Schweizer Aktienmarkt - Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Ob das Comeback einer beliebten «Zocker-Aktie» oder der Eklat bei Sunrise: Der cash Insider kommentiert die wichtigsten Ereignisse der Woche. Und er sagt, weshalb EZB-Chef Draghi eine Kiste Wein verdient.
23.08.2019 12:30
cash Insider
Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf
Bild: fotolia.com

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Während sich die hiesigen Aktienindizes in den letzten Tagen kaum bewegten, waren bei den Aktien kleinerer und mittelgrosser Unternehmen gute Nerven gefragt - sorgte die Quartalsberichterstattung doch für allerlei Kurskapriolen.

Ein überraschendes Comeback feierten in diesem Zusammenhang die bei Zockern noch immer sehr beliebten Aktien von Evolva. Der Hersteller von Nahrungsmittelzusatzstoffen wartete mit einem soliden Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte sowie ermutigenden Aussagen für die zweite Jahreshälfte auf. Dass die Barmittel munter vor sich hinschmelzen, schien die Anleger nicht weiter zu beunruhigen.

Totgesagte leben länger: Die Evolva-Aktien feierten in den letzten Tagen ein Comeback. (Quelle: cash.ch)

Und so legten die Papiere innerhalb von gerade mal zwei Handelstagen um gut 50 Prozent zu. Genauso wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, wird aus Evolva nicht über Nacht ein erfolgreiches Vorzeigeunternehmen. Bleibt den leidgeplagten Aktionären wenigstens zu wünschen, dass sich das kursseitige Aufbäumen nicht als blosses Strohfeuer erweist.

Auf der anderen Seite des Börsenspektrums standen die Aktien von Hochdorf. Der Milchverarbeiter rutschte im ersten Halbjahr in die tiefroten Zahlen. Bei einem Umsatz von 243 Millionen Franken einen Verlust von fast 64 Millionen Franken einzufahren, das muss man erst einmal schaffen. Erhebliche Debitorenrückstellungen und Wertberichtigungen bei der vor drei Jahren teuer erkauften Tochter Pharmalys hinterliessen beim Mutterhaus tiefe Spuren. Sogar Hochdorf selbst sprach von einer "ernstzunehmenden Krise". An der Börse folgte die Quittung auf dem Fuss: Die Aktien des Milchverarbeiters gingen alleine am Tag der Ergebnisveröffentlichung um fast 28 Prozent tiefer aus dem Handel.

Für einen Eklat sorgte Sunrise Communications, als die Nummer zwei im Mobilfunkmarkt Schweiz am frühen Donnerstagmorgen nicht nur eine, sondern gleich zwei Medienmitteilungen verschickte. Der ersten Mitteilung liess sich der Zahlenkranz für das zurückliegende zweite Quartal entnehmen, in der zweiten Mitteilung verschaffte der Verwaltungsrat seinem Ärger über den Ankeraktionär Freenet Luft. Letzterer stemmt sich nämlich weiterhin mit aller Vehemenz gegen die milliardenschwere Übernahme von UPC Schweiz - oder vielmehr gegen die damit verbundene Kapitalerhöhung.

Dabei geizte der Verwaltungsrat nicht mit Ausfälligkeiten und unterstellte dem Ankeraktionär "Eigennutz auf Kosten der Mitaktionäre". Gleichzeitig kündigte er an, die beiden von Freenet gestellten Verwaltungsräte zukünftig von Sitzungen zu diesem Thema ausschliessen zu wollen. Und um dem deutschen Ankeraktionär gleich noch eins auszuwischen, hob Sunrise Communications die Synergieziele auf 280 (zuvor 235) Millionen Franken im Jahr an. "Der Verwaltungsrat erklärt dem Hauptaktionär den Krieg", titelten meine Kollegen bei der Handelszeitung.

Die Börse reagierte ziemlich verstimmt auf die Eskalation im Streit um die milliardenschwere Übernahme von UPC Schweiz und watschte die Aktien von Sunrise Communications zeitweise mit einem satten Minus von über 6 Prozent ab.

Der Gewinner der Woche ist Nathan Hetz, Gründer des gleichnamigen israelischen Immobilienimperiums Alony-Hetz. Wie am gestrigen Donnerstag bekannt wurde, löste sein Unternehmen mit dem Verkauf von 450'000 Aktien der Schweizer Immobilienbeteiligungsgesellschaft PSP Swiss Property rund 58 Millionen Franken. Die Israeli sind seit gut acht Jahren mit an Bord und bleiben nach dem jüngsten Paketverkauf noch mit gut 9 Prozent beteiligt.

Wenn Hetz Anstand besitzt, dann lässt er EZB-Präsident Mario Draghi eine Kiste guten italienischen Rotweins zukommen. Denn dessen "geldpolitischem Experiment" hat er es zu verdanken, dass die Papiere von PSP Swiss Property in den letzten Wochen zu einem regelrechten Höhenflug ansetzten. Alleine für die Zeit seit Ende April errechnet sich ein beachtliches Kursplus von fast 30 Prozent. Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen nur zu gut, was ich persönlich vom "geldpolitischen Experiment" halte. Ich will gar nicht wissen, mit was für neuen "kreativen" Massnahmen die EZB nächstens nachlegen wird...

Seit Wochen zeigt die Aktienkursentwicklung bei PSP Swiss Property steil nach oben. (Quelle: cash.ch)

Hartnäckigkeit zahlt sich aus, dürfte sich Analyst Steve McGarry von der britischen HSBC vor wenigen Tagen wohl gedacht haben, als er zwar das Kursziel für die Genussscheine von Roche auf 225 (zuvor 207) Franken erhöhte – gleichzeitig aber seine Verkaufsempfehlung bekräftigte.

Die Verkaufsempfehlung reicht in den April 2017 zurück, als McGarry das Indexschwergewicht als erster Analyst seit Jahren von "Hold" auf "Reduce" herunterstufte. Händler sprachen damals von einem regelrechten Tabubruch. Dumm nur, hielt McGarry auch dann noch an seiner Verkaufsempfehlung fest, als sich die Genussscheine im Frühsommer letzten Jahres dem früheren Kursziel bis auf wenige Franken näherten - erweist sich die Angst vor einer Umsatzerosion durch günstigere Nachahmermedikamente doch bis heute als unbegründet.

Vermutlich sind die Analysten auch nächste Woche wieder für das eine oder andere Schmankerl gut. Mehr dazu nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
 

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