Wo Anleger dank Robotern Rendite erzielen

Roboter gelten in der Welt von Industrie 4.0 als Megatrend. Fondsmanager ziehen nun entsprechende Fonds auf und zeigen, wo Robotertechnolgie Rendite ermöglicht. Die Schweiz hält mit, aber nicht in allen Bereichen.
11.05.2016 01:05
Von Marc Forster
Noch hat kaum ein Haushalt einen Kochroboter; Die Technik ist aber ein Megatrend, sagen Experten.
Noch hat kaum ein Haushalt einen Kochroboter; Die Technik ist aber ein Megatrend, sagen Experten.
Bild: cash

Selbstfahrende Autos, Lieferservice mit Drohnen, automatisierte Operationssäle oder Haushaltsgegenstände und Turnschuhe aus dem 3D-Printer: Die Robotertechnologie hat in der Produktionsindustrie längst Fuss gefasst und beginnt, den Alltagskonsum zu prägen. Der Robotik-Markt ist in den vergangen 15 Jahren von fünf auf über 19 Milliarden Dollar angewachsen und dürfte sich bis 2020, mit einer jährlichen Durchschnitts-Wachstumsrate von 10 Prozent, im Jahr 2025 auf 50 Milliarden Dollar ausweiten.

Die Herstellungskosten von Robotern sind innerhalb von 30 Jahren auf ein Fünftel gesunken, während diese Träger künstlicher Intelligenz das dreifache von dem leisten können, was 1980 möglich war. Investoren haben die Roboter-Industrie als Megatrend erfasst und beginnen, Investitionen gezielt dorthin zu lenken. Die Boston Consulting Group schätzt, dass der investmentfähige Markt 1,25 Milliarden Dollar umfasst.

Erste Themenfonds zur Roboterindustrie sind bereits auf dem Markt, so etwa der Fonds RoboCap, der von London aus gesteuert wird. Die Fondsmanager sprechen von 3700 Unternehmen, die im Feld der Robotertechnologie tätig sind. Davon ist aber nur knapp ein Drittel an der Börse kotiert, und nur 350 der erfassten Firmen werden von RoboCap als "pure players" bezeichnet, also solche, die einen substanziellen Teil des Umsatzes mit Robotertechnolgie erzielen.

Grosskonzern ABB ist dabei

Zu den Pionieren der Robotics-Investitionen gehört auch die Genfer Privatbankengruppe Pictet. Der Pictet-Robotics Fonds ist seit vergangenem Oktober handelbar. Fondsmanager Karen Kharmandarian gehört zu den Managern des 40 bis 50 Aktien umfassenden Anlagevehikels. Er nimmt Unternehmen in den Fonds auf, bei denen mindestens 20 Prozent ihrer Geschäftstätigkeit mit Robotics zu tun hat.

Wichtigstes Segment im Portefeuille ist die industrielle Automation, wie Kharmandarian im ABB, Hersteller von Automationssystemen und Industrierobotern. "Das Thema Robotics bedeutet aber auch Konsum- und Service-Anwendungen, aber auch alle Systeme, die Robotertechnologie ermöglichen", sagt Kharmandarian. Schweizer Unternehmen, die zum letzten Bereich gehören, seien auch die  Halbleiterhersteller U-Blox und AMS. Die meisten Aktien im Pictet-Robotics Fonds sind aber von ausländischen Firmen.

Karen Kharmandarian im cash-Video-Interview.

Während die Zahl robotics-spezifischer Unternehmen hierzulande begrenzt ist, gehört die Schweiz laut Kharmandarian bei der Forschung zur Roboter-Technologie zur Weltspitze. Davon profitiere auch Pictet, indem Forscher in den Beirat für den Robotics-Fonds geholt wurden.

Ingesamt bestehe eine Basis rund 200 Unternehmen, aus denen der Fonds sein Portefeuille zusammenstellen könne. Bekannte Unternehmen daraus sind auch der ABB-Konkurrent Siemens, der deutsche Maschinenbauer Kuka mit einer Robotersparte oder das japanische Unternehmen Fanuc und die US-amerikanische Rockwell, die ebenfalls Industrieroboter fertigen. Zu den zehn grössten Titeln im Fonds gehört auch Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, die unter den Bereich "Consumer Robotics" fällt. Alphabet hat Tochtergesellschaften, die etwa Paket-Zustellroboter entwickeln oder einen Laufroboter lancieren, an dem auch das amerikanische Militär interessiert ist.

Wer ist ein «pure player»?

Als "pure players" gelten diese Unternehmen mit Ausnahme von Fanuc nicht. Die Titel im Portefeuille, die diesen Anspruch erfüllen, sind hierzulande weniger bekannte Unternehmen vor allem aus den USA. Dazu gehört der US-Konzern Intuitive Surgical, Hersteller von Chirurgierobotern. In Fachkreisen bekannt ist der Da-Vinci-Operationsroboter für minimal-invasive Eingriffe. Die Aktie dieses mittelgross kapitalisierten Unternehmens umfasst im Moment 4,6 Prozent des Pictet-Robotics-Portefeuilles und ist damit der grösste Aktien-Einzelposten.

Ein pure player im Fonds ist auch der US-Softwarespezialist Cadence, der die Automationsindustrie ausrüstet, oder die japanische Keyence Corporation, die beispielsweise Automationssensoren herstellt. Laut Anlagespezialist Kharmandarian sind etwa 35 bis 40 Prozent der für Investments möglichen Firmen pure players, wobei er das "Eintrittslevel" für dieses Prädikat anders als die Fondsmanager von RoboCap bei einem robotics-spezifischen Umsatzanteil von 80 Prozent ansetzt.

Obschon Roboter als Megatrend gelten, ganz verschont ist das Anlageuniversum der Robotics-Fondsmanager von Kursschwankungen nicht. Der Kurswert des Fonds stieg zwar nach der Lancierung im letzten Herbst zunächst um 5 Prozent, wurde dann aber von der allgemeinen Talfahrt der Börsen erfasst. Neue Erholungstendenzen zeigen sich wie im Gesamtmarkt seit Februar, wobei der Pictet-Robotics immer noch rund 2,5 Prozent weniger wert ist als beim Start vor gut einem halben Jahr.

Im cash-Video-Interview äussert sich Karen Kharmandarian zum Thema «disruptive Technologien» und sagt auch, ob und wie die Robotik bestehende, traditionelle und aktuell erfolgreiche Unternehmen unter Druck setzen kann.