ohne solch zusätzliche Teuerungstreiber könnte sich die eingeleitete Trendwende vieler Notenbanken als zu spät und zu harmlos erweisen, um dem bereits aufgelaufenen Inflationsdruck zu begegnen. Damit besteht im globalen Kontext auch von monetärer Seite ein hohes wirtschaftliches Risiko", sagen die BAK-Ökonomen.

Quelle: BAK Economics

Quelle: BAK Economics

Dieser Artikel wurde cash von Investrends.ch zur Verfügung gestellt.
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