«Die Börsenblase wird in Tränen enden»

Ein bekannter Stratege sagt, weshalb die Zentralbanken nichts aus der Finanzkrise gelernt haben und die Börsenblase in Tränen enden wird - Und: Logitech weiterhin in den Apple Stores vertreten.
14.09.2015 12:30
cash Insider
«Die Börsenblase wird in Tränen enden»

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Der für die Société Générale tätige Albert Edwards gilt in der Finanzszene als bunter Hund. Nicht nur wegen seinem ziemlich eigenwilligen Kleidungsstil, sondern auch wegen seinen nicht konsensfähigen Prognosen.

Diese haben ihm in den vergangenen Jahren den Ruf des ewigen Schwarzmalers eingebracht - einen Ruf, dem er in seinen wöchentlich erscheinenden und nur der Anlagekundschaft der französischen Grossbank zugänglichen Kommentaren jeweils alle Ehre macht.

Auch der mir zugespielte Kommentar ist mit spitzer Feder geschrieben. Im Vorfeld des Zinsentscheides der amerikanischen Notenbank von dieser Woche werde die Forderung nach einem Nullentscheid immer lauter. In den Kanon bekannter Mainstream-Kommentatoren hätten sich zuletzt auch die Weltbank sowie der Internationale Währungsfonds eingeordnet und Bedenken geäussert, so Edwards.

Obschon der Anlagestratege einräumt, dass eine Leitzinserhöhung die Deflation weiter anheize, hält er die Forderung nach einem Nullentscheid für "absoluten Schwachsinn". Seine unmissverständliche Botschaft: Je länger die Vertreter der amerikanischen Notenbank mit dem Zinsschritt zuwarten, desto grösser der Exzess an den Finanzmärkten und damit schliesslich auch die Gefahr einer weltweiten Rezession.

Niemand scheine von der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 gelernt zu haben, so Edwards. Im weiteren Kommentar lässt der Autor zwar offen, wer damit gemeint ist. Dennoch gibt es kaum Zweifel daran, dass sich dieser Vorwurf nicht zuletzt auch an die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds richtet.

Wirklich ernst nehmen wird man den Anlagestrategen bei diesen beiden Institutionen vermutlich nicht. Dass er mit seiner gewagten Prognose eines auf 450 Punkte kollabierenden S&P-500-Index weit daneben liegt, mag denn auch stimmen. Schliesslich notierte das breit gefasste amerikanische Börsenbarometer noch bis vor wenigen Wochen deutlich über 2000 Punkten.

Allerdings hat Edwards den westlichen Volkswirtschaften schon vor etlichen Jahren "japanische Verhältnisse" vorausgesagt. Diese Bezeichnung steht stellvertretend für langanhaltenden Deflationsdruck, wirtschaftliche Stagnation sowie gegen null gehende Zinsen und könnte die heutige Situation kaum passender umschreiben.

Auch was die Situation in Asien und anderen Schwellenregionen anbetrifft, darf sich der früher für die Bank of England tätige Experte selber auf die Schulter klopfen. Schliesslich warnte er schon eine ganze Weile vor strukturell bedingten Ungleichgewichten und deren Folgen für diese Länder.

Die rasche Verschlechterung der Zahlungsbilanzen und die dadurch ausgedünnten Fremdwährungsreserven haben den betroffenen Ländern in den vergangenen Monaten sichtlich zugesetzt. Darf man Edwards Glauben schenken, dann wurden in den vergangenen vier Jahren weltweit Fremdwährungsreserven im Gegenwert von mehr als zwei Billionen Dollar vernichtet - mit verheerenden Folgen für die Rohstoffmärkte.

Der Anlagestratege geht mittlerweile sogar noch einen Schritt weiter und sieht auch Ungemach auf die Aktienmärkte zukommen. Für den viel beachteten Experten steht fest: "Die Börsenblase wird platzen und in Tränen enden!"

Nicht nur in Asien werden den dort führenden Notenbanken eindrucksvoll die Grenzen der eigenen Zins- und Geldpolitik aufgezeigt. Auch in Europa ist die anfängliche Euphorie rund um die milliardenschweren Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) längst einer deutlich nüchterneren Betrachtungsweise gewichen. Mit der schon seit Monaten weltweit rückläufigen Gesamtliquidität geht den Börsen die treibende Kraft der letzten Jahre verloren. Noch scheint diese Entwicklung bei den Banken und ihren Aktienstrategen allerdings nicht angekommen zu sein.

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Apple wird schon seit Jahren ein Eintritt in den Markt für Peripheriegeräte nachgesagt. Völlig abwegig wäre das nicht, gelten die Kunden doch nicht nur als äusserst markentreu, sondern als geradezu vernarrt in die Produkte des amerikanischen Kultunternehmens. In Branchenkreisen spricht man deshalb gerne auch von "Apple-Jüngern".

Als man vergangene Woche zur jährlichen Produktpräsentation ins kalifornische Cupertino einlud, war die Nervosität bei den Drittanbietern von Peripheriegeräten verständlicherweise gross. Diese erwies sich denn als nicht ganz unbegründet, wartete der Gastgeber doch zum ersten Mal mit einer eigenen Tastaturabdeckung für den neuen iPad Pro auf.

Nahezu zeitgleich präsentierte Logitech eine eigene Tastatur. Darf man Experten Glauben schenken, dann werden die Westschweizer mit ihrem Produkt auch in den offiziellen Apple Stores vertreten sein. So weit so gut. Doch wird sich zeigen müssen, ob die Kunden sich für die teure Originaltastatur oder die günstigere Version von Logitech entscheiden.

Zumindest bei der Bank Vontobel erhofft man sich von der Erkenntnis, dass sogar Apple selber die Notwendigkeit einer Tastatur für den iPad Pro sieht einen regelrechten Verkaufsboom. Mit einem geschätzten Marktanteil von 50 Prozent in dieser Produktkategorie dürfte das Logitech noch so recht sein. Ich bleibe jedenfalls bei meiner positiven Einschätzung dieser Aktien (siehe Kolumne vom 2. September).
 

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