Höhere Zinsen, höhere Korrelationen

Es gebe keinen Grund, jetzt auszusteigen, meint Erik Knutzen von Neuberger Berman. Auch wenn die steigenden Korrelationen bedrohlich wirken, gebe es Anzeichen für einen noch längeren US-Konjunkturzyklus.
22.10.2018 22:34

Die letzten Wochen haben einmal mehr gezeigt, dass die Volatilität ebenso wie die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen gestiegen ist. "Staatsanleihen können ein Aktienportfolio daher heute nicht mehr so gut diversifizieren", urteilt Erik Knutzen, CIO bei Neuberger Berman. Als am 10. Oktober die Aktienmärkte weltweit um 2% bis 3% einbrachen, war dies nur der schlimmste Tag einer schwarzen Woche. 2017 ist der S&P 500 Index an keinem Tag um über 2% gefallen. In diesem Jahr gab es sieben solcher Tage. 

Steigende Korrelationen erwartet
Knutzen glaubt, dass dieses Korrelations-Szenario weiterhin anhält und bis 2019 vielleicht sogar weiter zunehmen könnte. Positive Korrelationen seien stets typisch für die Spätphase eines Konjunkturzyklus. Wenn sich die Vergangenheit wiederhole, kann die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen beim derzeitigen Wirtschaftswachstum und der derzeitigen Inflation in den USA durchaus 0,15 bis 0,20 betragen – und damit deutlich über den negativen Werten liegen, an die sich Investoren mittlerweile gewöhnt haben, erklärt der CIO. Für 2019 erwarte er ein moderates Wachstum und mehr Inflation – und weiter steigende Korrelationen.

Die steigenden Inflationserwartungen seien das Eine. Als Ausgleich für die wachsende Unsicherheit über die nächsten Massnahmen der Fed erwarteten die Investoren aber auch eine höhere Laufzeitprämie für lang laufende Titel. "Wenn der Markt die Zinsentwicklung richtig einschätzt, dürfte die US-Zehnjahresrendite allerdings kaum über 3,5% steigen", schätzt Knutzen. Allerdings achte die Fed unter Jerome Powell stärker auf Daten als auf Prognosen, was zu Zinsspekulationen führe. Dadurch sei auch das Risiko gestiegen, zumal immer weniger klar sei, bei welchem Zinssatz der Erhöhungszyklus ende.

Die Welt ist heute anders
Bei Aktien solle man sich unterdessen vor Augen führen, wie anders die Welt heute ist als im Februar, mahnt Knutzen. Damals wuchs die Weltwirtschaft stark und synchron; heute ist sie schwach mit einem klaren Wachstumsschwerpunkt in den USA. Damals waren Steuersenkungen neu, heute dürften sie an Wirkung verlieren. Im Februar fürchtete man neue Zölle, heute sind sie Realität. Es ist gemäss Knutzen unwahrscheinlich, dass die Unternehmensgewinne 2019 wieder so stark steigen werden wie in diesem Jahr, sodass eine mögliche Aktienmarkterholung schwächer ausfallen dürfte als im Februar.

Das bedeute aber nicht, dass die steigenden Korrelationen eine unmittelbar bevorstehende Rezession signalisieren, wendet der CIO ein. "Wenn die USA weiterhin als einziges Industrieland wirklich stark wachsen, muss die Fed die Zinsen vor den anderen Notenbanken erhöhen – was zusammen mit einer massiven US-Dollar-Aufwertung die Weltkonjunktur zum Erliegen bringen könnte", folgert der CIO. Letzte Woche habe es indes Anzeichen gegeben, dass ein noch längerer US-Konjunkturzyklus durchaus eintreffen könnte: Die US-Inflation ging zurück, und der US-Dollar reagierte kaum auf all die Turbulenzen an den Anleihe- und Aktienmärkten. Hinzu kamen Chinas verstärkte Bemühungen um lockere, wachstumsfreundliche Finanzbedingungen.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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