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Während andere Banken die Korrektur an den Aktienmärkten zum Ausbau ihrer Engagements nutzen, schlägt Vontobel in ihrer aktuellsten Ausgabe der Anlagepolitik deutlich verhaltenere Töne an. Die Zürcher Privatbank stuft die Aktien von «Übergewichten» auf «Untergewichten» zurück und rät der eigenen Anlagekundschaft zum Verkauf von Engagements. Mit dem Verkaufserlös soll der Barmittelanteil erhöht werden.

Selbst nach der Korrektur seien die Bewertungsindikatoren bestenfalls im neutralen Bereich, so die verantwortlichen Strategen. Die Wirtschaftsindikatoren aus Asien und China seien zuletzt ebenfalls schwächer als erhofft ausgefallen und die Gewinnerwartungen würden schon seit geraumer Zeit stagnieren.

Bei Vontobel zeigt man derzeit Gefallen an amerikanischen Bankaktien, den Aktien von Schweizer Vermögensverwaltern sowie europäischen und japanischen Aktien. Insbesondere in den Schwellenländern rät die Zürcher Privatbank zu einem klaren Untergewicht. Eine Ausnahme bildet dabei der russische Aktienmarkt.

Dass die Meinungen in Bezug auf die Aktienmarktentwicklung weit auseinander gehen, hat nicht zuletzt mit den widersprüchlichen Signalen der US-Notenbank zu tun. Letztere will sich in Bezug auf ein sich abzeichnendes Ende des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken nicht so recht in die Karten blicken lassen. Ich bleibe bei meiner Vermutung, dass die Exponenten an den Finanzmärkten ganz absichtlich für Verwirrung sorgen – auch wenn «Unité de doctrine» noch nie eine Stärke der US-Notenbank war.

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Bis vor wenigen Wochen zählten die beiden Tochtergesellschaften ACC und Ambuja Cement noch zu den Kronjuwelen des Ostschweizer Zementherstellers Holcim.

Seither haben sich die Rahmenbedingungen im vermeintlichen Wachstumsmarkt allerdings sichtlich eingetrübt. Die für diese Jahreszeit ungewöhnlich schlechten Witterungsbedingungen und über die letzten Jahre aufgebaute Überkapazitäten drücken nicht nur auf den Absatz, sondern auch auf die Preisentwicklung.

Am Hauptsitz in Jona ist man deshalb gefordert. Nur allzu verständlich, werden in der Finanzpresse alte Gerüchte einer bevorstehenden Verschmelzung von ACC und Ambuja Cement wieder aufgewärmt. Angeblich habe Holcim eine grosse Investmentbank mit der Prüfung dieses und anderer Szenarien beauftragt.

Unter dem neuen CEO Bernard Fontana hat sich das Mutterhaus schon vor Monaten einer Kostenkur verschrieben. Also wieso sollte das Unternehmen nicht auch mögliche Kostensynergien zwischen den beiden indischen Tochtergesellschaften ausschöpfen? Zumindest aus Aktionärssicht wäre ein solches Vorgehen wünschenswert.

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In den letzten Wochen hatten die Namenaktien von Syngenta einen eher schweren Stand. Da sich in Nordamerika in diesem Jahr eine Rekordernte abzeichnet, gerieten die Agrarrohstoffpreise ins Rutschen. Aufgrund von Verhaltensmustern aus der Vergangenheit liess eine Reaktion in den Valoren des Basler Vorzeigeunternehmens nicht lange auf sich warten.

In einer heute erschienenen Unternehmensstudie versucht Goldman Sachs nun allerdings, den am Markt in Ungnade gefallenen Aktien neues Leben einzuhauchen: In der Studie setzt der Verfasser die Papiere auf die berühmt-berüchtigte «Conviction Buy List». Nach einer substanziellen Aufwärtsrevision seiner Gewinnschätzungen für die kommenden zwei Jahre errechnet der Experte neu ein 12-Monats-Kursziel von 480 (470) Franken. Davon lässt sich vom gestrigen Schlusskurs ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 28 Prozent ableiten.

Der Studienverfasser hält die längerfristigen Wachstumstreiber bei Syngenta für intakt. Aufgrund des integrierten Geschäftsmodells werde sich die Geschäftsentwicklung der Basler auf Jahre hinaus vom Branchenzyklus abkoppeln. Denn durch die Strategie sei es den Endkunden möglich, ihre Ernteerträge trotz tieferen Agrarrohstoffpreisen zu steigern. Dadurch bleibe den Landwirten mehr verfügbares Einkommen.

Aufwärtspotenzial sieht man bei Goldman Sachs auch im Zusammenhang mit der sehr soliden Bilanz. Letztere lasse bei Syngenta ergänzende Firmenübernahmen, ein Aktienrückkaufprogramm oder eine Sonderdividende in der Grössenordnung von gut 4 Milliarden Dollar zu, so der Experte.

Über die intakten Wachstumsaussichten der Basler braucht man sich mit mir nicht zu streiten. Die aggressive Kaufempfehlung aus dem Hause Goldman Sachs erachte ich dennoch als sehr mutig. Zum einen ist es noch kaum einem Unternehmen gelungen, sich über mehrere Jahre vom Branchenzyklus abzukoppeln. Zum anderen wären da das verhältnismässig nasse Wetter in Nordamerika, steigende Kosten im Saatgutbereich und der im bisherigen Jahresverlauf stark unterdurchschnittliche Pilzbefall in Europa. Alle diese Faktoren lassen mich im Hinblick auf die Ergebnisveröffentlichung von Ende Juli eine Enttäuschung vermuten. Allenfalls dürfte der Markt ein ermutigender Ausblick der Firmenverantwortlichen für die zweite Jahreshälfte über die Ergebnisenttäuschung hinweg blicken lassen.