Digitalisierung: Schweizer Banken müssen radikal umdenken

Die Digitalisierung ist ein Game Changer. Für die Banken steht dabei viel auf dem Spiel. Kleine, agile Fintech-Unternehmen sowie die mächtigen Technologiekonzerne sind bereits in Lauerstellung und bereit, die digitalen Bedürfnisse einer neuen Kundengeneration zu bedienen.
15.01.2019 22:34

Wo stehen die Schweizer Banken bei der Digitalisierung? Eine aktuelle Studie des Swiss Finance Institute und des Beratungsunternehmens zeb kommt zum Schluss, dass die Digitalisierung für die hiesigen Finanzinstitute vor allem in zwei Bereichen mit grossen Herausforderungen verbunden ist: Zum einen ist die Digitalisierung des Geschäftsmodells, des Dienstleistungsangebotes und der Prozesse noch sehr tief. Zum anderen sind die Berührungsängste der Führungskräfte und Mitarbeiter mit dem Thema Digitalisierung und der damit verbundenen Erneuerung des Bankgeschäftes viel zu hoch. Dennoch attestieren die Studienautoren den Schweizer Banken, dass sie strategisch grundsätzlich gut aufgestellt sind, um die anstehende Digitalisierung ihres Geschäftes erfolgreich zu meistern.

Drei wesentliche Studien-Erkenntnisse
1. Schweizer Banken verfolgen im Rahmen der Digitalisierung einen intelligenten Fast Follower Approach. Es gelte allerdings um jeden Preis den "Kodak"-Effekt zu vermeiden. Man darf also den richtigen Zeitpunkt für den Launch eines digitalen Geschäftsmodells und Angebots nicht verpassen. Sonst verliert man den Anschluss an die international führenden Mitbewerber und die neuen Herausforderer. 

Die Studienergebnisse zeigen hier unter anderem die im internationalen Vergleich tiefe Online-Abschlussfähigkeit von Produkten sowie ein Rückstand bei der End-to-end-Prozessdigitalisierung. 

2. Banken müssen ihre Mitarbeitenden auf die digitale Reise mitnehmen, andernfalls laufen sie Gefahr zu scheitern. In diesem Punkt stellen die Studienautoren fest, dass es nach wie vor vielerorts an digitalen Leader-Figuren mangle.

3. Die digitale Neuausrichtung erfordert ein radikales Umdenken der Banken hinsichtlich ihrer Organisationsstrukturen. Dabei erscheint eine strikte Trennung von IT- und Fach-Expertise wenig zielführend. Hingegen empfehlen die Studienautoren eine agile Aufbauorganisation - also kleine flexible Teams, die losgelöst von konventionellen Strukturen bereichsübergreifend denken und handeln. Allerdings finde sich derzeit keine Schweizer Bank, die sich weg vom klassischen Top-down-Organisationsmodell hin zu einer zeitgemässen Netzwerkorganisation entwickelt.

Digitales Swiss Banking statt nur digitalisiertes Bankgeschäft
Zusammenfassend empfehlen die Studienautoren der heimischen Bankenindustrie, den Fokus nicht nur auf die Digitalisierung des Bankgeschäfts zu richten, sondern vielmehr ein digitales Swiss Banking zu entwickeln, "welches die Alleinstellungsmerkmale des Schweizer Bankwesens in Einklang bringt mit der unabwendbaren digitalen Evolution".

Dieses Ziel dürfte indes angesichts der heterogenen Bankenlandschaft in der Schweiz und des Wettbewerbs unter den Banken nur schwer zu erreichen sein, bleibt hier noch zu bemerken.  

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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