Manilas Aufschwung

Samir Mehta, Fondsmanager bei J O Hambro, erzählt von seinem Aufenthalt in Manila und weshalb er nur eine philippinische Aktie, und zwar die des Fast-Food-Unternehmens Jollibee Foods hält.
18.06.2018 22:34

Die Infrastruktur entwickelt sich in Manila im Schneckentempo. Bei einem kurzen Aufenthalt würde man kaum eine nennenswerte Veränderung in dieser oft chaotischen Stadt bemerken, meint Samir Mehta. Doch es gibt Veränderungen. Ein Beispiel ist der "Entertainment City"-Stadtteil zu welchem drei von vier neu errichteten Resorts und Casinos gehören, von denen das erste im Jahr 2013 eröffnet wurde. Das gesamte Areal ist weitläufig mit breiten Boulevards und schicken Neubauten mit Meerblick. Es ist also kein Wunder, meint Mehta, dass der Tourismus nach Manila, insbesondere von China, zugenommen hat – wie auch die Einnahmen der Casinos. Mehrere grosse Flächen, die früher Townships waren, erleben heute einen Boom im Immobilienbau. Auch ausserhalb der Metropole Manila, zum Beispiel bei der Inselgruppe Visayas und Mindanao, sind neue Strassen und Flughäfen im Bau.

Seit Januar 2018 haben die Filipinos ihre Steuerpolitik relativ stark verändert. Im ersten Teil des Reformprozesses wurde die Einkommenssteuer für niedrige und mittlere Angestellte deutlich gesenkt. Allerdings wurden die Steuern auf eine Vielzahl von Gütern erhöht, darunter Mineralölprodukte, Autos, Tabak und zuckergesüsste Getränke. Im nächsten Schritt will die Regierung die Unternehmenssteuern von 30% auf 25% senken und gleichzeitig die unzähligen Anreizsysteme für Beteiligungen vereinfachen. 

Mittelschicht profitiert
In einer Zeit steigender Ölpreise und eines sich abschwächenden Pesos wirken sich diese Steueränderungen auf mehrere Teile der Wirtschaft aus. "Zum einen sind die Kosten breitflächig gestiegen, da die Erdölpreise gestiegen sind. Im Allgemeinen steigen die Inflation und die negativen Auswirkungen werden von den schwächsten und ärmsten Teilen der Gesellschaft wahrgenommen", behauptet Mehta. Unternehmen, die den einkommensschwachen Teil der Gesellschaft bedienen, wie der philippinische Nahrungsmittelverarbeiter Universal Robina, haben daher einen Umsatzrückgang erlebt. Gleichzeitig verzeichnen Unternehmen wie Robinson Retail, die vor allem Familien mit mittlerem Einkommen beliefern, einen Umsatzanstieg. So scheint die Bevölkerung mit mittlerem Einkommen in einer viel besseren Position zu sein, zumal sie von der Senkung der Einkommenssteuer profitiert. Dennoch ist der Gesamtkonsum bisher relativ moderat.

Er führt aus: "Wir haben viel Zeit mit Jollibee Foods (JFC) verbracht, der einzigen philippinischen Aktie, die wir derzeit in unserem Portfolio haben." Es ist ein führendes Unternehmen in der Fast Food-Branche auf den Philippinen, das weltweit expandiert. Richtig umgesetzt, können solche "Quick-Service Restaurants" (QSR) sehr profitabel und skalierbar sein. Amerikanische Ketten wie McDonald's oder Chipotle sind Paradebeispiele für das Modell. Mehta zeigt sich beeindruckt: "Ich habe eine Analyse von QSR-Modellen gesehen, bei denen die EBITDA-Rendite der Gesamtinvestition pro Markt zwischen 18-30% p.a. liegen kann. Im Fall von JFC erwirtschaftet die Hauptmarke Jollibee eine Rendite pro Markt von über 35%."

Erfolgreiche Expansion
Im Laufe der Jahre hat JFC sein Angebot an verschiedenen Küchen auf den Philippinen erweitert. Die 2010 erworbene Marke "Mang Inasal" hat ihr Filialnetz in den vergangenen sieben Jahren von 345 auf 495 Filialen erweitert. Durch die fast dreifache Steigerung des Umsatzes pro Markt stieg der Gesamtumsatz dieser Marke jedoch von 2,3 Mrd. Php im Jahr 2010 auf 17 Mrd. Php im Jahr 2017. Sobald ein Konzept erfolgreich ist, expandiert JFC ins Ausland, wo es philippinische Staatsangehörige gibt. JFC wagte sich 2005 nach China, doch für lange Zeit war das China-Geschäft ein rechter Kampf. Intensiver Wettbewerb, steigende Lohnkosten und schliesslich ein struktureller Wandel hin zur OnlineBestellung von Lebensmitteln haben das chinesische Geschäft auf die Probe gestellt. Nach fast drei Jahren der Stagnation, in denen das Management einen Weg zur Bewältigung der Herausforderungen gefunden hat, ist der Umsatz im Jahr 2017 im niedrigen zweistelligen Bereich gewachsen.

JFC hat kürzlich Smashburger, eine Burger-Kette in den USA, übernommen und seine bestehende Beteiligung an einem Unternehmen, das in Vietnam expandiert, auf eine Mehrheit erhöht. In den vergangenen Jahren hat das Managementteam einiges investiert, neue Märkte ausgebaut und neue Formate akquiriert. Mehta glaubt: "In Anbetracht ihrer bisherigen Erfolge habe ich ein angemessenes Vertrauen in ihre Fähigkeit, diese Erweiterung durchzuführen." Es ist eine herausfordernde Zeit für das Geschäft: Peso Abwertung, steigende Inflation, Steueränderungen und strukturelle Veränderungen in der Gastronomie von Online-Lebensmittelversorgungsunternehmen. Mehta prognostiziert: "Mit einem Wachstum von 16% in den systemweiten Verkaufsstellen, einer gesunden Bilanz und der Fähigkeit, die Preise zu erhöhen und die Margen im Laufe der Zeit zu halten, sollte JFC in der Lage sein, in diesen schwierigen Zeiten zu wachsen."

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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