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Etwas mehr als eine Woche ist es her, dass sich Tetra Pak bei im Rahmen eines beschleunigten Buchbildungsverfahrens von 600'000 Aktien des Börsenüberfliegers Comet trennte. Der Weltmarktführer unter den Verpackungsmaschinenherstellern und der Halbleiterzulieferer aus Flamatt arbeiteten in der Vergangenheit gemeinsam am ebeam-Projekt. Da sich dieses mittlerweile ganz in der Hand von Tetra Pak befindet, gab es aus Sicht des übermächtigen Verpackungsmaschinenherstellers wohl keine Anknüpfungspunkte zwischen den beiden Unternehmen mehr.

Tetra Pak ist allerdings nicht der einzige bedeutende Aktionär eines in der Schweiz kotierten Unternehmens, den die optisch hohen Kurse dazu verleitet, Kasse zu machen. Gestern Mittwoch trennte sich auch beim Pharmalogistiker Galenica ein nicht namentlich bekannter Grossaktionär von 1,5 Millionen Aktien und löste damit fast 60 Millionen Franken.

Am letzten Freitag berichtete ich zudem von Titelverkäufen aus dem Verwaltungsrat von Straumann. Zuvor hatte ein Verwaltungsrat des Dentalimplantateherstellers – ich tippte damals auf den Ankeraktionär Thomas Straumann – in drei kurz aufeinanderfolgenden Schritten Aktien im Gegenwert von 56 Millionen Franken auf den Markt geworfen. Ich zeigte mich damals überrascht, wie gut diese Verkäufe absorbiert werden konnten. Mittlerweile sind es sogar vier Transaktionen im Gesamtwert von fast 75 Millionen Franken.

Mit anderen Worten: Während Straumann-Chef Guillaume Daniellot und sein IR-Verantwortlicher Marcel Kellerhals vor Investoren Optimismus versprühen, macht der eigene Ankeraktionär Kasse. Davon kann man nun halten, was man will. An der Zuversicht der Analysten ändert sich jedenfalls nichts, wie sich an der Erhöhung des Kursziels auf 1275 (zuvor 1245) Franken durch Christoph Gretler von der Credit Suisse für die mit "Outperform" angepriesenen Aktien des Weltmarktführers aus Basel zeigt.

Apropos Credit Suisse: Eine neue Woche, eine neue Hiobsbotschaft für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre: Diesmal drohen der Grossbank Verluste aus dem Untergang des Investmentvehikels Archegos Capital Management, die die möglichen Forderungen aus der Greensill-Affäre wie einen Almosen aussehen lassen könnten.

Mittlerweile ist von Verlusten von bis zu 7 Milliarden Dollar die Rede, die auf die Credit Suisse zukommen könnten – was in etwa dem für dieses und nächstes Jahr erwarteten Vorsteuergewinn entsprechen würde.

Interessant ist, dass die angeblichen Indiskretionen fast allesamt über angelsächsische Wirtschaftsmedien bis zu uns durchdringen. Selbst der amerikanische Fernsehsender Fox News mischt kräftig mit und verbreitet Schreckensmeldungen am Laufmeter. Da fragt sich doch: Alles bloss Zufall, oder wird die Credit Suisse etwa ganz bewusst diskreditiert?

Die Aktien der Credit Suisse stürzten diese Woche regelrecht ab (Quelle: www.cash.ch)

Ich bin jedenfalls jetzt schon neugierig auf kommende Woche, wenn sich der viele Staub peu-à-peu legt und das wahre Ausmass des Debakels ans Tageslicht kommt.

Sollten sich die herumgereichten Spekulationen tatsächlich als wahr erweisen, müsste das eigentlich personelle Konsequenzen beim "ewigen Sorgenkind" haben. Mit einem Teilverzicht der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats aufs Salär alleine wäre es dann jedenfalls nicht getan.

Überraschendes weiss Analyst Amit Goel von der britischen Barclays zu berichten. Wie er schreibt, hat die Credit Suisse auch nach dem letzten Montag noch während drei Tagen eigene Aktien zurückgekauft. Und zwar so umfangreich wie noch nie in diesem Jahr. Goel ist überzeugt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) oder die Finma bestimmt eingeschritten wären, hätte das die Nachrichtenlage erforderlich gemacht. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Barclays-Analyst die Papiere der Grossbank erst im Februar mit einem Kursziel von 14 (zuvor 12,50) Franken von "Equal-weight" auf "Overweight" heraufgestuft hat.

In einer über 200 Seiten starken Studie zur europäischen Versicherungsindustrie kündigt die UBS den Aktien von Swiss Re die Liebe. Mehr noch: Die Autoren um Analyst Will Hardcastle watschen die Papiere mit einem 12-Monats-Kursziel von 81 (zuvor 93) Franken von "Buy" auf "Sell" ab.

Da drängt sich mir doch die Frage auf, weshalb die Grossbank keine drei Wochen bevor die grosszügige Dividende zur Auszahlung kommt eine derart drastische Kehrtwende vollzieht. Obwohl ihre Bedenken eher längerfristiger Natur sind, setzt die UBS vor allem bei ihren diesjährigen Gewinnschätzungen den Rotstift an und kürzt ihre Annahmen mal eben schnell um 29 Prozent.

Wohlwollende Worte finden die Studienautoren übrigens für die mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 450 (zuvor 400) Franken empfohlenen Aktien von Zurich Insurance, was mich ganz besonders freut. Denn die Versicherungsgruppe ist fester Bestandteil meiner Schweizer Aktienfavoriten für 2021.

Neue Zusammensetzung des cash Insider Aktienfavoriten Portfolios per 31. März:

Taktische Liquidität  5,0 Prozent
  
LafargeHolcim N15,0 Prozent
Nestlé N15,0 Prozent
Zurich Insurance N10,0 Prozent
Stadler Rail N10,0 Prozent
Oerlikon N10,0 Prozent
Lonza N  7,5 Prozent
Landis+Gyr N  7,5 Prozent
Credit Suisse N  7,5 Prozent
Helvetia N  7,5 Prozent
Meyer Burger N  5,0 Prozent


Nachdem der amerikanische Rivale Chubb beim Versuch Hartford Financial zu übernehmen entnervt das Handtuch geworfen hat, müssen neben Allianz auch die Schweizer als finanzkräftige Interessenten herhalten. Zurich-Chef Mario Greco bleibt ein kühler Rechner und dürfte nur dann zuschlagen, wenn sich mit einem solchen Milliarden-Deal auch wirklich Aktionärswerte schaffen lassen.

Die nächste Kolumne erscheint feiertagsbedingt erst wieder am nächsten Dienstag. In diesem Sinne: Frohe Ostertage und bis nächsten Dienstag.

 

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