Verkaufsempfehlungen - Frostiger Empfang für den neuen ABB-Chef

Nach dem Wechsel von Björn Rosengren an die Konzernspitze von ABB hagelt es Verkaufsempfehlungen für die Aktien des Elektrotechnikkonzerns - Und: Ein bekannter Stratege greift bei Aktien beherzt zu.
03.03.2020 12:30
cash Insider
Frostiger Empfang für den neuen ABB-Chef
Bild: fotolia.com

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Am gestrigen Montag gab Peter Voser bei ABB medienwirksam den Chefsessel an Björn Rosengren weiter. Damit konzentriert sich Voser wieder allein auf sein Amt als Verwaltungsratspräsident.

Die Erwartungen an Rosengren sind hoch, gilt der frühere Sandvik-Chef doch nicht nur als erfahrener Turnaround-Manager, sondern auch als ein profunder Branchenkenner.

Während man Rosengren bei seinem neuen Arbeitgeber einen warmen Empfang bereitet, fällt die Begrüssung in Analystenkreisen überraschend unterkühlt aus. Das dürfte weniger mit seiner Person, als vielmehr mit dem schwierigen Wirtschaftsumfeld zu tun haben.

Der für die amerikanische Investmentbank Jeffries tätige Simon Toennessen nimmt die Wiederabdeckung der Aktien von ABB mit "Underperform" und einem Kursziel von gerade mal 18,50 Franken auf. Er schätzt das Margensteigerungspotenzial um einiges geringer ein als viele seiner anderen Berufskollegen - zumindest solange, wie sich der schweizerisch-schwedische Industriekonzern nicht von weiteren Geschäftszweigen trennt.

Seit mehr als 10 Jahren ein Trauerspiel: Die Aktienkursentwicklung von ABB (Quelle: www.cash.ch)

Ins selbe Horn bläst Analyst Ben Uglow von Morgan Stanley. Auch er geht unter Rosengren nur von schleppenden operativen Verbesserungen aus und stuft die Papiere deshalb von "Equal-weight" auf "Underweight" herunter. Das Kursziel lautet neuerdings 19 (zuvor 24) Franken.

Sollte die Weltwirtschaft in eine Rezession übergehen, erachten die beiden Analysten bei ABB gar Kurse um 16 Franken als realistisch. Das entspräche aus heutiger Sicht einem weiteren Rückschlag um nicht weniger als 25 Prozent.

Ob der neue ABB-Chef einen Jass klopfen kann, ist mir nicht bekannt. Wenigstens eine Trumpf-Karte bleibt ihm aber mit dem ab Sommer geplanten milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm...

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Besser hätte es für Christopher Potts von Kepler Cheuvreux kaum laufen können. Nur wenige Tage, nachdem der bekannte Stratege von beunruhigenden Beobachtungen warnte, gerieten die Aktienkurse rund um den Globus ins Rutschen. Seine damalige Aussage, das Handelsgeschehen sei von Gier getrieben und Aktien kaufen so riskant wie lange nicht mehr, hallt bis heute nach.

Dennoch gibt es einen kleinen, aber feinen Schönheitsfehler: Sich in den als weitestgehend konjunkturresistent geltenden Pharma- und Nahrungsmittelaktien und am Schweizer Aktienmarkt zu verstecken, machte sich nur mässig bezahlt. Auch die Pharma- und Nahrungsmittelaktien gerieten unter die Räder und bescherten den hiesigen Aktienindizes schmerzhafte Verluste.

Nun meldet sich Potts erneut zu Wort. Wer jetzt denkt, dass er sich selber auf die Schultern klopft, der irrt. Vielmehr beweist der Stratege Mut, lässt er doch die Hälfte seiner taktischen Barmittel wieder in die Aktienmärkte fliessen - einerseits in die Bankaktien und andererseits in die Technologiewerte.

Der SMI macht einen Teil seiner Verluste von letzter Woche wieder wett (Quelle: www.cash.ch)

Der Stratege wähnt die amerikanische Notenbank vor einer weiteren Kapitulation, was zu den lautwerdenden Forderungen nach einer orchestrierten Leitzinsreduktion rund um den Globus passen würde. Dadurch sei die Gefahr eines weiteren Kursrutschs eher gering, so lässt er durchblicken.

Ganz anders sein Berufskollege Andrew Garthwaite. Der Chefstratege der Credit Suisse reagiert erst jetzt die Kursverwerfung von letzter Woche. Er stuft amerikanische Aktien von "Underweight" auf "Benchmark" herauf und im Gegenzug europäischen Aktien von "Benchmark" auf "Underweight" herunter. Darüber hinaus erhöht Garthwaite die Pharmawerte taktisch von "Underweight" auf "Benchmark". Seines Erachtens bleiben Europa nur wenige Möglichkeiten, um auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs reagieren zu können.

Welcher der beiden Ansätze sich als der Richtige erweist, lässt sich noch nicht abschliessend sagen. Denn entweder erweist sich die Montagnacht von New York ausgehende Börsenerholung als nachhaltig – oder aber sie erweist sich als blosses Strohfeuer. Die nächsten Tage dürften es zeigen. Wichtige Anhaltspunkte in Bezug auf die zukünftige Entwicklung des Swiss Market Index (SMI) erhoffe ich mir dabei von den Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

 

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