Verkäufe aus Übersee - Amerikaner auf dem Rückzug: Kommt es für Roche und Novartis knüppeldick?

Die beiden SMI-Schwergewichte Roche und Novartis kranken seit Tagen an einer Kursschwäche. Und das nicht ohne Grund, so berichtet der cash Insider. – Und: Leerverkäufer bei UBS und Credit Suisse auf dem Rückzug.
07.01.2021 12:30
cash Insider
Amerikaner auf dem Rückzug: Kommt es für Roche und Novartis knüppeldick?

Der cash Insider berichtet im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv.

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Die Valoren von Roche und Novartis haben auch am heutigen Donnerstag wieder Kursverluste zu beklagen. Das setzt auch dem Swiss Market Index (SMI) zu und kostet diesen knapp 50 Punkte.

Wie mir mehrere Londoner Quellen berichten, sind es vorwiegend Verkäufe aus dem amerikanischen Raum, die den beiden Indexschwergewichten seit Dienstag zusetzen. Dass amerikanische Grossinvestoren ihre Titelpositionen trimmen, dürfte kein Zufall sein. Denn mit dem Sieg bei den Stichwahlen in Georgia sind die Demokraten nun auch im Senat mehrheitsfähig.

Zwar ist die Gefahr, dass der künftige Präsident Joe Biden die Unternehmenssteuerreform seines Vorgängers Donald Trump rückgängig macht, grösser als jene einer Reform des amerikanischen Gesundheitswesens. Allerdings schliessen dortige Politikbeobachter auch eine solche nicht aus und befürchten allenfalls sogar einschneidende staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung bei Medikamenten.

Es dürfte denn auch die Angst vor rückläufigen Medikamentenpreisen sein, welche amerikanische Grossinvestoren dazu veranlasst, die Valoren von Roche und Novartis wie eine heisse Kartoffel fallenzulassen. Zur Erinnerung: Schon vor Monaten rechnete die Credit Suisse vor, dass der Pharmaindustrie dadurch weltweit längerfristig bis zu einem Drittel der Gewinne wegbrechen könnten. Das wäre gelinde gesagt verheerend.

Während sich die Valoren von Roche seit Tagen in einem Stimmungstief befinden... (Quelle: www.cash.ch)

Bei Roche kommen hausgemachte Probleme hinzu. Nach J.P. Morgan warnt neuerdings auch die Credit Suisse vor einem enttäuschenden Schlussquartal. Die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken lässt auf Worte Taten folgen und kürzt ihre Gewinnschätzungen um bis zu 7 Prozent. Am "Neutral" lautenden Anlageurteil für die Genussscheine und am Kursziel von 350 Franken hält sie vorerst indes fest. Weitere Schätzungsreduktionen anderer Banken dürften folgen.

Ich möchte die Gefahr politischer Vorstösse Washingtons gegen die ausufernde Medikamentenpreisentwicklung nicht etwa schönreden. Dennoch scheinen mir die Kursverluste der letzten Tage etwas gar übertrieben. Ausserdem mahlen die politischen Mühlen auch in den Vereinigten Staaten oft langsam. Ich halte es daher wie einst schon Freiherr Carl Mayer von Rothschild. Er predigte stets: Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.

Falsch scheint mir dieses Vorgehen bei den Valoren von Roche und Novartis momentan jedenfalls nicht – selbst wenn Geduld gefragt ist.

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Gestern Mittwoch berichtete ich von stark anschwellenden Wetten gegen die an der New Yorker Börse gehandelten American Deposit Receipts (ADRs) von Roche, Novartis und ABB. Das gilt insbesondere für jene gegen Roche, welche sich innerhalb von gerade einmal zwei Wochen auf knapp eine Million Titel mehr als verdoppelten.

Zugegeben: Eine Million ADRs sind nicht alle Welt. Allerdings ist anzunehmen, dass es sich bei den in New York gehandelten Titeln bloss um einen Nebenschauplatz handelt. Die Leerverkäufer dürften sich denn auch vorwiegend in den deutlich besser handelbaren hiesigen Genussscheinen tummeln. Bloss gibt es – anders als etwa bei unseren deutschen Nachbarn – bis heute keine offiziellen Leerverkaufsstatistiken. Ich sehe darin eine Unterlassungssünde der Schweizer Börse SIX schlechthin.

Anders als bei den Wetten gegen Roche, Novartis und ABB befinden sich amerikanische Leerverkäufer in New York bei vielen anderen Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) still und leise auf dem Rückzug. Einzig bei den dort gehandelten Titeln von UBS, Credit Suisse und Julius Bär will es ihnen nicht so richtig gelingen, sich bei Nacht und Nebel davonzuschleichen.

...erfreuen sich jene der Credit Suisse einer regen Nachfrage (Quelle: www.cash.ch)

Bei der UBS wird noch mit 10 Millionen ADRs auf rückläufige Kurse spekuliert, bei der ewigen Rivalin Credit Suisse sogar nur noch mit deren 3 Millionen. Man muss schon bis März letzten Jahres zurückgehen, um auf ähnlich tiefe Wetten gegen die beiden Schweizer Grossbanken zu stossen. Zur Erinnerung: Damals nutzten Leerverkäufer die Pandemieängste, um ihre Wetten zu schliessen.

Von ungefähr kommt der auch zuletzt wieder zu beobachtende Rückzug nicht, wie das Kursfeuerwerk der letzten Tage eindrucksvoll zeigt. Gestern Mittwoch stieg die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen erstmals wieder auf mehr als ein Prozent, angepeitscht durch den Sieg der Demokraten bei den Senatswahlen im Bundesstaat Georgia. Sollte die Rendite nicht wieder darunter zurückfallen, könnte das die Umtauschoperationen aus den stolz bewerteten Wachstumsaktien in die Finanzwerte weiter anheizen und auch den hiesigen Grossbankaktien endlich neues Leben einhauchen.

Ich freue mich insofern, als dass ich schon anfang November auf die Möglichkeit einer Verschiebung im Marktgefüge in Richtung der damals arg vernachlässigten Substanzwerte hingewiesen habe. Harren wir deshalb doch mal der Dinge, die da noch kommen mögen...

 

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