Roche, Lonza und Co. - In diese «Gipfelstürmer» fliesst viel ausländisches Geld

Es drängt weiterhin viel ausländisches Geld an den Schweizer Aktienmarkt. Davon profitieren allerdings nur einige wenige Titel. Und: Mit Ralph Hamers wechselt ein Notenbank-Kritiker an die Spitze der UBS.
20.02.2020 12:30
cash Insider
In diese «Gipfelstürmer» fliesst viel ausländisches Geld
Bild: fotolia.com

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La hausse amène la hausse - nichts beschreibt das Geschehen am Schweizer Aktienmarkt in diesen Tagen besser als diese französische Börsenweisheit: Steigende Kurse führen zu weiter steigenden Kursen. Die Aufwärtsbewegung ist selbst im elften Jahr nicht totzukriegen. Ein Indexrekord jagt hierzulande den nächsten.

Mit Ausnahme der Aktionäre von Lonza, Givaudan, Roche oder Novartis dürfte sich die Freude über die Indexrekorde bei vielen Anlegern vermutlich aber in Grenzen halten. Es drängt zwar noch immer viel ausländisches Geld an den hiesigen Aktienmarkt. Allerdings verteilt es sich auf einige wenige Titel. Angesagt sind vor allem solche von Unternehmen mit einem weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängigen Tagesgeschäft - wie eben jene der vier genannten Grosskonzerne aus dem Swiss Market Index (SMI). Wenig überraschend sind diese weit oben auf der diesjährigen Gewinnerliste anzutreffen.

Seit Wochen kennen die Valoren von Roche (rot), Lonza (grün) und Givaudan (gelb) kein Halten (Quelle: www.cash.ch)

Ähnliche Beobachtungen lassen sich an der amerikanischen Leitbörse machen. In New York gilt das Interesse hingegen den Aktien übermächtiger Technologiegiganten wie Facebook, Apple oder Alphabet. Diese Unternehmen führen alleine schon aufgrund ihrer schieren Grösse ein Eigenleben fernab der konjunkturellen Entwicklung. Seit Tagen sind alleine die Valoren von Tesla und Apple beim beliebten Nasdaq 100 Index für rund 60 Prozent des Tagesumsatzes verantwortlich. Diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...


Nicht nur die Börsenentwicklung, auch das Gewinnwachstum wird in New York von nur fünf Aktien bestimmt (Quelle: Goldman Sachs, FactSet)

Unnötig zu sagen, dass auch hierzulande diese geballte Kapitalkonzentration in ein paar wenigen Aktien nicht ungefährlich ist. Gerade angloamerikanische Grossinvestoren sind berüchtigt, mit ihren Milliarden von Dollars weiterzuziehen, sollten sich irgendwo lukrativere Anlagemöglichkeiten eröffnen. Womöglich reicht schon eine Beruhigung der Situation in China und den umliegenden Ländern aus, und das ausländische Geld zieht weiter. Après-moi le déluge.

Es wäre nun falsch, deswegen gleich in Panik zu verfallen. Für gewöhnlich halten sich solche Börsentrends nämlich stets länger als gedacht. Dennoch gilt es die weitere Entwicklung gut im Auge zu behalten - kehrt irgendwann doch selbst dieser Trend. Die erratischen Kursausschläge der letzten Wochen legen die Vermutung nahe, dass gerade die amerikanischen Wachstumsaktien ziemlich ausgereizt sind.

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Über Monate hinweg wurde in den hiesigen Medien darüber spekuliert, wer denn nun die Nachfolge Sergio Ermotti antritt. Seit dem gestrigen Mittwochabend steht nun fest: Mit Ralph Hamers wird ein Nachfolger von ausserhalb der UBS den langjährigen Firmenchef beerben.

Der Holländer hat sich bei seinem bisherigen Arbeitgeber ING nicht nur als erfahrener Turnaround-Manager, sondern auch als Pionier in Sachen Digitalisierung einen Namen gemacht.

Ich begrüsse die Verpflichtung Hamers allerdings noch aus einem ganz anderen Grund: Er übte öffentlich mehrfach harsche Kritik an der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer "Politik des billigen Geldes".

Nun frage ich mich, ob nach seinem Wechsel an die Spitze der UBS nicht auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) irgendwann ihr Fett wegkriegt. Schliesslich sind die Folgen der Negativzinspolitik hierzulande noch viel einschneidender als in den umliegenden europäischen Ländern.

Selbst auf die Gefahr hin, dass ich zu viel in die Wahl Hamers als Nachfolger Ermottis hineininterpretiere, könnte die personelle Rochade an der Spitze der grössten Schweizer Bank die Hemmschwelle für die SNB weiter erhöhen, wieder gegen den erstarkten Franken zu intervenieren - vom Druck aus der hiesigen Politik und dem wachsamen Auge Washingtons gar nicht erst zu sprechen.

 

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