Die Gewinner des Freihandelsabkommen mit China

Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China hat zahlreiche Gewinner – Übernahmespekulationen bei Weatherford – Und: Wer ist der geheimnisvolle Verkäufer bei Temenos?
15.05.2013 12:30
cash Insider
Die Gewinner des Freihandelsabkommen mit China

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Nach zweieinhalb Jahren intensiver Verhandlungen ist das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China unter Dach und Fach. Die Einzelheiten werden der Öffentlichkeit anlässlich des Empfangs des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang vom Freitag in einer Woche vorgestellt.

Obschon die Ausarbeitung des Freihandelsabkommens so lange gedauert hat, gehört die Schweiz in Europa zu den ersten Ländern mit einem solchen Abkommen. Noch sind die Einzelheiten zwar nicht bekannt. Doch schon heute gelten die hiesigen Uhrenhersteller zu den Gewinnern des Freihandelsabkommens.

Einem Kommentar der Bank Sarasin entnehme ich, dass China nach Hongkong und den USA als der drittwichtigste Absatzmarkt für die Schweizer Uhrenindustrie gilt. In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Uhrenexporte in die Volksrepublik mehr als verdoppelt. Allerdings beträgt der Importzoll auf Luxusuhren derzeit 11 Prozent und die Steuer auf Luxusgüter satte 20 Prozent, so ergänzt die Bank Vontobel in einem weiteren Kommentar.

Allgemein bekannt ist, dass viele Chinesen ihre Luxusuhren im benachbarten Hongkong kaufen. Die Uhren im Preissegment über 1200 Dollar sind dort um bis 30 Prozent günstiger als in der Heimat. Während das steuerbefreite Hongkong derzeit für rund 20 Prozent der Uhrenexporte verantwortlich ist, ist es China gerademal für 6 Prozent. Dadurch schwächt sich der Effekt des Freihandelsabkommens für Anbieter wie Richemont oder Swatch Group möglicherweise etwas ab.

In den drei mir zum Thema Freihandelsabkommen vorliegenden Kommentaren werden ausschliesslich seine Auswirkungen auf die hiesige Uhrenindustrie thematisiert. In meinen Augen gibt es hierzulande allerdings noch weit mehr Gewinner wegfallender Handelsschranken. Auch Industrieunternehmen wie ABB oder Sulzer oder aber der Saatguthersteller Syngenta sollten vom Abkommen profitieren können.

Wie dem auch immer sei: Der 24. Mai hat sowieso das Zeug, zu einem geschichtsträchtigen Tag für die Schweizer Wirtschaft zu werden.

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Drei Jahre nach der Sitzverlegung in die Schweiz ist Weatherford International den hohen Erwartungen vieles schuldig geblieben. Mehrere Gewinnwarnungen in Folge sowie Probleme bei der Buchführung stellten die Geduld der Aktionäre auf eine harte Probe.

Darf man Marktspekulationen Glauben schenken, dann könnte der einstige Börsendebutant nach nur drei Jahren wieder vom Kurstableau verschwinden. Denn in Übersee heisst es, dass der deutlich grössere Mitbewerber Halliburton ein Auge auf das in der Schweiz niedergelassene Ölserviceunternehmen geworfen habe.

Einem Kommentar aus dem Hause Bernstein Research entnehme ich allerdings, dass eine solche Firmentransaktion für den Verfasser kaum Sinn ergibt. Weatherford International gerate seit der Übernahme von Lufkin Industries durch General Electric immer wieder in den Mittelpunkt solcher Marktspekulationen, so relativiert der Experte. Dazu komme, dass das Unternehmen anders als Lufkin Industries nur gerade 20 Prozent des Umsatzes in der Förderung von Erdgas erziele.

Trotz den zahlreichen Firmenzusammenschlüssen der letzten Jahre bleibt die Ölserviceindustrie stark fragmentiert, was für einen weiteren Konzentrationsprozess spricht. Aufgrund der starken Diversifikation zähle ich Weatherford International allerdings zu den unwahrscheinlicheren Übernahmekandidaten. Der einstige Börsendebutant dürfte uns deshalb wohl noch eine Weile erhalten bleiben.

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Schon seit Tagen stehen die Namenaktien von Temenos unter unerklärlichem Verkaufsdruck. Unerklärlich deshalb, weil der CEO des Erzrivalen Misys erst gerade in der britischen Tagespresse von zweistellig wachsenden Lizenzeinnahmen berichtete.

Es darf angenommen werden, dass auch beim in Genf niedergelassenen Hersteller von Bankensoftware eine Erholung der Lizenzeinnahmen eingesetzt hat.

Im hiesigen Berufshandel sorgt indes eine ausserbörsliche Blocktransaktion für Gesprächsstoff. Wie der Schweizer Börse SIX gemeldet wurde, wechselten insgesamt 1,5 Millionen Titel zu einem Durchschnittspreis von je 22,90 Franken ihren Besitzer. Die Blocktransaktion entspricht gut 2 Prozent aller ausstehenden Aktien.

Als Verkäufer dieses Aktienpakets kommen nicht viele Grossaktionäre in Frage. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob eine Offenlegungsmeldung schon in den nächsten Tagen Licht ins Dunkel bringen wird.