Diese Aktie hat zu stark gelitten

Der jüngste Kurszerfall schafft bei den Aktien eines mittelständischen Schweizer Unternehmens günstige Einstiegsgelegenheiten - Und: Nach der Credit Suisse zieht sich auch die UBS bei Meyer Burger zurück.
03.07.2014 12:30
cash Insider
Diese Aktie hat zu stark gelitten

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In eigener Sache: Ich bin vom 5. Bis 26. Juli 2014 mit meiner Familie im Urlaub. In dieser Zeit schreibe ich keine Kolumne. Die nächste Ausgabe erscheint am Montag, 28. Juli 2014 um 12:30 Uhr.

Ich wünsche Ihnen jetzt schon eine gute Sommerzeit und freundliche Finanzmärkte.

Ihr cash Insider

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Während der Schweizer Aktienmarkt von einem Rekord zum nächsten klettert, haben die Namenaktien von Kuoni schon seit Monaten einen sehr schweren Stand. Alleine seit Mitte Juni haben die Papiere mehr als 12 Prozent auf 340 Franken eingebüsst. Seit Jahresbeginn hat sich sogar ein Minus von gut 15 Prozent angesammelt.

Der Grund liegt bei den immer zahlreicher werdenden geopolitischen Brandherden. So dürften sich die Unruhen in Thailand und Ägypten in den letzten Monaten bei der Buchungstätigkeit bemerkbar gemacht haben. Dazu kommt der Vorstoss sunnitischer Kämpfer im Irak mit seinen destabilisierenden Folgen für den gesamten Nahen Osten.

Und auch das hochrentable Visageschäft wird vom Konflikt zwischen Russland und der Ukraine auf der Krim-Halbinsel in Mitleidenschaft gezogen. Einem Kommentar der Bank Vontobel entnehme ich zudem, dass sich aufgrund der angespannten geopolitischen Lage der Vertragsabschluss mit Saudi Arabien verzögert.

Die Zürcher Privatbank reduziert ihre Gewinnschätzungen um 9 bis 14 Prozent, um allen diesen Negativfaktoren Rechnung zu tragen. Das Kursziel für die mit "Hold" eingestuften Aktien fällt auf 380 (400) Franken zurück. In einer Strategiestudie legt die Citigroup heute nach und streicht die Papiere von der Liste der Schlüsselkaufempfehlungen im Bereich europäischer Nebenwerte. Das Anlageurteil lautet allerdings weiterhin "Buy" und vom Kursziel von 510 Franken lässt sich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent ableiten.

So weit will ich nicht gehen. Aber auf kurze Sicht scheint mir zumindest eine Erholung in die Region von 380 bis 390 Franken möglich. Dabei dürfte schon heute klar sein, dass der Zahlenkranz für die ersten sechs Monate durchzogen ausfallen wird. Genaueres wissen wir erst nach der Ergebnisveröffentlichung vom 21. August.

In einem mir zugespielten Kommentar bricht J. Safra Sarasin eine Lanze für die Aktien von Kuoni. Immerhin habe der Reiseanbieter für das vergangene Jahr einen überzeugenden Zahlenkranz vorgelegt. Dies insbesondere in Bezug auf die Barmittelgenerierung. Der mittelfristige Ausblick gestalte sich unverändert attraktiv, so der verantwortliche Experte. Er rechnet über die kommenden drei Jahre mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent, einer Erholung der EBIT-Marge auf über 2,5 Prozent und einer Rendite auf dem durchschnittlich investierten Kapital von mindestens 12 Prozent. Vor dem Hintergrund des mittlerweile bei rund 10 Prozent liegenden Bewertungsabschlags gegenüber vergleichbaren Mitbewerbern werden die Aktien weiterhin zum Kauf empfohlen.

Mich überzeugt vor allem das von einer nur geringen Kapitalbindung geprägte Geschäftsmodell. Sobald sich die geopolitischen Spannungen etwas gelegt haben, dürfte sich der Markt wieder darauf und auf die überdurchschnittlich guten Dividendenaussichten zurückbesinnen. Den jüngsten Kurszerfall erachte ich jedenfalls als klare Übertreibung.

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Es ist keine 24 Stunden her, dass die Credit Suisse den Namenaktien von Meyer Burger mit einer Rückstufung von "Outperform" auf "Neutral" die Liebe kündigte. Nach einer Abwärtsrevision der EBITDA-Schätzungen um durchschnittlich 10 Prozent lautet das Kursziel noch gerademal 14 (16) Franken.

Der für die Schweizer Grossbank tätige und viel beachtete Experte befürchtet, dass sich die Produktionskapazitäten bei Schlüsselkunden des im bernischen Gwatt beheimateten Solarzulieferunternehmens mit geringem finanziellen Aufwand substanziell erhöhen lassen. Dadurch steige das Risiko, dass sich die Nachfragebelebung weiter verzögere.

Deutlich zuversichtlicher gibt man sich bei der UBS Investmentbank. Erst kürzlich feierte der dortige Berufskollege Meyer Burger in einer Sektorenstudie als einer der Gewinner der in Reichweite liegenden Netzparität. Er sieht die Aktien deshalb auf einen Anlagehorizont von 12 Monaten auf 18 Franken klettern und empfiehlt sie wie bis anhin zum Kauf.

Allerdings wirft eine vom Unternehmen an die Schweizer Börse SIX gemachte Offenlegungsmeldung Fragen auf. Der Meldung zufolge hat die UBS ihre Beteiligung auf unter 3 Prozent reduziert. Zeitweise hielt die Schweizer Grossbank Erwerbspositionen im Umfang von 8,27 Prozent, 5,07 Prozent in Form von Namenaktien. Im Berufshandel behaupten böse Zungen nun, dass diese Beteiligungsveränderung im Widerspruch zur unermüdlich wiederholten Kaufempfehlung stehe.

Neben der bekanntgewordenen Beteiligungsreduktion erweisen sich heute auch Berichte aus dem asiatischen Raum als belastend. Den Berichten zufolge stehen die Preise für Solarzellen und –module unter so starkem Druck wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auslöser seien einschneidende Preisnachlässe seitens taiwanesischer Anbieter.