Sunrise, Logitech und Co. - Firmenlenker machen bei eigenen Aktien kräftig Kasse

Der cash Insider verrät, bei welchen Schweizer Unternehmen sich die Firmenlenker von eigenen Aktien trennen - Und: Bekannter Börsenbrief-Autor bedankt sich bei den SNB-Verantwortlichen.
09.05.2018 12:30
cash Insider
Firmenlenker machen bei eigenen Aktien kräftig Kasse
Bild: fotolia.com

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Die Wirtschaft brummt - und das nicht nur in der Schweiz. Gleichzeitig sorgt die Steuerreform der amerikanischen Regierung auch bei den hiesigen Unternehmen für eine willkommene Entlastung.

Dadurch bleibt unter dem Strich mehr vom Gewinn hängen, was über milliardenschwere Aktienrückkäufe wiederum auch den Aktionären zugute kommt.

Eigentlich müssten die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder nur so vor Zuversicht strotzen. Gegenüber kreditgebenden Banken, Analysten und Investoren versprühen sie denn auch reichlich davon.

Dass der Börsenbetreiberin SIX gegenüber schon seit Wochen immer wieder grössere Titelverkäufe offengelegt werden, will allerdings nicht so richtig in dieses Bild passen - selbst im Wissen, dass hiesige Firmenlenker einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Vergütungen in Form von Aktien des eigenen Unternehmens erhalten.

Das wiederum erklärt, weshalb auf lange Sicht einem Franken an Titelkäufen etwas mehr als vier Franken an –verkäufen gegenüberstehen. Mit anderen Worten: Unter dem Strich sind Schweizer Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder Abgeber in den Aktien des eigenen Arbeitgebers.

Insbesondere Temenos hielt die SIX bis zuletzt auf Trab: Im Anschluss an die Quartalsergebnispräsentation schanzte sich die Geschäftsleitung der Genfer Bankensoftwareschmiede für einen dreistelligen Millionenbetrag synthetische Beteiligungsrechte – im Fachjargon ist auch von "Phantom-Aktien" die Rede - zu. In den darauffolgenden Wochen trennte sich vermutlich derselbe Personenkreis von Aktien im Gesamtwert von gut 80 Millionen Franken.

Die starke langjährige Kursentwicklung lädt bei Temenos geradezu zum Verkauf von Aktien ein (Quelle: www.cash.ch)

Ob und wie das Ganze in Verbindung zueinander steht, entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist: Bei synthetischen Beteiligungsrechten fliessen für gewöhnlich Dollar oder harte Franken, nicht aber Aktien.

Wie einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg entnommen werden kann, haben sich auch bei Logitech Mitglieder der Geschäftsleitung von Aktien des eigenen Arbeitgebers getrennt. Die Rede ist von einer Summe von umgerechnet knapp 12 Millionen Franken.

Der Telekommunikationskonzern Sunrise Communications meldete der SIX hingegen zwei Verkaufstransaktionen im Gesamtwert von 2 Millionen Franken, was im Vergleich mit Logitech geradezu bescheiden anmutet.

Grössere Titelverkäufe waren auch bei Givaudan, Credit Suisse, Bâloise, SGS sowie U-blox zu beobachten.

Diese Häufung kommt nicht von ungefähr. Meist nutzen Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder die Wochen und Monate nach der Jahresberichterstattung, um sich von Aktien zu trennen.

Die Gründe hierfür können vielfältiger Natur sein und sich vom Wegdiversifizieren der Aktien des eigenen Arbeitgebers über die Schaffung von Barmitteln zur Begleichung von Steuerschulden bis hin zur Finanzierung des Bezugs neuer Aktien erstrecken. Was für Gründe hinter der jeweiligen Transaktion stecken, darüber lässt sich meist nur spekulieren.

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Dass sich in der Schweiz ein börsenkotiertes Unternehmen zur eigenen Aktie äussert, kommt höchst selten vor. An der diesjährigen Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) räumte Bankratspräsident Jean Studer kürzlich sämtliche Missverständnisse aus.

Er liess keine Zweifel offen, dass die Aktionäre in ihren Mitbestimmungs- und Vermögensrechten deutlich eingeschränkt sind und dies auch bleiben. Zudem erteilte Studer der Idee eines Rückzugs von der Börse eine klare Absage.

Und tatsächlich haben die Aktien der SNB seither von ihrem Zauber - und an Kurswert eingebüsst. Alleine seit Mitte April verbuchen sie ein sattes Minus von fast 25 Prozent.

Seit Wochen kennen die SNB-Aktien nur eine Richtung: die nach unten (Quelle: www.cash.ch)

Bloss der bekannte deutsche Börsenbrief-Autor Hans Bernecker zeigt sich wie bis anhin unbelehrbar. Er hält an seinem Kursziel von 10'000 Franken für die schlecht handelbaren Aktien fest und bedankt sich beim Bankratspräsidenten und dessen Äusserungen für die günstigeren Kaufkurse.

Für die nächsten Tage stellt Bernecker eine ausführliche Stellungnahme seinerseits in Aussicht. Neue Erkenntnisse erwarte ich jedoch keine...

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