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Während die Börse in New York alle zwei Wochen Leerverkaufsstatistiken offenlegt, tappen viele Marktakteure am Schweizer Aktienmarkt im Dunkeln. Nicht, dass es solche Informationen nicht auch bei uns gäbe. Diese werden allerdings nicht etwa durch die Börsenbetreiberin SIX gesammelt, sondern durch Beratungsunternehmen in London. Und die wollen verständlicherweise Geld für ihre Arbeit - viel Geld. Leisten können sich diese Informationen nur die Banken sowie einige grosse Institutionelle.

Ab und an werden mir die Leerverkaufsstatistiken aus zweiter Hand zugespielt, wobei es mir dann jeweils eine Herzensangelegenheit ist, an dieser Stelle darüber zu berichten. Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, dass ich der Transparenz halber schon seit Jahren offizielle Erhebungen durch unsere SIX fordere.

Nicht nur die Aktionäre haben ein Recht darauf zu wissen, in welchem Umfang Wetten gegen die eigene Aktie laufen. Auch dem betroffenen Unternehmen mit allen seinen übrigen Anspruchsgruppen sollten diese Informationen nicht egal sein.

Wie sich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank von Ende August entnehmen lässt, wird der Inhaberaktie der Swatch Group die zweifelhafte Ehre der unbeliebtesten Aktie der Schweiz zuteil. Gegen den in Neuenburg beheimateten Uhrenhersteller laufen Wetten im Umfang von 18,9 Prozent aller ausstehenden Inhaberaktien. Mit anderen Worten: Gegen keine andere börsengehandelte Schweizer Firma wird derart heftig spekuliert (siehe Kolumne vom 31. August).

Gerade bei angelsächsischen Hedgefonds sind Wetten gegen das Unternehmen "en vogue". Neben drohenden Marktanteilsverlusten an die Apple Watch und andere Smart Watches wird gerne auch mit dem hohen Ergebnisbeitrag aus Hongkong und China sowie mit den schon seit Jahren aus dem Ruder laufenden Lagern argumentiert.

Prominente Unterstützung erhält die Swatch Group in diesen Tagen von der Credit Suisse. Vier Monate nachdem der für die Schweizer Grossbank tätige Experte die Aktien der Swatch Group von "Neutral" auf "Outperform" heraufgestuft hat, erhöht er das 12-Monats-Kursziel überraschend auf 480 (440) Franken.

An die ausländischen Leerverkäufer richtet er eine Warnung: Möglicherweise werde die Wachstumsverlangsamung nicht wie erwartet eintreten und auch der Margenkollaps auf sich warten lassen beziehungsweise ausbleiben. Und: Der jüngste Kurszerfall mache die Inhaberaktie der Swatch Group selbst unter vorsichtigen Annahmen zu einer attraktiven Substanzaktie.

In den letzten Jahren drohte die Familie des verstorbenen Patrons Nicolas Hayek mehr als einmal mit einem Rückzug von der Börse. Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut der Baissiers stecken, sollten die Grossaktionäre auf Worte eines Tages auch Taten folgen lassen.

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Allen Unkenrufen zum Trotz erzielte Nestlé im zweiten Quartal eine leichte Wachstumsbeschleunigung. Obschon das vom Westschweizer Nahrungsmittelhersteller angestrebte organische Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent in diesem Jahr vermutlich knapp verfehlt wird, wird kein anderer grosser Anbieter mit Nestlé schritthalten können.

Geht es nach der Nahrungsmittelanalystin von J.P. Morgan, dann befindet sich die Nahrungsmittelindustrie im Umbruch. Dem im waadtländischen Vevey beheimateten Traditionsunternehmen legt sie deshalb nahe, sich von wenig rentablen Geschäftsaktivitäten zu trennen und sich statt dessen auf die Bereiche Kaffee, Tiernahrung, Milchprodukte und Kindernahrung zu konzentrieren.

Die Expertin hat Geschäftszweige mit einem jährlichen Umsatzbeitrag von 11 Milliarden Franken ausfindig gemacht, welche Nestlé besser verkaufen würde. Bankeigenen Berechnungen zufolge liesse sich das organische Wachstum dadurch auf 5,5 Prozent beschleunigen und gleichzeitig erst noch die operative Marge um bis zu 120 Basispunkte verbessern.

Obwohl Nestlé in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht hat, darf man sich am Hauptsitz in Vevey nicht in falscher Sicherheit wiegen. Längst sind andere grosse Rivalen den Haien aus der Private Equity Industrie zum Opfer gefallen. Um demselben Schicksal entgehen zu können, kommen die Verantwortlichen vermutlich nicht um eine konsequente Optimierung des Firmenportfolios herum.

 

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