Gründe für den Kollaps der Logitech-Aktien

Der cash Insider auf der Suche nach den Gründen für den gestrigen Rückschlag bei den Aktien von Logitech - Und: Barclays sieht bei der UBS Raum für steigende Dividendenerwartungen.
25.04.2014 12:30
cash Insider
Gründe für den Kollaps der Logitech-Aktien

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Logitech legte gestern einen Zahlenkranz vor, der sich sehen lassen kann. Der im waadtländischen Lausanne beheimatete Hersteller von Peripheriegeräten übertraf im Schlussquartal des Fiskaljahres 2013/14 die Erwartungen einmal mehr sehr deutlich.

Über weite Strecken waren die Namenaktien denn auch gesucht, bevor sie im Laufe des späteren Nachmittags aufgrund von Abgaben aus dem angelsächsischen Raum unter starken Verkaufsdruck gerieten. Bei Handelsende resultierte letztendlich ein Minus von 7,6 Prozent.

Wer auf eine rasche Erholung gehofft oder gewettet hat, wird heute nun enttäuscht. Händlern zufolge halten sich die Papiere dank Deckungskäufen zwar leicht im Plus. Für mehr reicht es aber nicht.

Die Gründe für den gestrigen Rückschlag liegen alles andere als auf der Hand. Im Kontakt mit Händlern und Analysten habe ich heute morgen daher versucht, diesen auf die Spur zu kommen.

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich grosse angelsächsische Marktteilnehmer im Vorfeld auf eine weitere Erhöhung der firmeneigenen Zielsetzungen für das Fiskaljahr 2014/15 eingestellt hatten. Auf eine solche warteten sie gestern allerdings vergeblich. Nur einen Monat nach der letztmaligen Anhebung der Ziele anlässlich des diesjährigen Investorentages überrascht zumindest mich die Zurückhaltung nicht.

Wie mir berichtet wird, hielt gerade Morgan Stanley die eigene Anlagekundschaft in den Tagen vor der Ergebnispräsentation an, bei den Aktien von Logitech auf steigende Kurse zu setzen. Vermutlich leisteten prominente amerikanische Hedgefonds dieser Empfehlung Folge.

Eine weitere mögliche Erklärung liefert der für die Zürcher Kantonalbank tätige Experte. Einem im Anschluss an die Analystenkonferenz verfassten Kommentar entnehme ich, dass Logitech im wichtigen Geschäft mit Peripheriegeräten für Tablet-PCs im zurückliegenden Quartal einen Umsatzeinbruch von 26 Prozent hinnehmen musste. Das Unternehmen sei im Hinblick auf die Lancierung neuer Produkte bemüht gewesen, die alten Produkte mit starken Preispromotionen aus den Verkaufsregalen zu bringen, um für die neuen Platz zu machen. Der Experte erachtet den Umsatzeinbruch in diesem Geschäftsbereich deshalb als ein vorübergehendes Phänomen.

Auch den Einbruch der iPad-Verkäufe bei Apple spielt er im Kommentar herunter. Die im Jahresvergleich um 16 Prozent rückläufigen Stückzahlen stünden im Zusammenhang mit lösbaren Lieferkettenproblemen der Amerikaner. An eine generelle Nachfrageschwäche glaubt der Experte genausowenig wie an einen direkten Zusammenhang mit den Beobachtungen bei Logitech, da die Westschweizer die Stückzahlen im vergangenen Quartal um 73 Prozent gesteigert hätten.

Die Aktien von Logitech werden bei der Zürcher Kantonalbank weiterhin mit «Übergewichten» empfohlen und die jüngste Kursschwäche als Kaufgelegenheit betrachtet.

Ich muss CEO Bracken Darrell und seinen Geschäftsleitungskollegen an dieser Stelle ein Kränzchen winden: Der im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Turnaround sucht zweifelsohne seinesgleichen. Das Erreichte in die Zukunft zu extrapolieren, wäre allerdings genauso falsch wie fahrlässig. Nach der seit dem letzten Sommer beobachteten Neubeurteilung und -bewertung beginnt aus Sicht der Logitech-Aktionäre nun der schwierigere Teil. Das ist gestern Nachmittag vermutlich auch jenen aus dem angelsächsischen Raum bewusst geworden.

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Erst gestern brach Barclays Capital in einer Sektorenstudie eine Lanze für die UBS. Die Studienverfasser zählen die mit «Overweight» und einem Kursziel von 22 Franken empfohlenen Namenaktien der Schweizer Grossbank zu den Favoriten für das laufende zweite Quartal.

Heute nun legen die Experten mit einer geradezu euphorischen Unternehmensstudie nach. Endlich könne die UBS erste Früchte der Restrukturierung ernten, so heisst es in der Studie. Dieser Umstand spiegle sich allerdings bereits in der Kursentwicklung wider, weshalb sich das Unternehmen vermehrt der Eigenkapitalbindung im Corporate Center sowie dem Abbau regulatorischer Abzüge annehme. Dadurch werde weiteres Eigenkapital freigesetzt, was Raum für positive Überraschungen schaffe.

Mindestanforderungen von 5 bis 6 Prozent beim Leverage Ratio seien für die UBS ohne Probleme umsetzbar. Selbst dann bestehe bei den über die kommenden zwei Jahre erwarteten Dividenden noch Aufwärtspotenzial, so sind sich die Experten sicher. Die bankeigenen Schätzungen liegen bei einer Dividende von 1 Franken je Aktie im kommenden und von 1,09 Franken im darauffolgenden Jahr.

Ich gehe mit Barclays Capital einig, dass die Schweizer Grossbank über weiteren Spielraum für Anpassungen verfügt. Gleichzeitig sollten die in der jüngeren Vergangenheit kostspieligen Rechtsstreitigkeiten weniger werden. Auch das spricht auf Zeit für höhere Dividenden.

Einziges Fragezeichen setze ich bei der zukünftigen Entwicklung des Kerngeschäfts. Denn vermutlich handelt es sich beim Druck auf die Bruttomarge im Wealth Management nicht um ein vorübergehendes, sondern um ein strukturell bedingtes Phänomen. Dieses betrifft aber nicht nur die UBS, sondern auch alle anderen Schweizer Banken.