Erbitterter Kampf um die Meyer-Burger-Aktie

Der cash Insider über den erbitterten Kampf zwischen Haussiers und Baissiers um die Aktien von Meyer Burger - Und: Im Heimatland des neuen Orange-Besitzers macht man sich Sorgen um Swisscom.
23.12.2014 12:30
cash Insider
Erbitterter Kampf um die Meyer-Burger-Aktie

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Die nächste Kolumne erscheint am Montag, 29. Dezember 2014, um 12:30 Uhr. Wie gewohnt wage ich dann einen Blick aufs kommende Börsenjahr und kommuniziere meine Schweizer Aktienfavoriten.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern frohe und besinnliche Weihnachtstage, auch wenn bei uns im Flachland auf das Fest hin vermutlich auch in diesem Jahr kein Schnee fällt.

Der cash Insider

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Schon seit Tagen liefern sich Haussiers und Baissiers in den Namenaktien von Meyer Burger einen erbitterten Schlagabtausch. Öl ins Feuer giessen ausgerechnet die beiden Schweizer Grossbanken.

Erst vor wenigen Tagen schlug sich der für die Credit Suisse tätige Experte ins Lager der Baissiers. In einer Unternehmensstudie stufte er die Papiere des im bernischen Gwatt beheimateten Solarzulieferers von "Neutral" auf "Underperform" zurück und strich das 12-Monats-Kursziel auf 5 (9,50) Franken zusammen.

Die anhaltend hohe Barmittelverbrennung von monatlich 8 bis 10 Millionen Franken sei beängstigend, so der Experte. Sollten grössere Neuaufträge ausbleiben, werde das Unternehmen die ausstehende Anleihe wohl nicht aus eigener Kraft zurückzahlen können. Und selbst wenn, nehme der aktuelle Unternehmenswert eine Verbesserung der Auftragslage weitestgehend vorweg.

Dem widerspricht der für die UBS tätige Berufskollege jedoch vehement. Ab einem Jahresumsatz von 510 Millionen Franken und einem ebenso hohen Auftragsbestand werde Meyer Burger wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Experte geht davon aus, dass weitere Neuaufträge die Sorgen rund um die finanzielle Situation dämpfen sollten. Er empfiehlt die Aktien deshalb weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 11,50 Franken zum Kauf.

Die Bedenken der Credit Suisse liessen die Aktien von Meyer Burger vergangene Woche vorübergehend um über 30 Prozent auf 4,50 Franken kollabieren. Prompt meldete sich das Unternehmen selber zu Wort und stellte die Notwendigkeit einer weiteren Kapitalerhöhung in Abrede. Darüber hinaus kündigte es neue Aufträge im Umfang von 12 bis 15 Millionen an.

Begleitet vom verteidigenden Kommentar aus dem Hause UBS konnten die Papiere die Kursscharte in der Folge wieder wettmachen. Händler berichteten mir von panikartigen Deckungskäufen, was in Anbetracht der bei knapp 27 Prozent aller ausstehenden Aktien liegenden Baisseengagements nicht sonderlich überrascht.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass man sich bei Meyer Burger zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung gezwungen sah. Anders als damals haben die Aktionäre heuer wohl keine unliebsame Bescherung vor Weihnachten zu befürchten. Unverfänglich wird ihnen seitens des Unternehmens sowohl beim Auftragseingang als auch beim Umsatz "eine klare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr" in Aussicht gestellt.

Saisonale Verhaltensmuster lassen bis weit ins kommende Frühjahr hinein eine Fortsetzung der jüngsten Kursavancen vermuten. Für gewöhnlich bieten sich die Aktien von Meyer Burger kurzfristig orientierten Anlegern geradezu an. Der Wortlaut der Pressemitteilung, mit der die neuen Aufträge aus dem asiatischen Raum angekündigt wurden, irritiert mich allerdings. Für meinen Geschmack enthält die Mitteilung etwas gar viel "könnte und hätte" und auch das Auftragsvolumen reisst mich nicht gerade vom Hocker. Es bleibt mir deshalb wohl nichts anderes übrig, als meinem Ruf als notorischer Skeptiker einmal mehr alle Ehre zu machen.

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Der Schweizer Mobilfunkmarkt gilt als einer der lukrativsten überhaupt. Die Marktführerin Swisscom und die beiden Rivalen Sunrise und Orange lassen zwar gerne mal ihre Muskeln spielen. Dennoch gelten die hiesigen Mobilfunktarife als die höchsten weltweit. Selbst der Markteintritt von upc cablecom hat daran bis heute nichts geändert.

Der Einstieg von Xavier Niel bei Orange Schweiz könnte diese Idylle nun allerdings brechen. Denn mit seinem Telekommunikationskonzern Illiad rollte der milliardenschwere Unternehmer den französischen Mobilfunkmarkt innerhalb von gerademal zwei Jahren mit einer aggressiven Preispolitik von hinten auf. Es darf vermutet werden, dass Niel in der Schweiz ähnlich vorgehen wird.

In hiesigen Analystenkreisen gibt man sich überraschend entspannt und feiert den jüngsten Kursrückschlag bei Swisscom als günstige Einstiegsgelegenheit. Nicht so die französischen Berufskollegen, welche reihenweise Konsequenzen aus dem Besitzerwechsel bei Orange Schweiz gezogen haben.

Nach Société Générale und Natixis sieht sich nun auch BNP Paribas zu einer Rückstufung der Aktien des einstigen Monopolunternehmens von "Outperform" auf "Neutral" gezwungen. Neu beziffert der verantwortliche Experte das Kursziel auf 565 (610) Franken.

Vor Niel hätten schon andere Anbieter versucht, mehr Wettbewerb in den Schweizer Mobilfunkmarkt zu bringen, so heisst es bei der französischen Grossbank. Bislang sei der Erfolg zwar ausgeblieben. Alleine schon der Besitzerwechsel bei Orange Schweiz werde Anleger jedoch von den Papieren von Swisscom abhalten.

Dass in den vergangenen Tagen gleich drei französische Banken beim Schweizer Marktführer die Reissleine gezogen haben, spricht Bände und hat durchaus Signalwirkung. Die harsche Abmahnung der Aktien von vergangener Woche zeigt aber auch die hohe Erwartungshaltung der Anleger an die Adresse von Unternehmen wie Swisscom.