Schweizer Aktienmarkt - Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Der Manipulationsskandal bei Novartis, die brodelnde Gerüchteküche bei AMS und die Gewinnüberraschung bei Zurich Insurance: Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Börsenereignisse der Woche.
09.08.2019 12:30
cash Insider
Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Für einen ausgewachsenen Skandal sorgte diese Woche Novartis. Die mächtige amerikanische Gesundheitsbehörde FDA wirft dem Pharmahersteller vor, ihr vor der Zulassung der Gentherapie Zolgensma die Manipulation von Studiendaten verschwiegen zu haben. Bekanntheit erlangte die im Zuge der milliardenschweren Übernahme von Avexis erworbene Gentherapie aufgrund ihres hohen Preises. Mit umgerechnet gut 2 Millionen Franken gilt Zolgensma als die teuerste Therapie der Welt.

Angeblich war am Hauptsitz in Basel schon vor der Marktzulassung vom 24. Mai dieses Jahres bekannt, dass Daten manipuliert worden sein könnten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA setzte man allerdings erst am 28. Juni davon in Kenntnis.

Obwohl sich Firmenchef Vas Narasimhan am Mittwochnachmittag sichtlich in Schadensbegrenzung übte und hiesige Analysten die Vorwürfe als "Sturm im Wasserglas" herunterspielten, begegneten amerikanische Grossinvestoren den Neuigkeiten mit Titelverkäufen - was den Swiss Market Index (SMI) zwischenzeitlich mehr als 60 Punkte kostete.

Nur einem beherzten Eingreifen seitens von Novartis auf der zweiten Handelslinie war es zu verdanken, dass die Aktien kurz vor Börsenschluss wieder etwas Boden gutmachen und tags darauf zu einer kräftigen Gegenbewegung ansetzen konnten.

In den letzten Tagen fielen die Aktien von Novartis durch ein wildes Auf und Ab auf. (Quelle: cash.ch)

Doch selbst wenn die Basler mit einem blauen Auge davonkommen sollten, dürfte die amerikanische Gesundheitsbehörde ihnen ab jetzt wohl etwas genauer auf die Finger schauen. Bleibt zu hoffen, dass sich das beim Zulassungsprozess für zukünftige Verkaufsschlager nicht rächt.

Ins Zentrum von Spekulationen rückten vor dem Wochenende die Aktien des Sensorenherstellers AMS, losgetreten durch Aussagen des Klebstoffspezialisten Dr. Hönle. Dem in einem Vorort von München niedergelassenen Unternehmen - angeblich ein Zulieferer von AMS und anderen Komponentenherstellern des amerikanischen Kultunternehmens Apple - zufolge ruft ein Grosskunde aus der Sensorik aufgrund einer Änderung der Lieferantenstrategie bei einem Endkunden geringere Klebstoffbestellungen ab.

Geht es nach dem Analysten Stephane Houri bei der französischen Investmentbank Oddo könnte es sich beim besagten "Endkunden" um Apple und beim "Grosskunden" um AMS handeln. Obwohl der Analyst seiner Sache nicht sicher ist, kündete er den Papieren von AMS zu Wochenbeginn die Liebe und stufte sie von "Buy" auf "Neutral" herunter. Auch das weiterhin bei 54 Franken liegende Kursziel lässt nur auf wenig Überzeugung seitens des Analysten schliessen.

So katastrophal wegbrechende Apple-Umsätze bei AMS auch wären, so entspannt reagiert die Börse. Einen deutlicheren Kursrutsch wissen ausländische Leerverkäufer zu verhindern. Mit aggressiven Deckungskäufen schliessen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Wetten gegen den Sensorenhersteller aus Unterpremstätten. Auf Basis von Statistiken der Beratungsfirma IHS Markit wurde zuletzt noch mit jeder zehnten ausstehenden Aktie auf rückläufige Kurse spekuliert.

Ein Ass im Ärmel bleibt den Leerverkäufern allerdings noch: Wie Kepler Cheuvreux am gestrigen Donnerstag schrieb, ist AMS auch weiterhin an einer Übernahme von Osram Licht interessiert. Wenn sich der Sensorenhersteller da mal bloss nicht finanziell übernimmt...

Für die "Überraschung der Woche" sorgte die Zurich Insurance Group - und zwar in Form eines weit über den Analystenschätzungen liegenden Halbjahresgewinns. Auf Stufe des operativen Gewinns verdiente der traditionsreiche Versicherungskonzern satte 17 Prozent mehr als in der ersten Hälfte des letzten Jahres. Währungsbereinigt wären es gar 20 Prozent gewesen. "Harte Arbeit zahlt sich eben aus", titelte Goldman Sachs in einer ersten Stellungnahme. Und mit Jefferies wähnte eine weitere amerikanische Investmentbank den Firmenchef Mario Greco und seine Belegschaft in "der besten aller Welten".

Für enttäuschte Gesichter sorgte in Analystenkreisen einzig die erneut rückläufige Z-ECM-Quote. Von ihr lässt sich das Überschusskapital ableiten und damit in etwa abschätzen, wie die zukünftige Dividendenpolitik aussehen könnte.

Anschlusskäufe erfassen die dividendenstarken Aktien der Zurich Insurance Group. (Quelle: cash.ch)

Verantwortlich für die unerwartet stark rückläufige Z-ECM-Quote war übrigens der Zinsrutsch der letzten Wochen. Das bringt uns zur Zahl der Woche. Sie hat nicht weniger als 13 Nullen und lautet 13'200'000'000'000. Diese astronomische Zahl steht für den Nominalwert aller Anleihen weltweit mit einer negativen Rendite auf Verfall. Berechnungen der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan zufolge sind das fast 14 Prozent mehr als noch vor vier Wochen.

Vielleicht treibt das wahnwitzige geldpolitische Experiment der führenden Zentralbanken schon in den kommenden Tagen wieder neue, noch merkwürdigere Blüten. Falls ja, dann lesen Sie am kommenden Freitag an dieser Stelle bestimmt mehr dazu.
 

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