Was ist bloss mit Meyer Burger los?

Der cash Insider mit den Hintergründen des jüngsten Rückschlags bei den Aktien von Meyer Burger - Und: Wie die Publikumsaktionäre bei Holcim vom Widerstand der Grossaktionäre profitieren könnten.
10.03.2015 12:30
cash Insider
Was ist bloss mit Meyer Burger los?

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Für die Aktionäre von Meyer Burger begann der gestrige Tag eigentlich recht vielversprechend. Das im bernischen Gwatt beheimatete Solarzulieferunternehmen gehört neuerdings zu den Technologiepartnern des deutschen Pioniers Solarworld, was mit einem Nachrüstungsauftrag im oberen einstelligen Millionenbereich einhergeht.

Kurz nach Handelsbeginn schossen die Namenaktien von Meyer Burger zeitweise um 4,7 Prozent nach oben. Die vom Auftrag ausgehende Signalwirkung liess die Baissiers gleich reihenweise das Handtuch werfen. Die Deckungskäufe hielten allerdings nicht lange, und die Papiere gingen letztendlich sogar um 5,5 Prozent unter dem Schlussstand vom Freitag aus dem Handel.

Noch vor ein paar Jahren wäre ein Auftrag im vorliegenden Gesamtvolumen niemals ein Grund für eine Pressemitteilung gewesen. Kommt dazu, dass die Nachrüstungsarbeiten frühestens Ende Jahr umsatz- und ertragswirksam werden.

Besorgniserregend ist aber etwas völlig anderes: Obschon der einstige Börsenliebling mittlerweile sogar Aufträge im oberen einstelligen Millionenbereich meldet, sind selbst solche Pressemitteilungen äusserst selten. Seit der Ergebnisveröffentlichung für das erste Halbjahr 2014 von Mitte August erhielt Meyer Burger nur gerade zwei vergleichbare Aufträge.

Bleibt aus Aktionärssicht zu hoffen, dass wenigstens die wiederkehrenden kleineren und mittelgrossen Aufträge sich summieren. Ansonsten droht anlässlich der Jahresergebnispräsentation eine weitere Enttäuschung, ist die von den Firmenverantwortlichen angedeutete Belebung der Auftragslage bislang doch nichts anderes als ein blosses Lippenbekenntnis.

Näheres wissen wir wohl erst, wenn Meyer Burger am 26. dieses Monats den Zahlenkranz für das vergangene Jahr vorlegt. Seit gestern wissen wir: Zumindest die von Branchenexperten erwartete Umsatzverbesserung um bis zu 65 Prozent ist vermutlich nicht mehr als blosses Wunschdenken.

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Seit ich am Montag vor einer Woche in meiner Kolumne vom Widerstand im Aktionariat von Holcim gegen die geplante Hochzeit mit Lafarge berichtete, hat sich einiges getan. Mittlerweile gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sich auch Thomas Schmidheiny und Eurocement auf die Seite der abtrünnigen Aktionäre geschlagen haben. Die beiden Schwergewichte im Aktionariat kontrollieren gemeinsam knapp 30 Prozent der Stimmen, was am Hauptsitz des weltgrössten Zementherstellers in diesen Tagen für heisse Köpfe sorgen dürfte. Denn um den Zusammenschluss mit dem französischen Rivalen in trockene Tücher bringen zu können, benötigen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung eine Zweidrittelmehrheit.

Noch machen die beiden heiratswilligen Grosskonzerne allerdings keine Anstalten, am ursprünglichen Umtauschverhältnis zu rütteln. Nach Berichten in der Wochenendpresse liess Holcim die Öffentlichkeit lapidar wissen, dass dem Unternehmen keine direkten Zitate zuzuschreiben seien.

Eine Sprache für sich sprechen hingegen die aus der Analystengemeinde eintreffenden Verkaufsempfehlungen für die Aktien von Lafarge. Den Anfang machte Helvea vor wenigen Tagen mit einer Rückstufung der Papiere von "Hold" auf "Sell" und dem unmissverständlichen Ratschlag an die Kundschaft, doch bitte in jene von Holcim oder besser doch gleich in die des Rivalen HeidelbergCement umschichten zu wollen.

Seither meldete sich auch der für die MainFirst Bank tätige Berufskollege zu Wort. Er stufte die Aktien von Lafarge mit einem Kursziel von 60 Euro von "Outperform" auf "Underperform" herunter. Und um seiner Empfehlung Nachdruck zu verleihen, setzte er die Papiere auch gleich noch auf die Liste der Schlüsselverkaufsempfehlungen im europäischen Baumaterialsektor.

Eleganter als eine Anpassung des Umtauschverhältnisses wäre es, die Aktionäre von Holcim mit einer Sonderdividende versöhnlich zu stimmen. Diesbezüglich vertritt der Experte der UBS eine klare Meinung: Er hält eine einmalige Ausschüttung von 5 bis 10 Franken je Aktie für realistisch. Mehr dürfe der Ostschweizer Zementhersteller allerdings nicht entrichten, destabilisiere er ansonsten die Bilanz.

Nicht auszudenken was passiert, wenn die Holcim-Aktionäre den geplanten Zusammenschluss an der ordentlichen Generalversammlung von Mitte April „bachab schicken“. Gemäss Berechnungen von J.P. Morgan wäre dann aus heutiger Sicht bei Lafarge mit einem Kursrückschlag von 20 Prozent, bei CRH mit einem von 16 Prozent und bei Holcim immerhin noch mit einem Rückschlag im Ausmass von 9 Prozent zu rechnen.

 

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