AMS: Flinte nicht voreilig ins Korn werfen

Anleger sollten bei AMS die Flinte trotz Kursschwäche nicht voreilig ins Korn werfen – Und: CFO-Rücktritt kommt für Logitech zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
18.04.2013 12:30
cash Insider

AMS ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell ein Unternehmen an den Märkten in Ungnade fallen kann. Bis vor wenigen Tagen gehörten die Inhaberaktien des österreichischen Halbleiterproduzenten zu den hiesigen Börsenlieblingen. Spätestens seit gestern sind sie es allerdings nicht mehr, notieren die Papiere mittlerweile doch sogar unter den Stand von Anfang Jahr.

Auslöser der Kursschwäche war ein schwächer als befürchteter Quartalsumsatz bei Cirrus Logic. Dass letzterer mit 206,9 Millionen Dollar hinter den Konsensschätzungen von 211 Millionen Dollar zurückblieb, goutierten die erfolgsverwöhnten Aktionäre des amerikanischen Unternehmens nicht. Darüber hinaus sprach der Zulieferer von Audiokomponenten für Apple auch gleich noch eine Umsatzwarnung für das angelaufene zweite Quartal aus. Neu rechnen die Firmenverantwortlichen mit einem Umsatz von 150 bis 170 Millionen Dollar. Entsprechende Konsensschätzungen liegen allerdings bei 197 Millionen Dollar.

In der Folge wurden die Aktien von AMS gestern für die Umsatzwarnung bei Cirrus Logic in Sippenhaft genommen. Händlern zufolge wurden im Laufe des Vormittags bei Kursen unter 97 Franken einige grössere limitierte Stop Loss Aufträge losgetreten. Weitere Haussiers sahen sich zur Kapitulation gezwungen, weshalb die Papiere vorübergehend ins Bodenlose zu fallen schienen.

Heute nun belastet eine Streichung der bei Goldman Sachs weiterhin zum Kauf empfohlenen Aktien von der viel beachteten «Conviction Buy List». Neu errechnet der verantwortliche Experte ein 12-Monats-Kursziel von 140 (165) Franken.

Anders als bei anderen Zulieferern ist die Abhängigkeit von Apple bei AMS meines Erachtens überblickbar. Der Halbleiterproduzent zählt neben den Amerikanern auch andere Anbieter wie Samsung zu seinen Grosskunden. Die bei Apple vermuteten Marktanteilsverluste schlagen sich daher deutlich geringer in der eigenen Geschäftsentwicklung nieder.

Die Aktionärinnen und Aktionäre müssen sich noch bis zum kommenden Montag in Geduld üben. Dann wird das Unternehmen nämlich den jüngsten Quartalsbericht veröffentlichen. Aufgrund saisonaler Gegebenheiten ist mit einem eher mässigen Ergebnis zu rechnen. Am Ausblick für das Gesamtjahr dürften die Firmenverantwortlichen allerdings nicht rütteln. Ich rate deshalb davon ab, die Flinte voreilig ins Korn zu werfen.

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Das hatte man sich am Firmenhauptsitz von Logitech im waadtländischen Apples wohl anders vorgestellt: Mitten im Turnaround verlässt CFO Erik Bardman das Unternehmen und wechselt in derselben Funktion zum Streaming-Anbieter Roku. Dass in der heutigen Presseerklärung noch kein Nachfolger präsentiert werden konnte, lässt mich einen überraschenden wenn nicht gar überstürzten Rücktritt vermuten.

Nebst der Vorbereitung der Jahresergebnispräsentation vom Donnerstag in einer Woche müssen Verwaltungsratspräsident Guerrino De Luca und CEO Bracken Darrell nun auch noch nach einem neuen CFO suchen – als ob die beiden mit den eingeleiteten Kosteneinsparmassnahmen und den geplanten Bereichsverkäufen zur Zeit nicht schon genug am Hals hätten.

Zur Stunde liegen mir noch keine konkreten Wortmeldungen aus der Analystengemeinde vor. Auf Anfrage heisst es allerdings, dass Bardman in seiner Zeit als CFO gute Arbeit geleistet habe. Sein Rücktritt wird deshalb sehr bedauert. Ausserdem sei Logitech aufgrund der strukturell bedingten Probleme geradezu auf Kontinuität in der Geschäftsführung angewiesen.

Ähnlich sieht es wohl auch der Markt. Wiesen die Aktien von Logitech gestern im vorbörslichen Handel noch leichte Kursfortschritte auf, stehen sie seither unter Verkaufsdruck. Darf man Berichten aus dem Berufshandel Glauben schenken, dann treten hierzulande vermehrt angelsächsische Marktteilnehmer als Verkäufer in Erscheinung.

Der jüngste Wechsel in der Geschäftsleitung setzt der Investmentthese bei Logitech nur bedingt zu. Das Westschweizer Unternehmen verfügt sowohl finanziell als auch technologisch über eine solide Ausgangslage um sich aus eigener Kraft aus der Krise zu helfen.

Im Vorfeld der Jahresberichterstattung vom kommenden Donnerstag rate ich allerdings von einem Einstieg ab. Die
Gefahr ist gross, dass Logitech mit einer weiteren Ergebnisenttäuschung aufwarten wird. Die rekordhohen Baisseengagements und der nahe bei seinen Mehrjahrestiefstständen liegende Aktienkurs lassen mich allerdings vermuten, dass sich der Markt einer solchen Enttäuschung durchaus bewusst ist.