CS-Aktie eine Falle für Substanzinvestoren?

Ein bekannter Branchenkenner rät Anlegern bei den Aktien der Credit Suisse von einem Einstieg ab - harsche Kritik an LafargeHolcim - Und: UBS und CS heizen einem zurückgebliebenen Börsenneuling ein.
12.05.2016 12:30
cash Insider
CS-Aktie eine Falle für Substanzinvestoren?

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Die Aktien der Credit Suisse geraten in altes Fahrwasser. Rückblickend erweist sich das Kursfeuerwerk am Tag der Quartalsergebnispräsentation als ein reines Strohfeuer.

Öl in dieses Feuer giesst der für Morgan Stanley tätige Bankenanalyst. Was er sagt, hat an der Börse Gewicht, gilt er doch als ein profunder Branchenkenner. Obschon der Experte die Valoren der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken mit "Equal-weight" und einem Kursziel von 17 Franken einstuft, rät er Anlegern entschieden von einem Einstieg ab.

Die Bereitschaft der Firmenvertreter, sich dem Kostenproblem anzunehmen und die Strategie zu schärfen, begrüsst er zwar. Allerdings rechnet der viel beachtete Bankenanalyst mit Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Massnahmen. Ausserdem befürchtet er Marktanteilsverluste im Investment Banking sowie eine Verwässerung im Zusammenhang mit der Publikumsöffnung der Universalbank Schweiz.

In Erwartung einer Gewinnverwässerung von bis zu 20 Prozent aus dem geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz liegen die zukünftigen Gewinnschätzungen von Morgan Stanley um gut 10 Prozent unter den Prognosen anderer Banken.

Der Experte lässt denn auch keinen Zweifel daran, dass sich die optisch günstigen Aktien der Credit Suisse als eine Falle für Substanzinvestoren herausstellen könnten. Diese Warnung sollte man sich vor allem bei Harris Associates verinnerlichen, ist der amerikanische Grossaktionär doch für seine Vorliebe für Substanzaktien bekannt.

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Lange Zeit galt Holderbank als eine Perle in der Schweizer Unternehmenslandschaft. Aus Holderbank wurde Holcim und diese schloss sich dann mit dem französischen Rivalen Lafarge zu LafargeHolcim zusammen. Und auch wenn es durchaus eine strategische Logik hinter dieser Elefantenhochzeit gibt - für die Aktionäre hat sie sich bisher jedenfalls nicht ausbezahlt.

Schon seit über einem Jahr folgt beim Weltmarktführer eine Ergebnisenttäuschung auf die nächste. Der heute veröffentlichte Zahlenkranz reiht sich nahtlos darin ein, liegt er doch nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) deutlich hinter den Analystenerwartungen zurück.

Wer nun aber denkt, dass der zweifelsohne schwache Start ins neue Jahr der Zuversicht der Entscheidungsträger bei LafargeHolcim einen Dämpfer versetzt, der irrt gewaltig. Denn obschon der operative Gewinn (EBITDA) in den ersten drei Monaten um gut 20 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt, rechnen diese auf das Gesamtjahr betrachtet noch immer mit einem Wachstum.

In Analystenkreisen schwappt dem Weltmarktführer diesbezüglich allerdings eine Welle der Skepsis entgegen. Gerade der für Kepler Cheuvreux tätige Experte - er hatte die Aktien von LafargeHolcim erst gestern mit einem Kursziel von 53 Franken von "Hold" auf "Buy" heraufgestuft - kann seine Enttäuschung nicht verbergen. Mit dem optimistischen Ausblick mache sich das Unternehmen nach dem schwachen ersten Quartal selber etwas vor, so lässt er seine Kunden wissen.

Noch einen Schritt weiter geht sein Berufskollege von Bernstein Research. Er wirft den Firmenvertretern sogar "Vogel-Strauss-Politik" vor. Einfach Kopf in den Sand, und...

Fakt ist: LafargeHolcim hat die Vorschusslorbeeren längst aufgebraucht. Nun muss der grösste Zementhersteller der Welt auf Worte auch Taten folgen lassen. Das Kursdebakel von heute zeigt denn auch, dass er an der Börse in Zukunft nur noch an diesen gemessen wird.

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Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Soll will es zumindest der Volksmund. Nun treten die die Aktienanalysten von UBS und Credit Suisse allerdings den Beweis an, dass dem nicht immer so sein muss.

Mit vereinten Kräften versuchen sie seit gestern nämlich, den als zurückgeblieben geltenden Aktien der SFS Group einzuheizen.

In einem Kommentar bezeichnet der für die UBS tätige Autor die Angst vor einem Verfehlen der firmeneigenen Jahresprognosen als übertrieben. Das zur Schwäche neigende Geschäft mit Abnehmern aus der Smartphoneindustrie sei nur für 6 bis 7 Prozent des jährlichen Umsatzes verantwortlich, so schreibt er. Der Experte rechnet spätestens im Anschluss an die Halbjahresergebnispräsentation vom Juli mit einer Neubeurteilung der mit einem 12-Monats-Kursziel von 77 Franken zum Kauf empfohlenen Aktien.

Sein Berufskollege bei der Credit Suisse steht dem Analysten in Nichts nach. Obschon er seine Gewinnschätzungen für die SFS Group um durchschnittlich 4 Prozent zurücknimmt, hält er sowohl an der „Outperform“ lautenden Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 79 Franken für die Aktien fest. Seines Erachtens weisen die Valoren einen nicht gerechtfertigten Bewertungsabschlag gegenüber anderen Industriewerten aus der Schweiz auf.

Die Rechnung der beiden Grossbanken scheint jedenfalls aufzugehen: Seit gestern sind Anleger bereit, wieder 70 oder mehr Franken für den als zurückgeblieben geltenden Börsenneuling zu bezahlen.
 

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